02.09.2018 - 12:04 Uhr
LeuchtenbergDeutschland & Welt

Himmlische Barocktöne

Werke eines weitgehend unbekannten Altmeisters, dargeboten von jungen künftigen Meistern, erklangen beim klassischen Konzert „Opella Ecclesiastica“ in der fast vollbesetzten Pfarrkirche St. Margareta.

Das studentische Kammerorchester „Plánický orchestra 415Hz“ mit der Sopranistin Marie Rosová spielte in der Leuchtenberger Pfarrkirche St. Margareta.
von FSBProfil

Von einem "musikalischen Leckerbissen grenzüberschreitender tschechisch-bayerischer Zusammenarbeit" im Rahmen eines EU-Förderprogramms sprach Bürgermeister und Initiator Anton Kappl. Pfarrer Günther Ecklbauer aus Manétin hatte den Kontakt hergestellt. Kappl wies auf die seit Jahrzehnten bestehende Verbindung zwischen Leuchtenberg und Manétin hin. Auch die tschechischen Organisatoren der Veranstaltung, Marek Rostik sowie Jana und Barbara Rostikova, waren am Freitagabend dabei, als das studentische Kammerorchester „Plánický orchestra 415Hz“ auftrat. Das Konzert „Opella Ecclesiastica“ war eine weitere Aufführung nach Veranstaltungen in Manétin, im Kloster Tepl und in Dobřany.

Aus Lexika bekannt

Der Komponist und Tenorist Josef Antonín Plánický (geboren 1691) ist ein berühmter Sohn der Gemeinde Manétin. Er gehörte zu den anerkannten böhmischen Musikern, die im 18. Jahrhundert in deutschen Residenzen auftraten und so in engste Berührung mit der barocken Kultur der Adelssitze und der Kirche kamen. Bekannt ist er fast nur aus Musiklexika, und seine Kompositionen sind nur zu einem Bruchteil erhalten geblieben, legen jedoch Zeugnis ab von der ungewöhnlichen Begabung ihres Schöpfers. Seit 1722 war Plánický Mitglied der fürsterzbischöflichen Kapelle in Freising, wo er 1732 verstarb.

Die „Opella Ecclesiastica“ aus dem Jahr 1723 ist sein einziges Werk, das nicht verschollen ist. Die Sammlung von zwölf geistlichen Kantaten für Kammerorchester und Sologesang beginnt mit „Über die Liebe zu Gott“ und endet mit dem „Weggang aus dieser Welt“. Sie wurde zwar auch in der Liturgie aufgeführt, doch einige Teile wirken, als wären sie für die Oper geschaffen worden.

Die Aufführung dieses Meisterwerkes beruht auf einem einzigartigen Projekt einer Meisterklasse mit dem Einstudieren konkreter Musikstücke. Durch eine Ausschreibung konnten sich Gymnasiasten sowie junge und reifere Studenten mit Interesse an der Musik des Hochbarocks dafür bewerben. Unter Leitung erfahrener Lehrender sowie des Dirigenten Jakub Kydlíček bildete sich daraus das speziell für dieses Projekt zusammengestellte Kammerorchester „Plánický orchestra 415Hz“, in dem auch zwei slowakische Musiker mitwirken. Innerhalb von nur drei Tagen intensiver Arbeit war es in der Lage, die vier Konzerte an aufeinanderfolgenden Tagen erfolgreich darzubieten.

Die zwölf Solomotetten wurden nach der originalen Handschrift gekonnt in barocker Stimmung und musikalischer Einheit mit Violinen, Violen, Violoncelli und Kontrabass sowie zur Ausführung des „Basso continuo“ mit den historischen Instrumenten Cembalo, Theorbe (Basslaute), Positiv (einmanualige Orgel) und Barockfagott vorgetragen. Dabei lag der Kammerton, auf den die Instrumente eingestimmt wurden, wie in der Barockzeit üblich bei etwa 415 Hertz, ziemlich genau einen Halbton tiefer als bei den heute gebräuchlichen 440 Hz für den Ton a’. Die Hälfte der Kantaten eröffneten die Musiker mit einer mal munteren, mal ruhigen Sonate. Jedes Einzelstück bestand aus einem Rezitativ, in dem sich der gesungene Text in der Orchestersprache spiegelte, und aus einer Arie.

Glänzende Musiker

Dabei glänzten die angehenden Profis, die dadurch Erfahrung für ihre weitere berufliche Entwicklung sammeln konnten, mit durchwegs anspruchsvollen Leistungen. Den von sechs Sängerinnen abwechslungsreich gestalteten Sopranteil meisterten Marie Rosová, Jitka Jakubíková, Anna Petrtylová, Zuzana Badárová, Veronika Vojířová und Jana Burdová bravourös mit ihrem jeweils eigenen Timbre. Ihnen standen der Bassist Rostislav Florian und die Altsängerinnen Anna Moriová und Lenka Švehlíková in nichts nach. Gefühlvoll und durchaus auch energisch leitete Dirigent Kydlíček seine 15 Musiker und die Gesangssolisten.

Das Ziel des Barocks, den Menschen zu erheben und zu verzücken, wurde mit dieser Aufführung vollends erreicht, wie der begeisterte Schlussapplaus bewies.

Das Kammerorchester „Plánický orchestra 415Hz“ mit dem historischen Zupfinstrument, der Theorbe.

Sopranistin Jana Burdová inmitten der Cellistinnen.

Begrüßung durch Pater Günther Ecklbauer aus Manétin, einem gebürtigen Österreicher.

Solo für den Geiger Viktor Tomek.

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