Unsere Vorstellungen vom Mittelalter sind voller Klischees. Wir denken an feste Burgen mit edlen Rittern, an stille Klöster und züchtige Nonnen, an ein genügsames bäuerliches Leben im Wechsel der Jahreszeiten. Das alles ist zwar richtig, doch war das Mittelalter noch so viel mehr.
Ein Sachbuch von Jasmin Lörchner und Eva-Maria Schnurr wagt einen neuen Blick auf das nur vorgeblich so „dunkle Zeitalter“. Die Autorinnen räumen mit so manchem Vorurteil auf, so etwa mit der Ansicht, dass mittelalterliche Menschen sehr sesshaft lebten. Tatsächlich jedoch wurden ganze Ortschaften neu gegründet, immer wieder umgesiedelt und verlassen. Warum das so war, das beschäftigt die Wissenschaft.
Wer glaubt, dass das intellektuelle und politische Leben im Mittelalter nur von Männern dominiert worden sei, wird überrascht sein, zu lesen, dass es auch weibliche Philosophinnen gab, die allerdings lange Zeit als „Mystikerinnen“ abgewertet wurden.
Die skandinavische Königin Margarethe I. gehörte zu den erfolgreichsten mittelalterlichen Herrschergestalten überhaupt. Ein Kapitel über die Fischwirtschaft am Bodensee zeigt zudem, dass das angeblich so rückständige Mittelalter uns im nachhaltigen Wirtschaften sogar voraus war. Lörchner und Schnurr haben ein inspirierendes Buch geschrieben, in dem neue Forschungsansätze präsentiert werden.
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