Deutschland und die Welt
21.02.2019 - 17:58 Uhr

Missbrauch: Forderung nach konkreten Schritten

Die höchsten Vertreter der katholischen Kirche tagen bis Sonntag in Rom. Sie wollen die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals voranbringen. Oberpfälzer Katholiken formulieren ihre Vorstellungen.

Bischöfe während des Gipfeltreffens zum Thema Missbrauch. Zu der Kinderschutz-Konferenz sind die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aller Länder geladen. Das Treffen soll die katholische Kirche nach diversen Missbrauchsskandalen in mehreren Ländern aus der tiefen Krise führen. Bild: Vincenzo Pinto/AFP/AP/dpa
Bischöfe während des Gipfeltreffens zum Thema Missbrauch. Zu der Kinderschutz-Konferenz sind die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aller Länder geladen. Das Treffen soll die katholische Kirche nach diversen Missbrauchsskandalen in mehreren Ländern aus der tiefen Krise führen.

(dpa/ehi) Beim Bischofs-Gipfel in Rom zum Missbrauchsskandal sitzen erstmals der Papst, die Chefs der Bischofskonferenzen, Ordensvertreter und die Spitzen der römischen Kurie zu diesem Thema zusammen. Seit die ersten Missbrauchsskandale ans Licht kamen, sind mehr als 30 Jahre vergangen. Die Bischöfe müssten Verantwortung übernehmen, es brauche "Konkretheit" gegen das "Übel", so der Papst.

Unmissverständlich stimmte er sie am Donnerstag auf die kommenden drei Tage ein: "Das Volk Gottes schaut auf uns und erwartet von uns keine einfachen und vorhersehbaren Verurteilungen, sondern ... konkrete und wirksame Maßnahmen", sagte das Katholikenoberhaupt. "Hören wir den Schrei der Kleinen, die Gerechtigkeit verlangen." Dann legte er ein 21-Punkte-Papier zum Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern vor, das nun als eine Art Fahrplan diskutiert werden soll.

"Konkrete Schritte" wünscht sich auch Wir-sind-Kirche-Mitglied Brigitte Hese aus Weiden. Sie ist der Meinung, dass die Konferenz in Rom zu noch mehr Sensibilisierung in der Missbrauchsthematik führen wird. Die Katholikin sagt aber: "Es müssen konkrete Schritte folgen." Es ist ihr wichtig, dass nicht nur Papst und Kardinäle handeln, sondern auch in den Pfarreien selbst mehr Maßnahmen ergriffen werden, um Missbrauch zu verhindern. Ein Problem sieht sie zudem im Umgang der Kirche mit dem Thema Sexualität allgemein. Der sei "sehr verkrampft".

Ambergs Stadtpfarrer Thomas Helm ist sich sicher, dass die Konferenz bei Aufarbeitung des Missbrauchsskandals zu einem Ergebnis kommt. "Es geht darum, Vertrauen zurückzugewinnen." Bei der Präventionsarbeit zur Vermeidung weiterer Vorfälle sieht er die Kirche bereits auf einem guten Weg. So gebe es zum Beispiel Schulungen, in denen man lernt, Missbrauchsanzeichen zu erkennen. Auch verlange die Kirche von Mitarbeitern mittlerweile erweiterte Führungszeugnisse.

Kritisch sieht Helm Aussagen, die Missbrauchsfälle in Zusammenhang mit Homosexualität stellen. Zwar gebe es Zahlen, die zeigen, dass einer Großteil der Betroffenen männlich sei, trotzdem halte er es für "ein gefährliches Terrain, Homosexuellen Pädophilie zu unterstellen." Er wünscht sich diesbezüglich mehr Sensibilität. "Mit solchen Aussagen, kann man Menschen verletzten."

"Es ist eine blanke Unverfrorenheit, dass nun die Schuld bei den Schwulen gesucht wird", sagt der Oberpfälzer Andy Neumaier, der selbst homosexuell ist. Er sieht das Problem im Zölibat. "Männliche Begierden brechen irgendwann unkontrolliert aus, wenn man gezwungen ist sie dauerhaft zurückzuhalten."

Noch bis Sonntag sollen die 190 Konferenzteilnehmer einen Ausweg aus der Krise finden. Doch tiefgreifende Reformen etwa in der Sexualmoral oder beim Zölibat sind von dem Treffen nicht zu erwarten.

 
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