München
12.08.2026 - 09:32 Uhr

„Steckerlfischfiasko“ – Königsmord zum „Eberhofer“-Jubiläum

Zwei verfeindete Volksfest-Clans, Rudis Imagewandel und ein toter König – die Krimikomödie „Steckerlfischfiasko“ ist turbulent.

Fans des gepflegten Provinzkrimis wissen: Im Sommer ist wieder „Eberhofer“-Zeit, meistens zumindest. Seit 2013 die erste Verfilmung der Bestseller von Rita Falk rund um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer ins Kino kam, folgt in schöner Regelmäßigkeit fast jedes Jahr eine neue Komödie rund um Mord und Totschlag im niederbayerischen Niederkaltenkirchen. 

Auch heuer ist es wieder so weit. Am 13. August kommt „Steckerlfischfiasko“ auf die große Leinwand, der nunmehr zehnte Titel der populären Filmreihe. Alles, was man zum Kinostart des Jubiläumsfilms wissen muss.

Altbekanntes Eberhofer-Team

Sebastian Bezzel ist wieder der etwas schwerfällige, sture und sehr bequeme Provinzpolizist. Dass er hin und wieder aus seiner Lethargie gerissen wird, dafür sorgt seine umtriebige Lebensgefährtin Susi (Lisa Maria Potthoff). 

Auch mit dabei: Simon Schwarz als Privatermittler Rudi Birkenberger, Stephan Zinner als Metzger Simmerl, Eisi Gulp als schräger Kiffer-Vater von Franz und seinem Bruder Leopold (Gerhard Wittmann) und Enzi Fuchs als Oma Eberhofer. Und Lara Mandoki spielt die geheimnisvolle Julika. Sie schmeißt den (Männer-)Haushalt auf dem Hof, während die Oma auf Kur ist.

Toter König und tanzender Baum

Das Opfer ist dieses Mal der Steckerlfischkönig von Niederkaltenkirchen. Paulus Senior (Christian Tramitz) liegt tot im Wellnessbereich des Golfclubs. Eberhofer ermittelt mit Rudis Hilfe und verdächtigt bald die Dottingers, einen mächtigen Clan, der mit Familie Paulus regelmäßig um die Vorherrschaft auf dem Volksfest buhlt. Eine undurchsichtige Rolle scheint dabei auch Tessa (Ruby O. Fee) zu spielen, Tochter des Mordopfers. 

Viel Stress für Eberhofer, der auch privat unter Druck steht. Denn Susi will Bürgermeisterin werden und verlangt, dass Franz sie im Wahlkampf unterstützt. Und dann ist da noch sein ballettbegeisterter Sohn Paul, der so gerne hätte, dass sein Vater bei der nächsten Aufführung mit ihm auf der Bühne steht – als tanzender Baum. 

Sex-Appeal trifft Eigenwerbung

Wer sich im Eberhofer-Kosmos wohlfühlt, wird den Film gerne sehen. Denn: Es ist alles wie immer. Vertraute Gesichter, die gleichen Streitpunkte und derselbe Humor. Seit 13 Jahren ähnliche Witze, Macken und Befindlichkeiten. Die haben die Schauspielerinnen und Schauspieler bestens drauf. Sie sind mit Freude bei der Sache und spielen ihre Rollen spürbar mit viel Freude und Vergnügen. 

Einigen Charakteren würde man ein Update wünschen wie dem Flötzinger, der nach wie vor lüstern Frauen hinterher lechzt. Das nimmt man mit leichter Fremdscham hin – so wie den Onkel, der auf Familienfesten stets schlüpfrige Anekdoten erzählt und nicht merkt, dass alle müde lachen. So meint der Flötzinger, bei ein paar Golferinnen landen zu können, wenn er sie mit dem Golfball abschießt. Sein Selbstbewusstsein ist ungebrochen und stolz trägt er zu seinen karierten Golfhosen ein Polohemd mit dem Logo seiner Sanitärfirma, „die perfekte Mischung aus Sex-Appeal und Eigenwerbung“, wie er findet.

Leben ist „kein Ist-Zustand“

Auch im Hause Eberhofer ist alles beim Alten. Susi rebelliert auch im zehnten Film immer wieder gegen die Wurschtigkeit ihres Franz und weiß sich nicht anders zu helfen, als ihn auch dieses Mal wieder vor die Tür zu setzen. Aus dem neugebauten Familienhaus muss er wieder in seinen Schweinestall ziehen. 

Bezzel sieht seinen Franz als „melancholischen, traurigen Menschen, der auch tiefe Seiten hat und ein paar Abgründe“, wie er der dpa in München sagte. Was er ihm rät: „Ein bisschen mehr eigenes Wollen und ein bisschen mehr Eigeninitiative“, so Bezzel. „Er muss kapieren, dass das Leben kein Ist-Zustand ist, sondern ein fließender Prozess.“

Das Geheimnis alter Unterhosen

Für knapp 100 Minuten kann man also in dieses vertraute Universum schlüpfen, das dieses Mal allerdings nicht nur mit so manchen verstaubten Klischees aufwartet, sondern auch mit einer etwas dünnen und konstruiert wirkenden Mordgeschichte, die nicht wirklich Spannung erzeugt. 

Dafür haben Regisseur Ed Herzog und sein Co-Autor Stefan Betz wieder einige lustige Dialoge ins Drehbuch geschrieben. Wie etwa diesen, in dem Susi Franz verbietet, sich in der „nagelniegelneuen Küche“ ein Spiegelei zu braten, schließlich würde er dann alles „einsauen“. Franz reagiert fassungslos – und gewährt intime Einblicke. Eine Küche sei doch ein Gebrauchsgegenstand, „wia a Unterhosn. Irgendwann kriegt mas halt nimmer richtig sauber“. 

Warum was ändern?

Vielleicht kann gerade das tröstlich sein an dem Film: Am Ende kann keiner so richtig aus seiner Haut. Hat man es sich in seiner Ecke gemütlich eingerichtet, warum was ändern? Das kostet Kraft und die bringt man im Alltag zwischen Job und Privatleben oft nicht auf, Typen wie Eberhofer gleich dreimal nicht. 

Mit der Distanz des Publikums kann es vergnüglich sein, solche Macken im Kino zu sehen und über die Figuren (und vielleicht auch über sich selbst) lachen zu können. Der stoffelige Partner, die aufbrausende Freundin, der notgeile Kumpel oder der eitle Vorgesetzte – alles Typen aus dem echten Leben.

Rudi und die Aasgeier

Einen ziemlichen Imagewandel legt dagegen Rudi (Simon Schwarz) hin, „aus antikapitalistisch-spirituellen Gründen“, wie er erklärt, durch seine fettigen, langen Haarsträhnen blinzelnd. Statt in seiner Münchner Wohnung kampiert er im Auto und hat dem Konsum ebenso abgeschworen wie dem unnötigen Strom- und Wasserverbrauch und der Körperpflege. Mit durchschlagendem Ergebnis. „Du stinkst wie ein Iltis“, wirft Franz seinem Freund vor. Der Pathologe Günther (Michael Ostrowski) wird drastisch: „Versuchst du die Aasgeier anzulocken?“.

© dpa-infocom, dpa:260812-930-517365/1

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.