20.08.2019 - 17:29 Uhr
Deutschland & Welt

Mozart und der Prager Wind

Musik von Mozart auf dem Programm - und das bei bestem Wetter. Der Wind aber meinte es nicht immer gut mit dem "Wind Quintett Prague" im Alten Pfarrhof in Wurz.

Das „Prager Wind Quintett“ musiziert Vanhals Partita sensibel und engagiert.
von Redaktion ONETZProfil

Eigentlich sind sie das "Prager Mozart-Trio": Klarinettist Stefan Britvík (künstlerischer Leiter), Milos Bydžovský und Fagottist Petr Nemecek. Für das Sommerkonzert am Sonntagnachmittag im Alten Pfarrhof in Wurz haben sie sich Verstärkung geholt von den Waldhornisten Pavel Douba und Jan Mach (Nationaltheater Prag) und werden so zum "Prager Wind Quintett".

Das Ensemble hat Mozarts Divertimento Nr. 1 Musik-Raritäten aus dem Umfeld des großen Meisters an die Seite gestellt: Komponisten, die ursprünglich aus der tschechischen Heimat der Musiker stammen. Während man in Deutschland und Österreich in der Orchester- und Kammermusik an den runden und vollen Ton der Klarinetten gewöhnt ist, klingen die hier gehörten - nach dem französischen Böhm-System gebauten - Instrumente leiser, dünner und nasaler. Außerdem werden sie traditionell - wie auch hier - mit leichtem Vibrato gespielt, was den großen Klangunterschied dieser Klarinetten und dadurch auch dieses Ensembles erklärt.

Fehlendes Fundament

In den bekannten großen tschechischen Orchestern ist diese Art des Klarinettenspiels kaum mehr zu hören. Die viersätzige Partita ex Dis von Mattaus (Matous), der zu Mozarts Zeit als Waldhornist im Prager Staatstheater wirkte, dient dem Gewöhnen an diese etwas ungewohnten Klangbesonderheiten. Es überzeugen die vom Komponisten eingesetzten Hörner. Auch hier verwendet das Quintett moderne Instrumente. Besonders das sehr durchsichtig gesetzte Divertimento Nr. 1 von Wolfgang Amadeus Mozart bedarf sehr feinfühliger und perfekter Darstellung. Das Werk wirkt am überzeugendsten in der Ausführung mit den von Mozart vorgesehenen drei Bassetthörnern (tiefe Klarinetten in F), die mehr Tiefton-Frequenzen und Klangwärme erzeugen. Der Aufführung in der Variante mit zwei Klarinetten und Fagott wäre die Akustik des Marstalls entgegengekommen; im Freien fehlt dann doch das Klangfundament.

Sensibel und mit Schwung

Nach der Pause spielt das Quintett mit deutlich mehr Schwung und Überzeugungskraft die Partita in dis von Johann Batist Wanhal (Jan Krititel Vanhal). Vanhal war einer der ersten Komponisten, die alleine von ihren Einnahmen durch eigene Kompositionen, Konzerten und Musikunterricht gut leben konnten. Seine anspruchsvolle Partita wird engagiert angepackt, es wird sensibel und mit aufmerksamer Kommunikation musiziert.

Dynamik im Klang

Die Klangunterschiede zwischen den Klarinetten auf Fagottfundament und den sehr sonor klingenden Hörnern, wiederum sicher assistiert vom Fagottisten, werden gezielt herausgearbeitet. Es gelingen dynamische Abstufungen vom Forte bis in leises Piano sehr sauber und sicher. Besonders überzeugen die zwei Hörner mit ihren sehr gesanglich vorgetragenen Stellen im Menuetto II. Das Allegro mit seinen überraschenden in Ton gesetzten Momenten führen die Musiker zu einem mitreißenden Schluss.

Ähnlichkeiten in der Komposition sind auch zu hören in der "Feld Partita (Divertimnento)" komponiert von dem als Sängerknabe ausgebildeten Leopold Hofmann, der sich zu einem der bedeutenden Komponisten hochgearbeitet hatte. Wiederum werden die Holzbläser den beiden Hörnern mit Fagottbegleitung gegenübergestellt. Einleitend erklingt ein mächtiger Marsch, angeführt von den sicheren Hornspielern, gefolgt von einem durchsichtig musizierten Allegro und sehr samtig ausgeführten Andante mit anrührenden Hornpassagen. In beiden Menuetten wirkt sich der schlanke Klarinettenton positiv aus, die Hörner sorgen für das i-Tüpfelchen. Der mächtige Abschluss mit strahlendem Instrumentenklang sorgt für Zugabenrufe.

Die Zugabe des Wind-Quintetts wurde vom Winde verweht, was für Lacher und reichlich Beifall sorgte. Es schwanden die Töne, es flogen die Notenblätter. Der erste Hornist hatte seine Noten jedoch so befestigt, so dass er als "Sieger" alles Geschriebene "durchziehen" konnte. In der Zwischenzeit hatten die meisten anderen Musiker - abwechselnd oder auch im Tutti - ihre liebe Not mit dem Kampf gegen den Wind.

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