Update 24.09.2026 - 04:29 Uhr

Facebook-Konzern überholt Rivalen mit kleinem KI-Gerät

Der ChatGPT-Entwickler OpenAI arbeitet an einem neuartigen Gerät für die KI-Ära. Doch nun dürfte es der Facebook-Konzern Meta sein, der solche Technik als Erster auf den Markt bringt.

Der Facebook-Konzern Meta will ein Gerät in der Größe eines Schlüsselanhängers für den Zugriff auf seine KI-Software etablieren. Es heißt Muse Charm und soll bis Jahresende auf den Markt kommen, wie Konzernchef Mark Zuckerberg auf der Entwicklerkonferenz Meta Connect ankündigte. 

Das Gerät bekommt ein kleines Display – sowie nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch Mikrofon, zwei Kameras und Internet-Anbindung über 5G-Datenfunk. Es sei noch nicht ganz fertig, schränkte Zuckerberg ein. Es gibt keine Angaben dazu, in welchen Ländern es herauskommen soll.

Mit dem Charm übernimmt Meta die Führung bei Versuchen, in der KI-Ära ein speziell darauf ausgerichtetes Gerät zusätzlich zum Smartphone auf den Markt zu bringen. Bisher war bekannt, dass der ChatGPT-Entwickler OpenAI daran arbeitet. OpenAI holte dafür sogar den ehemaligen Apple-Chefdesigner Jony Ive an Bord, der Aussehen und Funktionsweise von iPhone, iPad und anderen Geräten mitgeprägt hatte. 

Das Projekt geriet allerdings zuletzt in schwieriges Fahrwasser, weil Apple OpenAI in einer Klage vorwirft, Geschäftsgeheimnisse von abgeworbenen Mitarbeitern zu verwenden. Dem iPhone-Konzern zufolge arbeiten inzwischen mehr als 400 ehemalige Apple-Beschäftigte bei OpenAI.

An Konkurrenz „vorbeigeschlichen“

Meta sei es gelungen, an Rivalen wie OpenAI „vorbeizuschleichen“, sagte Branchenanalyst Avi Greengart von der Beratungsfirma Techsponential. Auf absehbare Zukunft werde zwar kein Gerät das Smartphone ersetzen. „Aber kann es ergänzt werden? Absolut!“ Zugleich habe Meta zwar das Problem, dass viele Menschen dem Konzern beim Datenschutz misstrauten. Aber selbst inmitten der Beschwerden über die Kameras in Metas KI-Brillen würden Millionen der Geräte verkauft – und Milliarden nutzten täglich verschiedene Plattformen wie Instagram, Facebook und WhatsApp. Muse, einen auf den Alltag zugeschnittenen KI-Assistenten, hatte Meta erst vor wenigen Wochen in den USA herausgebracht.

Das neue KI-Gerät ist auch eine erneute Attacke auf die Dominanz von Apple und Google im Smartphone-Geschäft mit ihren beiden Betriebssystemen. Meta hatte in den vergangenen Jahren vergeblich versucht, unter anderem mit Brillen für Virtuelle Realität (VR) eine neue Computer-Plattform für die Zukunft zu etablieren. Das Smartphone erweist sich jedoch bisher weiterhin als der dominante Alltagscomputer. Der neue Apple-Chef John Ternus machte jüngst bei der Vorstellung neuer iPhone-Modelle deutlich, dass der Konzern seine Telefone weiterhin als tragende Säule des digitalen Alltags sieht.

Neue kompakte VR-Brille

Zugleich gibt Meta auch bei VR-Brillen nicht auf. Im Frühjahr soll ein neues Modell auf den Markt kommen, das leichter und deutlich dünner ist als Geräte der Konkurrenz. Die Meta VR Glasses wiegen nur 100 Gramm. Auch die kompaktesten bisherigen VR-Headsets wirken klobig dagegen, weil die Glasses die Form einer gewöhnlichen Brille haben. Statt Gläsern hat sie aber Displays vor den Augen. Mit Spielen, TV-Inhalten und 3D-Sportübertragungen sowie der Nutzung als PC-Monitor tritt Meta direkt gegen Apples Vision Pro an, die eher das Format einer Skibrille mit Aluminium-Rahmen hat.

