Liebe ist Liebe

Am 25. Juli 2017 erblickte Annett Louisans Tochter Emmylou Rose das Licht der Welt. Vor allem diesem kleinen Wesen ist das aktuelle Werk der Pop-Elfe gewidmet, „Kleine große Liebe“ betitelt.

Annett Louisan geht auf Deutschlandtournee und spielt in Bayern am Montag, 28. Oktober (20 Uhr), in München (Philharmonie im Gasteig) und am Dienstag, 29 Oktober (20 Uhr), in Nürnberg (Meistersingerhalle).
von Autor MFGProfil

Viel ist passiert bei Annett Louisan in den vergangenen fünf Jahren seit Veröffentlichung des sechsten „richtigen“ Studioalbums „Zu viel Information“ (2016 kam noch das mit Coverversionen gespickte Werk „Berlin, Kapstadt, Prag“ in den Handel). So ging die zierliche Frau aus Sachsen-Anhalt die Ehe mit dem Musikproduzenten Marcus Brosch ein. Zwei Jahre später nahm die am 2. April 1977 in der Hansestadt Havelberg Geborene an der dritten Staffel der TV-Sendung „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ teil.

Es handelt sich dabei um ein Doppelalbum, thematisch in „kleine“ und „große“ Liebe unterteilt. Musikalisch erneut ein betörender Ausflug in die Welt aus Chanson, Pop und Liedermacherei, hat Louisan sich dieses Mal textlich emotional so weit wie nie aus dem Fenster gelehnt. Was sie im Gespräch auf der Stelle bestätigt.

ONETZ: Was ist der Unterschied zwischen „kleiner“ und „großer“ Liebe für Sie?

Annett Louisan: Liebe ist zunächst mal Liebe – für mich der Motor von allem im Leben, die große Antriebskraft schlechthin. Ansonsten bietet Liebe und alles was damit definiert wird viele Facetten. Ohne der Liebe zu viel von ihrem Mysteriösen zu rauben: Die Unterschiede zwischen kleiner und großer Liebe sind durchaus subtil.

ONETZ: Wie definieren Sie das Wort „Liebe“ persönlich?

Ich definiere es logischer Weise aus weiblicher Sicht. Wir Frauen verstellen uns schon mal gerne. Selbst ich als Mutter und Ehefrau bin davor nicht gefeit. Jenseits der 40 will man das Leben – und die Liebe – nochmals feiern. Gleichzeitig steckt man irgendwie in der Midlife-Crisis fest.
Unabhängig davon bin ich auf der neuen Platte so aufrichtig und authentisch wie niemals zuvor in meinen Texten. Mein Mann, der selbst mit Musik zu tun hat, ist sehr stolz auf mich. Weil es mir zum ersten Mal gelungen ist, an sämtlichen Versen mitzuschreiben.

ONETZ: Wie hoch waren die Erwartungshaltungen ans neue Album – immerhin sind rund fünf Jahre ins Land gezogen seit der letzten Studio-Produktion?

Ich habe mich von nichts und niemandem drängen lassen. Kein Druck, denn ich wollte in jener Phase meines Lebens vor allem Mama sein. Wer mir diese freie Zeit nicht gegönnt hat – Pech für ihn. Während ich früher ganz auf den Faktor „Glück“ gesetzt habe, bin ich inzwischen vom Faktor „Selbstvertrauen“ überzeugt.

ONETZ: Sie haben Ihre Karriere demnach zumindest eine Zeitlang komplett für die Mutterschaft hintenan gestellt?

Genau – und ich habe nichts lieber getan als zu verzichten. Seit ich dieses Kind habe, weiß ich, dass ich nie mehr im Leben ohne Liebe sein werde. Aber jetzt gibt es bei mir wieder Raum, damit ich die Kreativität erneut sprudeln lassen kann. Zwar vermisse ich meine Tochter jeden Tag, an dem ich sie nicht bei mir weiß, weil es etwas zu arbeiten gibt. Gleichzeitig ist mir meine Karriere wichtig. Ich will, dass es weiter geht. Auf der anderen Seite schützt mich Emmylou Rose vor den Erwartungshaltungen der Außenwelt.

ONETZ: Warum sprechen Sie im Zusammenhang mit den aktuellen Liedern so viel von Authentizität?

Weil dieses Mal extrem viel Autobiographisches in den Stücken zu finden ist. Ich besitze nur noch wenig Lust, wie früher in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Das interessiert mich momentan wenig.

ONETZ: Ihr Image nach außen spielt also kaum noch eine Rolle?

Darüber habe ich mir bis vor ein paar Jahren tatsächlich eine Menge Gedanken gemacht. Doch heute bin ich die beste Freundin von mir, ruhe in mir. Ich habe gelernt, dass öffentliche Anerkennung sehr gefährlich sein kann, wenn man nicht wahnsinnig selbstbewusst ist. Jedenfalls möchte ich in keine Schubladen mehr gesteckt werden. Weil es keine gibt, die zu meiner Arbeit passt.

ONETZ: Unabhängig von der Kategorisierung hat man bei Ihnen seit jeher, das Gefühl, Sie begeistern sich für „anachronistische Klänge“, was als Kompliment zu verstehen sein soll…

Tatsächlich bin ich ein nostalgischer Mensch und Fan der Musik von „Früher“. Zur selben Zeit war und bin ich offen für alles Neue. Ich besitze eine frankophile Ader, fühle mich also dem Chanson nahe. Andererseits bin ich in der DDR aufgewachsen. In jener Phase habe ich viele emotionale Eindrücke gesammelt, die ich in meiner Erinnerung abgespeichert habe. Alles in allem ist es für mich das größte Kompliment, wenn man meine Lieder als „zeitlos“ einstuft.

ONETZ: Herbst und Winter stehen ganz im Zeichen einer ausgiebigen Tournee. Was ist auf der Bühne von Ihnen zu erwarten?

Ich möchte das Doppelalbum Abend für Abend möglichst komplett spielen, zusammen mit meiner fünfköpfigen Band – das Ganze unterteilt durch eine Pause. Und zusätzlich all die Stücke, die vom Publikum hoffentlich gewünscht werden. Ansonsten habe ich nach wie vor regelmäßig Lampenfieber. Aus Respekt vor der Ausnahmesituation. Außerdem schärft Lampenfieber die Konzentration. Live gebe ich jedenfalls stets den vollen Einsatz.

Info:

Kartenservice

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.