24.05.2019 - 14:06 Uhr
LeuchtenbergDeutschland & Welt

Susi fährt die Krallen aus

Mit einem Klassiker zu beginnen, der auf einer legendären Verfilmung basiert, ist ambitioniert. Die Premiere von „Kohlhiesels Töchter“ beweist allerdings das richtige Händchen des Landestheaters Oberpfalz zur Eröffnung der Burgfestspiele

Die beiden Schwestern Liesl (Sophia Janner, rechts) und Susi (Sophia Scherm) halten die Männerwelt ganz schön auf Trab, davon können Toni (David Endress, links) und Peter (Adnan Barami) ein Lied singen.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Derb, brüsk, unhöflich, kräftig und schlecht angezogen: Die Susi Kohlhiesel ist nicht gerade die Frau, der die Männerherzen zufliegen. Sie tut auch wirklich alles dafür, dass man ihr am besten aus dem Weg geht. Überspitzt könnte man sie wohl als „Bauerntrampel“ par excellence bezeichnen. So begegnet schon Liselotte Pulver in den 1960er Jahren in der Ambesser-Verfilmung dem Publikum – und so macht es auch „Susi“-Darstellerin Sophia Scherm in der Inszenierung von Nicole Schymiczek (Bühne: Peter Engel; Kostüm: Eva Schwab) – bei der LTO-Premiere am Donnerstag auf Burg Leuchtenberg.

Die Susi ist der Dreh- und Angelpunkt des Stückes, mit der adäquaten Darstellung der Figur steht und fällt eine Inszenierung – und Sophia Scherm – eine „Bilderbuch-Susi“ – überstrahlt mit ihrer Gestik, ihrer Mimik und ihrer Körpersprache ein eh’ schon äußerst harmonisches und wohlgefälliges Ensemble.

Und warum ist diese Susi so wichtig? Nun, die Geschichte ist überschaubar und rasch erzählt: Gastwirt Zacharias Kohlhiesel (fast an seiner Tochter verzweifelnd: Gerhard Wölfel) hat zwei Töchter, zu deren Erbe auch mehrere hundert Hektar Land gehören. Zwei gute Partien also. Die eine, Liesl (augenscheinlich brav, doch voller Koketterie: Sophia Janner), ist wohlgeraten und kann sich vor Verehrern kaum retten; und die andere ist eben Susi, die immer etwas auf Krawall gebürstet ist.

Der letzte Wille

Doch es war der letzte Willen der Mutter Amalia, dass Liesl nicht vor Susi heiraten darf. Das ist für den Witwer und beide Töchter bindend; und so geht’s darum, wie man die eine, irgendwie an irgendeinen willigen Mann bringen kann. Wichtig dafür ist eine vom Vater aufgegebene Heiratsanzeige im „Leuchtenberger Kurier“ – das Geschehen des Stücks konnte problemlos in die Oberpfalz verlegt werden –, die allerdings als Doppelannonce mit der Suche nach neuem männlichen Personal erscheint, die wiederum Susi aufgegeben hat. Dass dies im Gesamtpaket jede Menge Komplikationen, Verwechslungen und absurde Situationen mit sich bringt, lässt sich leicht vorstellen.

Verehrer gibt es letztlich drei verschiedene, wobei deren Zuneigungen zu den beiden Schwestern auch gewissen Variationen unterliegen: Da ist zum einen Rolf, der es allerdings in erster Linie auf die Mitgift abgesehen hat, und dem es völlig egal ist, wen er ehelicht – er geht nach allen Seiten hin leer aus. Florian Weber übernimmt diese Rolle mit Bravour, sorgt für einen rasanten Fahrrad-Stunt und darf auch seine Bauchmuskeln zeigen.

Tatsächlich verliebt

An Körpereinsatz und Stürzen – mal vom Stuhl, mal wird er vom Tisch geworfen und auch Stufen können tückisch sein – übertrifft ihn nur David Endress. Er mimt Liesls Jugendfreund Toni, der diese unbedingt heiraten will, letztlich aber doch die Vorzüge von Susi entdeckt und sich tatsächlich in sie verliebt. Und dann ist noch Student Peter (Adnan Barami), der die richtigen Fäden spinnt, um Liesl alleinig für sich zu gewinnen.

Nach vielen Verwicklungen und Auf und Abs in den zwischenmenschlichen Beziehungen – Zacharias Kohlhiesel bringt es auf den Punkt mit seiner Einschätzung „Der Untergang Karthagos ist ein Dreck dagegen“ – gibt es ein Happy-End, für das Susi – animiert von ihrer Schwester Liesl – ein wesentliches Charakteristikum der Männerwelt ausgenutzt hat: „Männer können besser schauen als denken!“.

Damit kann dann auch der Geist ihrer Mutter Amalie (zum Gruseln komisch: Andrea Kleber) zufrieden sein, die immer wieder aus dem Nebel aufsteigt und das Geschehen mal mit Sorge, mal mit Freude beobachtet. Mit ganz viel Applaus wurden die Akteure auf und hinter der Bühne für ihre Leistungen bedacht. Denn man muss kein ausgewiesener Volkstheater-Fan sein, um diese herrliche Inszenierung zu mögen.

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und www.nt-ticket.de

Für Rolf (Florian Weber) ist es nicht nur ein Kampf mit Susi, sondern auch mit dem Sonnenschirm.
Zacharias Kohlhiesel (Gerhard Wölfel, rechts) hat es als Witwer nicht leicht mit seinen beiden Töchtern.

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