08.04.2019 - 17:34 Uhr
Hof an der SaaleDeutschland & Welt

Mackie zückt erneut das Messer

Die "Dreigroschenoper" in einer Inszenierung vom Theater Hof besticht durch famose Schauspielerkunst und Gesang. Regisseur Reinhardt Friese verzichtet dafür auf eine moderne Interpretation des Stücks.

von Holger Stiegler (STG)Profil

"Und der Haifisch, der hat Zähne. Und die trägt er im Gesicht. Und MacHeath, der hat ein Messer. Doch das Messer sieht man nicht." Man kennt vielleicht nicht das ganze Stück, aber jene Zeilen sind weltberühmt. Sie stehen symbolisch wie nichts anderes für ein ganzes Bühnenwerk: Die "Dreigroschenoper".

Dieses "Schauspiel mit Musik" von Bertolt Brecht und Kurt Weil feierte eine gelungene Premiere am Theater Hof. Die Inszenierung von Reinhardt Friese macht sich auf den Weg zum Musical (musikalischen Leitung: Willi Haselbeck) und verzichtet auf eine Transmission in die wie auch immer geartete Moderne.

Der kargen, spartanischen Szenerie auf der Bühne kann sich der Zuschauer nicht entziehen: Jeder Schauspieler bringt seinen Stuhl mit, sonstige Requisiten braucht es nicht. Das Bühnenbild taugt in seiner Abstraktheit sowohl für Jonathan Peachums Firma "Bettlers Freund", den Pferdestall, in dem die Hochzeit zwischen Polly und Mackie Messer gefeiert wird, das Bordell von Turnbridge und das Gefängnis in Old Bailey. Im Hintergrund ist in großen Leuchtbuchstaben "London" zu lesen. Es erinnert etwas an die Eröffnungs-Sequenz der Edgar-Wallace-Filme der 50er und 60er Jahre.

Verbrechen als Geschäft

Die Geschichte spielt im Londoner Stadtteil Soho, wo das Elend zur Ware und das Verbrechen zum alternativen Geschäftsmodell wird. Der Geschäftsmann Jonathan Peachum organisiert die Bettlermafia. 50 Prozent aller Einnahmen gehen an ihn. Gangsterboss Mackie Messer hat sich dem Crime-Business von Raub, Mord und Zuhälterei verschrieben. Durch einen guten Draht zu "Tiger" Brown, dem Polizeichef Londons, können er und seine Männer unbehelligt ihren Geschäften nachgehen. Doch als er Peachums Tochter Polly heiratet, müssen die Besitzansprüche neu abgesteckt werden.

Eigennutz ohne Moral

Brecht geht es in dem Stück um Gesellschaftskritik an den sozialen und wirtschaftlichen Missständen des Kapitalismus. Es soll aufgezeigt werden, dass sich Ideenwelt und Gefühlsleben von Straßenbanditen nicht viel von jenen der Bourgeoisie unterscheiden. Aufstieg und Eigennutz sind alles, der eigene Vorteil zählt, die Moral bleibt jeweils auf der Strecke. Eindrucksvoll vor Augen geführt wird dies dem Zuschauer auch in Hof, so zum Beispiel bei der Ballade über die Frage "Wovon lebt der Mensch?", die vom Ensemble überzeugend dargeboten wird. "Das eine wisset ein für allemal, wie ihr es immer dreht, und wie ihr's immer schiebt: Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Erst muss es möglich sein auch armen Leuten, vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden."

Freilich darf man sich fragen, ob diese Botschaft auch 100-prozentig beim Publikum ankommt oder ob es nicht doch eher die unterhaltsame, romantische und mit viel Ironie gewürzte Inszenierung ist, die mit den vielen "Gassenhauern" Kurt Weils in Erinnerung bleibt.

Das Ensemble der singenden Schauspieler verdient durch die Bank ein großes Lob - allen voran Dominique Bals als Mackie Messer, Volker Ringe als Peachum, Anja Stange als dessen Ehefrau Celia und Marina Schmitz als gemeinsame Tochter Polly. Ein Extra-Lob für Darstellung und Gesang verdienen Julia Leinweber in der Rolle der Spelunken-Jenny und Birgit Reutter als Lucy. Fazit: Famos dargebotene Theaterkunst, der das exzellent aufspielende Orchester unter der Leitung von Michael Falk das gewisse Etwas verleiht.

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