Mit mehr Leitungszeit, besserer Vorbereitung auf die neue Aufgabe sowie Teilzeitmöglichkeiten wie Jobsharing wollen die Landtags-Grünen den Posten als Schulleitung attraktiver machen. „Wir haben einen Zustand erreicht, in dem Leitungsstellen unbesetzt bleiben, Bewerberinnen abgeschreckt werden und engagierte Führungskräfte auf Dauer ausbrennen“, erläuterte der Bildungsexperte der Fraktion, Christian Zwanziger.
Die Grünen wollen daher an diesem Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtages ein Maßnahmenbündel vorschlagen - darunter die gezielte Förderung von Frauen.
Denn auch wenn die Statistiken des Kultusministeriums dies nicht erfassen: Aus der Praxis ist immer wieder zu hören, dass Schulleitungen nicht wie vorgesehen besetzt werden können, weil es an (qualifizierten) Bewerbungen mangelt. Der Führungsjob sei angesichts der zunehmenden Herausforderungen und der geltenden Rahmenbedingungen schlicht nicht mehr attraktiv, heißt es. Im Gegenteil: Der Aufgabenmix aus Ganztag, Inklusion, Digitalisierung, Schulentwicklung, multiprofessioneller Zusammenarbeit und Verwaltung sei nur durch übermäßiges Engagement zu bewältigen.
Kritik an Umfang der Leitungszeit und schlechter Vorbereitung
Ein zentraler Kritikpunkt auch der Lehrerverbände: Es gebe zu wenig bezahlte Leitungszeit - und die Vorbereitung auf die neue Rolle sei mangelhaft. Zwar sind für Neulinge bestimmte Schulungsmaßnahmen verpflichtend. „Aber da bekommt man nicht das notwendige Know-how, die Überlegenheit und Gelassenheit, durch Fachwissen, best practices und wissenschaftliche Evidenz zu sehen: Welcher Weg ist richtig? Wir müssen die Wege selbst finden“, kritisiert die Vorsitzende des bayerischen Schulleitungsverbands, Stefanie Horinek.
Außerdem immer wieder zu hören: Die Schulleitungen haben zu wenig Zeit für ihre Führungsaufgaben, weil sie zu viel unterrichten müssten. „Schulleitung ist ein eigenständiger Beruf, ein mehr als den Tag ausfüllender Beruf, und man kann ihn nicht neben der Klassenleitung machen“, betont etwa die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann.
Grüne wollen Schulleitungen unterstützen und Frauen fördern
Die Grünen wollen deshalb mehr Leitungszeit vor allem auch an den Grund-, Mittel- und Förderschulen. In den Grund- und Mittelschulen sollten zudem die an anderen Schularten schon etablierten erweiterten Schulleitungen eingeführt werden, bei denen die Leitung von einem Führungsteam unterstützt wird. Auch soll die Qualifizierung vor Amtsantritt verbessert und die Schulungen für neu berufene Spitzenkräfte regelhaft vor - statt wie bislang oft nach - dem Start besucht werden.
Darüber hinaus wollen die Grünen moderne Führungsmodelle wie Jobsharing - zwei Personen teilen sich den Posten - oder Teilzeitarbeit für sämtliche Schularten ermöglichen. Damit soll der Job auch für weibliche Lehrkräfte, die häufiger Teilzeit arbeiten als männliche, leichter möglich werden. Zudem sollen Frauen gezielt gefördert werden, um ihr Potenzial zu heben. Denn bislang sind sie gemessen am Geschlechterverhältnis unter den Lehrkräften an allen Schularten in den Schulleitungen unterrepräsentiert.
© dpa-infocom, dpa:260129-930-611753/1













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