Ein Atelier im Maiersreuther Badehaus?

Das Haus der Großmutter in Waldsassen ist zu klein geworden für Susanne Neumanns Kunstwerke. Sie sucht nach einer Alternative – und hat das alte Badehaus in Maiersreuth entdeckt.

von Ulla Britta BaumerProfil

Es gibt viel zu tun an ihren Wirkungsorten Wien und Italien. Deshalb ist Susanne Neumann, 43 Jahre alt und Künstlerin, in ihrer Heimat Waldsassen eher selten anzutreffen. Dennoch betreibt sie auch im Haus der Großmutter in der Mühlbachgasse ein Atelier. Doch es ist mittlerweile zu klein geworden.

„Ich wollte mit Annette Spreitzer ins Sibyllenbad“, erzählt sie. Auf der Fahrt haben sich die Freundinnen über eine neue Bleibe für Neumanns Werke unterhalten, weil das Haus der Großmutter zu klein sei. Just lag am Weg nach Neualbenreuth das ehemalige Badehaus Maiersreuth. Zugesperrt, verwunschen wie ein Schlösschen im Dornröschenschlaf.

Für einen Euro?

„Man hat sich erzählt, das Badehaus könne man für einen Euro haben“, berichtet die Künstlerin. Für einen Euro gibt es natürlich nichts. Aber Susanne Neumann hat umgehend Klaus Meyer, den Neualbenreuther Bürgermeister, angesprochen und damit eine Welle ins Rollen gebracht, die bis zum Bezirk Oberpfalz reicht.

Eineinhalb Jahre später besitzt Neumann den Schlüssel fürs Badehaus. Vor einigen Wochen veranstaltete sie einen Tag der offenen Tür. Sie zeigte Kunst zwischen ausgedienten Badewannen, der verwaisten Rezeption, noch funktionstüchtigen Lichtschaltersystemen, Plastikpalmen und einem Therapiebecken. Letzteres ist ziemlich groß, leer und soll beim neuen Nutzungskonzept erhalten bleiben. Neumann drückt die Knöpfe im Technikraum der Badehalle. Licht flackert. Sie befürchtet, versehentlich den Schalter „Wasser marsch ins Becken“ zu aktivieren. „Vielleicht findet hier eines Tages eine Seeschlacht statt“, sinniert sie über ein Theaterstück im Badehaus.

Tanz, Yoga, Workshops

Mit Theaterautorin Chriska Wagner aus Bärnau, Kulturmangerin Andrea Lamest aus Schwandorf und Architekt Michael Straus will Neumann nicht nur Kunst aufs Land bringen. Neumann und ihre Mitstreiter sind positiv überrascht von den Reaktionen. Viele Besucher kamen am Tag der offenen Tür. „Die haben sich gefreut, das Badehaus wieder betreten zu dürfen.“ Sie hat den Gästen ihre Visionen erzählt. Kunst soll rein. Aber auch Theater, Schriftsteller und Workshops für Kreative. „Hier könnte man Ateliers entstehen lassen“, sagt die Künstlerin zwischen Umkleidekabinen und Massageliegen.

Ein Raum weiter: Dort sei Platz für Tanz und Yoga. „Mit einem großen Spiegel“, so Neumann, die in den nächsten Raum eilt, einer für Seminare. Schade um das alte Zeug? „Wir werden vieles behalten. Man kann es fürs Theater brauchen“, entgegnet Neumann. Überhaupt soll das Badehaus bleiben wie es ist. Vorsichtig soll die Renovierung geschehen, damit das Flair erhalten bleibt. „Das Haus hat eine positive Aura. Es kamen Menschen her zum Heilen und Kuren“, sagt sie.

Das Gebäude, dessen Fassade einer vornehmen Villa gleicht, war einst das Schulhaus. Im Obergeschoss ist Platz für ein Künstleratelier. Es geht noch weiter aufwärts, bis zur Holztreppe in den Dachstuhl. Neumann steht mit ausgebreiteten Armen da. Schriftsteller, sagt sie, könne sie sich hier vorstellen. Künstler sollen in Maiersreuth ein- und ausgehen, leben, dableiben, wieder weggehen.

„Wir wollen Maiersreuth und die Umgebung einbinden“, sagt sie. Im Sommer solle das Künstlerleben öffentlich stattfinden. Für den Winter seien Workshops vorgesehen. Jetzt müssten die Geldgeber entscheiden. Der Markt Neualbenreuth und der Bezirk Oberpfalz haben die Hand drauf auf dem Dornröschenschloss in Maiersreuth. Aber es sieht gut aus.

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