03.08.2018 - 12:02 Uhr

Lieder aus dem Wald

Alles an dieser Formation ist sperrig. Und groß. Und erhaben. Und originell. Eine Erkenntnis, die mit dem Titel des ersten "richtigen" Albums beginnt, denn wer traut sich schon, seine Platte mit "69591, LAXÄ" zu betiteln?

The Gardener & The Tree überzeugt mit Facettenreichtum, gibt Songs einer langen Bandgeschichte wieder und zeigt Bilder der Zukunft. The Gardener & The Tree veröffentlichen mit „69591, LAXÅ“ den ersten Longplay ihrer Karriere und beweisen nicht nur eine einprägsame Linie sondern auch Mut zur Authentizität, lassen in ihre Vergangenheit einblicken. Arnaud Ele
The Gardener & The Tree überzeugt mit Facettenreichtum, gibt Songs einer langen Bandgeschichte wieder und zeigt Bilder der Zukunft. The Gardener & The Tree veröffentlichen mit „69591, LAXÅ“ den ersten Longplay ihrer Karriere und beweisen nicht nur eine einprägsame Linie sondern auch Mut zur Authentizität, lassen in ihre Vergangenheit einblicken.

Es ist ein Name, der für die Postleitzahl des kleinen Ortes Mossbo in Schweden steht, in der ebendiese Scheibe entstanden ist. Und dann auch noch die folgende Aussage von Sänger und Percussionist Manuel Felder, der lapidar behauptet: "Wir haben uns zwei Wochen auf dieser schwedischen Insel aufgehalten. Ein Ausflug, der vor allem der Inspiration für unsere Platte diente. Nicht weniger. Aber auch nicht mehr. Letztlich ist dieses Werk in unserer Heimat festgeklopft worden. Also im Schweizerischen Schaffhausen."

Und schon wieder sind wir bei der Sperrigkeit angekommen: Felder sieht sich als "Ur-Schweizer", wie er bekennt. Geboren allerdings wurde er in Australien, wo er die ersten zwölf Jahre seines Lebens verbracht hat. Die Band, welcher der heute 30-Jährige vorsteht, trägt gleichfalls einen gewöhnungsbedürftigen Namen - The Gardener & The Tree. "Wir machen nunmal ernsthafte Musik", grummelt Felder, "um das zu vermitteln, braucht es einen möglichst nicht sehr eingängigen Namen. Außerdem bin ich viel im Wald, das ist mein Job als Förster. Meine Band und ich können nicht von der Musik leben. Das macht nichts. Dadurch spielen wir den Sound, den wir lieben. Uns redet niemand rein."

Und was für ein Sound das ist, dieses Dräuende, dieses Unerbittliche, dieses der Seele Labsal Verleihende. The Gardener & The Tree wurden vor fünf Jahren ins Leben gerufen, immer wieder wird der Klang-Kosmos des Quintetts mit hehren Ausnahme-Bands wie Mumford & Sons, Fleet Foxes oder dem frühen Tom Waits in Zusammenhang gebracht. "Das sind wundervolle Künstler", sinniert Felder. "Aber inspiriert werden wir in erster Linie von den Kings Of Leon, 16 Horsepower oder Coldplay. Wir lieben das Undurchdringliche, Mysteriöse. Uns geht es um die absolute Zeitlosigkeit, das Nicht-Fassbare. Deshalb ergibt es wenig Sinn, wenn man uns in Schubladen steckt. Entweder man mag uns. Oder man lässt es sein, was unsere Arbeit betrifft. Wir drängen uns niemandem auf. Wir sind einfach nur da."

Es gibt - bislang leider nur vor allem in der Schweiz - eine Menge Menschen, die jener eigenwilligen Klang-Welt von The Gardener & The Tree folgen. So enterte die neue Produktion "89591, LAXÄ" (Universal) aus dem Stand Position 5 der eidgenössischen Charts. "Das ist angenehm", meint Felder lakonisch. "Aber eigentlich sind wir selbstbewusst genug, um so einen Umstand nicht sonderlich ernst zu nehmen. Wir wissen, dass wir eigenwillige Musik spielen. Dafür brauchen wir keine Bestätigung von außen. Die Menschen, die unseren Stoff kennenlernen, fühlen sich davon magisch angezogen. Oder die Sache lässt sie kalt. Zweiteren können wir nicht weiterhelfen."

Manuel Felder würde sich und seine vier musikalischen Mitstreiter durchaus als "Eigenbrödler" bezeichnen, wie er behauptet. "Wir sind keine Party-Typen, dieser oberflächliche Feier-Quatsch bringt einen in der persönlichen Entwicklung null weiter", ist er überzeugt. "Trotzdem sind wir fröhliche Typen. Wobei Melancholie und Sentimentalität unsere stetigen Begleiter sind, das gebe ich zu. Darüber hinaus entstamme zumindest ich aus einer extrem christlichen Familie. Ich finde diesen Glauben bis heute interessant, er ist mir vertraut. Wobei ich niemals irgendjemanden missionieren würde. Am Ende des Lebens ist jeder für sich alleine. Und muss schauen, was sein Schicksal für ihn vorgesehen hat."

The Gardener & The Tree sehen sich letztendlich als "globale Band, deren Mitglieder sich aber regelmäßig in den Schweizer Wäldern für lange Spaziergänge verabreden", lacht Markus Felder. "Bei diesen Wanderungen wird sehr wenig gesprochen. Wir saugen schlicht die Nur in uns auf. All diese Eindrücke finden sich dann in unseren Kompositionen wieder. Darum bin ich überzeugt davon, dass wir natürlich Inspiration von wundervollen angloamerikanischen Schreibern bekommen. Aber die wahre Inspirationsquelle, das ist der Schweizer Wald. In all seiner Stille. In all seiner Erhabenheit. In all seiner Einzigartigkeit. Wir sind letztlich Kinder der Natur, die unvergänglich ist.

"The Gardener & The Tree spielen am 4. Dezember in Nürnberg (Club Stereo).

www.thegardenerandthetree.com

 
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