Unter-50-jährige Konzertbesucher werden sich erstaunt die Augen reiben, wenn sie das Geschehen auf irgendeiner Bühne mitverfolgen, auf der gerade die Show "Woodstock - The Story" an Fahrt aufnimmt. Weil sie sich wundern werden über das anachronistische Geschehen, abgehärtet durch moderne Festivals wie "Rock am Ring", "Wacken" oder "South Side", bei denen der Merchandise-Aspekt zumindest genauso entscheidend ist wie der musikalische.
Drei endlos wirkende Tage wurde vom 15. bis 18. August 1969 in Bethel im US-Bundesstaat New York, 70 Kilometer vom kleinen Ort Woodstock entfernt, frenetisch, fröhlich und vor allem friedlich gefeiert. Der Soundtrack kam von 32 Bands oder Solo-Künstlern wie The Who, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Creedence Clearwater Revival und vielen mehr. Für Santana oder Joe Cocker war der Auftritt bei "Woodstock" der endgültige Durchbruch zu ihrer Weltkarriere.
Jedenfalls ist dieses Festival bis heute die "Mutter aller Open Airs". Hier wurde trotz Dauerregens, chaotischer Staus auf den Zulieferer-Straßen, miserablen hygienischen Umständen und einer noch miserableren Lebensmittel-Versorgungslage der Hippie-Traum von unbedingter Harmonie und unverbrüchlicher Gemeinsamkeit Realität. Ein Traum, dessen Grundidee bis heute in den Köpfen von Millionen Menschen auf diesem Planeten nachhallt.
Frenetisch umjubelt
Vor gut zehn Jahren taten sich im holländischen Eindhoven ein paar Freunde zusammen, alle in künstlerischen Berufen zu Hause, völlig elektrisiert vom Flower-Power-Gedankengut als solchem, vom "Woodstock-Spirit" im Besonderen. Sie machten sich fieberhaft Gedanken darüber, wie man den "Geist von einst" in die Gegenwart transportieren könnte, mit Hilfe einer mitreißenden Show. Diese Treffen waren Initialzündung für "Woodstock - The Story", eine Art Musical, das in den Beneluxländern seit langem frenetisch umjubelt ist, und das 2019 flächendeckend auch auf deutschen Bühnen aufgeführt werden wird.
"Wir wollen nicht einfach die Historie dieses einzigartigen Festivals erzählen, wir wollten auch nicht die dreistündige Film-Dokumentation nachspielen", erklärt Veranstaltungsleiter Matthijs van Noort. "Das alles würde für uns keinerlei Sinn ergeben. Stattdessen geht es uns darum, den einzigartigen Geist jener Ära, speziell den Geist jenes unglaublichen Festivals namens "Woodstock" auf die Bühne und in die Moderne zu übertragen."
Der künstlerische Leiter Laurens ten Den ergänzt: "Diese Mammut-Feier von 1969 signalisiert heutzutage mehr denn je einen friedlichen, liebevollen Gegenentwurf zu einer immer aggressiveren, kriegerischer werdenden Realität. Es wäre wunderbar und ist absolut das Hauptanliegen unseres Stücks, wenn wir dieser anti-humanen Gegenwart eine bessere, freundlichere Vision entgegen setzen könnten. Wir möchten wie einst bei "Woodstock" kraft wundervoller Musik für Frieden, Harmonie und Leidenschaft sorgen."
Es gibt keine wirkliche Rahmenhandlung bei "Woodstock - The Story". Für die Rekonstruktion der so originellen, herrlich mitreißenden Grundstimmung sorgen Fotos und kleine Filme, die im Hintergrund auf einer Leinwand immer mal wieder zugespielt werden. Dann haben wir Laurens ten Den als kurzweiligen, imaginären Moderator des Ausnahme-Events von 1969. Der ausgebildete Theater- und Filmschauspieler animiert in seiner charmant-gewitzten Art das Publikum zur Interaktion, die sich vor allem in Mitklatschen und -singen äußert, was vom Publikum nur allzu gerne angenommen und umgesetzt wird.
Unsterbliche Musik
Doch der treibende Faktor, der das Geschehen auf der Bühne am Laufen hält, ist letztlich die unsterbliche Musik von Über-Größen wie Jimi Hendrix, Crosby, Stills, Nash & Young, Jefferson Airplane oder The Band. Und von den einfach nur grandiosen holländischen und belgischen Interpretatoren dieser unsterblichen Ikonen, allen voran Rock-Sänger Martin van der Starre, dessen Inkarnationen etwa von Joe Cocker oder John Fogerty derart beeindruckend sind, dass man die Originale (fast) vergisst. Ebenso sehen wir die ausdrucksstarke Muriel te Loo, die etwa Janis Joplin oder Joan Baez unnachahmlich Saft und Kraft einhaucht.
"Woodstock - The Story" mag alles in allem eine dreistündige Nostalgie-Veranstaltung sein. Doch wenn sich Anachronismus in einem Musical äußert, das durch die Bank zu begeistern weiß, dann ist das zum einen legitim, zum anderen beweist es, dass früher zumindest einiges besser, da leichtfüßiger war. Und beseelter auf alle Fälle.
Termine
- Sonntag, 18. August (19 Uhr): Nürnberg, Serenadenhof
- Samstag, 2. November (20 Uhr): Bamberg, Konzerthalle
- Sonntag, 3. November (20 Uhr): Obertraubling, Eventhall Airport
Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.