Bayern
27.02.2026 - 07:02 Uhr

Wo der Warnstreik den Nahverkehr ausbremst und wie schlimm

Im Tarifkonflikt legt die Gewerkschaft Verdi den ÖPNV in mehr als einem Dutzend Städten weitgehend oder teilweise lahm. Ein Überblick über die Pläne und ihre Folgen.

Seit den frühen Morgenstunden macht Verdi mit Warnstreiks im Nahverkehr Druck in den laufenden Tarifverhandlungen. In den meisten Städten gibt es deutliche Auswirkungen, doch nicht alles kommt zum Stillstand. Ein Überblick.

Wann und wo wird gestreikt?

In 13 bayerischen Städten haben die jeweils zweitägigen Warnstreiks laut Verdi begonnen, also von Betriebsbeginn am Freitagmorgen bis Betriebsende in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Auch in zahlreichen weiteren anderen deutschen Städten wird gestreikt.

In Bayern sind die fünf größten Städte München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt betroffen; zudem Fürth, Bamberg, Passau, Landshut, Schwabach, Bayreuth, Schweinfurt und Dachau. Weitere könnten hinzukommen. Auch in anderen Teilen Deutschlands wird gestreikt.

Was fährt – und was nicht?

S-Bahnen sowie Regionalzüge und -busse sind vom Streik nicht betroffen. U-Bahnen und Trams fuhren am Morgen nicht, in Städten wie München hängt es von der Streikbeteiligung ab, ob im Tagesverlauf einzelne Linien bedient werden. Bei Bussen gibt es sehr unterschiedliche Situationen, während in München am Morgen laut Verkehrsgesellschaft MVG etwa die Hälfte der Busse im Einsatz war, blieben in Augsburg die Busse der avg im Depot - dort fahren nur vereinzelt private Busse und Linien des Verkehrsverbunds avv. In Ingolstadt wurde dagegen mit vergleichsweise geringen Auswirkungen gerechnet. 

Die Unterschiede liegen am Geltungsbereich des Tarifvertrags, um den es in den Warnstreiks geht: S-Bahn, Züge und Regionalbusse haben andere Betreiber und sind daher nicht betroffen. Beim Stadtbusverkehr gibt es häufig eine Mischung aus von den Stadtwerken selbst betriebenen und von externen Unternehmen gefahrenen Linien. Hier fallen meist vor allem die selbst betriebenen Linien aus. 

Bei U-Bahn und Tram gibt es in der Regel keine externen Dienstleister, hier kommt es daher rein auf die Streikbeteiligung an, ob einzelne Linien bedient werden können. 

Insgesamt zeigte sich Verdi-Branchenkoordinatorin Katharina Wagner am Morgen zufrieden mit dem Start des Warnstreiks. 

Wie reagieren die Stadtwerke?

In der Regel stellen die Verkehrsunternehmen für die Streiktage eingeschränkte Notfahrpläne für den Busverkehr auf, die zumindest eine Minimalversorgung sicherstellen - teilweise geschieht dies auf Basis der Nachtlinien.

Sie bitten zudem die Nutzer, sich auf den Seiten und in ihren Apps zu informieren und nach Möglichkeit auf nicht vom Streik betroffene Angebote auszuweichen. 

Wie können Pendler mit der Situation umgehen?

Wer im Homeoffice bleiben kann, hat Glück gehabt. Wer aufs Auto umsteigt oder Fahrgemeinschaften bildet, sollte auf jeden Fall mehr Zeit mitbringen. Bei den letzten Warnstreiks hatte es in München und Nürnberg deutlich mehr Stau gegeben als an normalen Tagen.

Auch aufs Fahrrad umzusteigen, ist eine Möglichkeit, sofern die Strecken nicht zu weit sind. Das Wetter zumindest soll trocken und nicht allzu kalt werden. Teilweise stellen die Stadtwerke auch ihre Leihfahrräder an den Streiktagen gratis zur Verfügung. 

Eine Ausrede einfach nicht zur Arbeit zu kommen, ist der Warnstreik nicht: „Jeder Einzelne ist arbeitsrechtlich selbst dafür verantwortlich, pünktlich am Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu erscheinen“, heißt es von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft.

Sind wieder Großereignisse betroffen?

In München und Nürnberg stehen am Freitag und Samstag keine Fußballspiele mit vielen Zuschauern an, FC Bayern, Club und 1860 spielen am Wochenende auswärts.

In Augsburg sieht es schlechter aus: Der FCA empfängt am Freitagabend Köln. Zudem spielen die Augsburger Panther ebenfalls am Freitagabend gegen Red Bull München. Die Arenalinie zum Fußballstadion und die Linie 4 zum Curt-Frenzel-Eisstadion fahren wegen des Streiks aber nicht, wie die Stadtwerke mitteilen. 

In Fürth gibt es zudem am Samstagabend ein Zweitliga-Spiel gegen Schalke. Hier soll es Busse durch private Busunternehmen geben.

Warum wird gestreikt?

Bundesweit laufen die Tarifverhandlungen im Nahverkehr zwischen Verdi und den kommunalen Arbeitgebern. In Bayern fordert die Gewerkschaft Verdi für die etwa 9.000 Beschäftigten in mehr als 20 Unternehmen, für die der Tarifvertrag gilt, unter anderem eine Entgeltsteigerung um 668,75 Euro sowie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit. 

Bislang gibt es keine nennenswerte Annäherung. Der Kommunale Arbeitgeberverband hatte die Warnstreiks zuletzt kritisiert. Die Forderungen der Gewerkschaft seien nicht zu erfüllen.

© dpa-infocom, dpa:260227-930-742284/2

 
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