10.06.2019 - 14:22 Uhr
LeuchtenbergDeutschland & Welt

Wenn die Burg zum Blocksberg wird

„Die kleine Hexe“ feierte eine vielbeklatschte Premiere in Leuchtenberg.

Marie Tölzer in der Titelrolle des Kinderbuch-Klassikers "Die kleine Hexe" mischt die Hexen-Community ziemlich auf.
von Holger Stiegler (STG)Profil

„Heute ist Walpurgisnacht, was uns Hexen Freude macht. Wie seit Jahren, so auch heuer, wirbeln wir ums Hexenfeuer. Alles singt und tanzt und lacht, heute ist Walpurgisnacht!“ So wird gesungen seit Samstagnachmittag bei den Burgfestspielen Leuchtenberg. Das junge Ensemble des Landestheaters Oberpfalz (LTO) bringt unter der Regie von Till Rickelt und Barbara Trottmann eine kurzweilige Adaption von Otfried Preußlers Bestseller „Die kleine Hexe“ in der Bearbeitung von John von Düffel auf die Bühne.

Hexen gibt es viele – zumindest als fiktionale Figuren: Bibi Blocksberg, Gundel Gaukeley aus dem Disney-Universum, die drei Hexen aus Shakespeares „Macbeth“, die Hexe aus „Hänsel und Gretel“, die Hexen aus „Charmed“ oder die Musical-bekannten „Wicked- Die Hexen von Oz“. Und dann ist da eben noch die – namenlose – „kleine Hexe“. Bei den Burgfestspielen ist es Marie Tölzer, die die Titelrolle übernimmt und als Hexe eine tolle Partie abgibt. Frech, freundlich und ehrgeizig kommt sie daher, sie ist gerade einmal 127 Jahre alt und übt täglich das Hexen, um von den großen Hexen anerkannt zu werden. Denn sie hat einen großen Wunsch: Sie möchte mit den großen Hexen auf dem Blocksberg herumfliegen. Und das, obwohl sie altersmäßig noch lange nicht so weit ist.

So kommt es, wie es kommen muss: Als die kleine Hexe versucht, sich in der Walpurgisnacht unerlaubt den anderen Hexen anzuschließen, wird sie von der Hexe Rumpumpel (herrlich schrill: Selina Nowak) entdeckt. Zur Strafe verbrennen die Oberhexe (gönnerhaft: Vincent Poschenrieder) und der Hexenrat ihren Hexenbesen. Sie darf in der nächsten Walpurgisnacht nur an der Hexenfeier teilnehmen, wenn es ihr gelingt, bis dahin zu einer „guten Hexe“ zu werden. Glücklicherweise steht der kleinen Hexe ihr bester Freund, der sprechende Rabe Abraxas (Jana Tölzer), stets mit Rat und Tat zur Seite. Zusammen treffen sie auf Vroni und Thomas, die Holzsammlerinnen, das Papierblumenmädchen und viele weitere Figuren, denen die Hexe mit ihrer Hexenkunst helfen kann.

Eine feste Säule des Stückes ist natürlich das grandiose Zusammenspiel der beiden Tölzer-Schwestern: Sie geben ein tolles Duo mit Comedy- und Slapastick-Qualitäten ab. Doch das Ensemble kann durch die Bank überzeugen, jeder Schauspieler, jede Schauspielerin fühlt sich in die jeweilige Rolle hinein, manche Akteure übernehmen auch mehrere Rollen. Ein besonderes Lob hat Mia Puhane verdient, versteht sie es doch, den trotteligen Fähnrich ebenso authentisch darzustellen wie das erbarmungswürdige Papierblumenmädchen.

Was auf der Bühne passiert, ist durch und durch stimmig: Dazu tragen auch die herrlichen Kostüme (verantwortlich: Eva Schwab) und das zweckmäßige, vielfältig einsetzbare Bühnenbild (verantwortlich: Till Rickelt) bei. Sogar der Wechsel der Jahreszeiten findet mit unterschiedlich gefärbten Blättern seinen Niederschlag. Dass die Geschichte ein gutes Ende nimmt, versteht sich von selbst. Und der kräftige Schlussapplaus – dazu braucht es keiner Hexerei – verdeutlicht: „Die kleine Hexe“ macht nicht nur den Beteiligten Spaß, sondern auch dem Publikum.

Die Tölzer-Schwestern Marie (rechts) und Jana überzeugen als "Kleine Hexe" und Rabe Abraxas.
Mit dem passenden Zauberspruch bekommen auch die Holzsammlerinnen ihr Erfolgserlebnis.

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