Die Zahl der Cyberangriffe aus Russland, China und Nordkorea auf bayerische Behörden, kritische Infrastruktur und Unternehmen nimmt nach Angaben der Staatsregierung weiter zu. Was politisch motivierte Angriffe betreffe, seien die drei Staaten eindeutig Hauptverursacher, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in München.
Die hybride Bedrohung durch Spionage, Sabotage, Desinformation und Cyberangriffe habe ein nie gekanntes Level erreicht, sagte Herrmann bei der Vorstellung des diesjährigen Lageberichts zur Cybersicherheit. „Ausländische Nachrichtendienste möchten damit Informationen beschaffen, Einfluss nehmen oder Sabotage betreiben.“
Dunkelziffer bleibt hoch
Die bayerische Polizei hat im vergangenen Jahr insgesamt 49.468 Fälle von Cyberkriminalität erfasst, wie Herrmann sagte. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein leichter Anstieg von 1,7 Prozent, in diesem Jahr ist demnach kein Rückgang zu erwarten: „Wir gehen eher von einer weiteren Zunahme aus.“
Das Spektrum reicht von Online-Betrug, Erpressung und Datendiebstahl bis zu den von Herrmann genannten politisch motivierten Fällen. Behörden und private Cybersicherheitsdienstleister gehen davon aus, dass die Dunkelziffer hoch ist.
Tausende sicherheitsrelevanter Vorfälle
Das Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat nach den Worten von Finanzminister Albert Füracker (CSU) im vergangenen Jahr 6.000 „sicherheitsrelevante Vorfälle“ bearbeitet, bei denen Behörden des Freistaats, Kommunen oder kritische Infrastruktur ins Visier der Täter gerieten. Das war ein Anstieg von zehn Prozent. „Die Angriffe sind spürbar schneller. Und komplexer geworden“, sagte Füracker.
Großteil der Cybertäter im Ausland
In wie vielen der von der Polizei erfassten Fälle von Cyberkriminalität die Verdächtigen am Ende identifiziert werden können und bestraft werden, lässt sich quasi nicht herausfinden. Seit 2015 ist eine Zentralstelle Cybercrime bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelt, die sich um die großen Fälle kümmert. Ansonsten führt die Strafjustiz keine eigene Statistik zur Cyberkriminalität.
Die Angriffe aus dem Netz sind stattdessen dem jeweiligen Straftatbestand zugeordnet - etwa Betrug oder Erpressung - ohne Unterscheidung zwischen Online-Angriffen und herkömmlich operierenden Tätern. Abgesehen davon sitzen laut Cybersicherheitsbericht 72 Prozent der Täter im Ausland. „Umso wichtiger ist, dass wir auf nationaler Ebene, aber auch international eng mit Kooperationspartnern wie Interpol, Eurojust, Europol, Nachrichtendiensten kooperieren“, sagte Justizminister Georg Eisenreich (CSU).
© dpa-infocom, dpa:260831-930-610876/1













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