Zuckerberg betonte bei der Vorstellung, dass die Meta-Brille deutlich leichter als die Vision Pro sei. Sie soll in den USA 1.299 Dollar kosten – während Apple sein Gerät ab einem Preis von 3.699 Dollar verkauft. Bei einer Kostprobe wirkte die Bildqualität in der Meta-Brille etwas schlechter als bei der Vision Pro, was an der geringeren Auflösung der Bildschirme vor den Augen liegen könnte.

KI-Brille mit Display auch in Deutschland

Inmitten einer laufenden Datenschutz-Debatte um Kamera-Brillen bringt der Konzern unterdessen auch seine KI-Brille mit kleinem Display in einem der Gläser auch nach Deutschland. Das Gerät wird knapp ein Jahr nach dem US-Start ab dem 13. Oktober zum Preis von 899 Euro verfügbar sein.

Meta hat auch verschiedene Kamera-Brillen ohne Display im Angebot und stellte auf der Connect zudem ein neues Modell ohne eine Kamera vor. Die Kameras in den Brillen sind nicht nur dafür da, Fotos und Videos aufzunehmen, sondern sollen auch Künstlicher Intelligenz (KI) von Meta vermitteln, was die Nutzer gerade sehen, damit sie ihre Antworten darauf anpassen kann. 

Ein LED-Licht zeigt an, wenn die Kamera aktiv ist. Zuletzt gab es Kontroversen um die Geräte. Einige Nutzer versuchten, das Licht zu verdecken oder zu entfernen, andere nahmen damit etwa Belästigungen auf und veröffentlichten sie online. Auch in Europa gibt es Forderungen, Kamera-Brillen zu verbieten.

Meta-Manager: Bekämpfen missbrauch

Meta gehe gegen Missbrauch vor, sagte der zuständige Top-Manager Alex Himel der Deutschen Presse-Agentur. „Wir nehmen das sehr ernst.“ Alle Brillen mit manipulierter LED-Anzeige seien abgeschaltet worden. Zudem scanne Meta Plattformen wie Instagram und Facebook, um Videos mit Belästigungen zu finden – „und dann löschen wir nicht nur die Inhalte, sondern blockieren auch die Accounts“. Schließlich versuche Meta, bekannter zu machen, dass das Licht auf eine laufende Kamera hinweise. „Wir wollen, dass die Leute das wissen.“ Aus Sicht von Meta ist die Anzeige auch deutlicher sichtbar als bei anderen Arten von Geräten, mit denen man Aufnahmen machen kann.

Mehr Datenschutz durch Verschlüsselung

Zuckerberg kündigte auf der Connect zudem an, dass einige Interaktionen der Nutzer mit ihren Brillen mit Komplettverschlüsselung verarbeitet werden sollen, so dass auch Meta keinen Zugriff auf die Daten haben werde.

An der Brillen-Version ohne Kamera habe Meta zwei Jahre gearbeitet, sagte Himel. Sie sei für die Situationen gedacht, in denen Audio ausreiche. Die Modelle sind äußerlich kaum von einer herkömmlichen Brille zu unterscheiden.

Keine allgemeine Gesichtserkennung

Im Winter hatte es Berichte gegeben, wonach Meta erwäge, Funktionen mit Gesichtserkennung auf die Brillen zu bringen. Der Software-Code, der darauf hinwies, verschwand dann im Sommer wieder. Himel betonte, Meta habe „absolut kein Interesse“ daran, eine Datenbank aufzubauen, mit der man Fremde identifizieren könnte, oder auch nur die Nutzung einer solchen Funktion auf den Geräten zuzulassen. 

Es könne aber auch differenzierte Szenarien geben wie Hilfe für Sehbehinderte oder Situationen, in denen die KI Nutzern helfen könnte, sich an Namen von Bekannten oder Kollegen zu erinnern. „Aber wenn wir so etwas entwickeln sollten, müssten wir das mit viel Bedacht und verantwortungsvoll machen“, sagte Himel. Aktuell wende Meta aber „nicht viel Zeit oder Energie“ auf solche Ideen auf, betonte er.

© dpa-infocom, dpa:260924-930-734744/2

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