Die Idealvorstellung klingt doch so edel: Der Bundespräsident hat das höchste Amt in diesem Staat inne, ist aber neutral, er repräsentiert Deutschland. Die Realität aber ist peinlich. Denn die traurige Wahrheit ist: Das höchste Staatsamt ist längst zu einem von vielen Einsätzen im Gezocke um die Macht verkommen. Schuld daran sind allein die Parteien – die hier mit einem politischen Poker-Spiel kein gutes Bild nach außen abgeben.
Die Grünen setzen in ihrem Blatt für gewöhnlich auf die Königin und die Ausgewogenheit zum König. Noch nie gab es eine Bundespräsidentin. Mit diesen starken Grünen wäre sie mit viel Druck vielleicht möglich gewesen. Sie verzichteten aber darauf, eine Frau aufzustellen – nur um den Koalitionsfrieden nicht zu gefährden. Auch die FDP verkündete für die Ampel keinen eigenen Vorschlag und warf ihre Trümpfe freiwillig der SPD entgegen. Die AfD spielte ihr ganz eigenes Spiel und provozierte mit der Aufstellung eines CDU-Mitglieds. Die Freien Wähler setzten tatsächlich ein Zeichen und stellten eine Frau auf. Mit dem Sieg in diesem Gezocke hatten sie aber nie etwas zu tun. Das Ass der Linken war ein Sozialmediziner, der die Armut in Deutschland bekämpft. Aber auch er war chancenlos. Und die Union? Die ließ sich an diesem politischen Pokertisch höchstens nur kurz blicken, weil ihnen die Bundespräsidenten-Frage nicht einmal einen eigenen Einsatz wert war – zu aussichtslos die Lage.
Frank-Walter Steinmeier ist neutral. Er lässt seine SPD-Mitgliedschaft ruhen, wenn er Bundespräsident ist. Doch in der Praxis der Parteien gilt diese edle Vorgabe nicht viel. Die SPD hat dieses politische Pokern gewonnen.















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