Musikalische Globalisierung

Außergewöhnliches Projekt: 13 Berliner Musiker begeistern als "17 Hippies" das Publikum

Seit 20 Jahren haben die „17 Hippies“ mehrfach die Welt umtourt und gehören zum originellsten Kolorit der deutschen Musiklandschaft. Ihre Sprache ist international, sie singen deutsch, englisch und französisch.
von Autor MFGProfil

Das erste Album dieser mehr als ungewöhnlichen Berliner Combo sollte 1996 noch auf Kassette erscheinen - doch die Jüngeren im 17-Hippies-Kollektiv setzten durch, dass es zumindest auf Vinyl und CD das Licht der Welt erblickt. So viel zum Selbstverständnis einer Formation, die sich nicht umsonst anachronistisch "17 Hippies" nennt, obwohl sie derzeit auf gerade 13 Mitstreiter kommt, 17 waren nie an Bord.

Bunter Haufen

Die "17 Hippies" ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen von musikalischen Individualisten, die auf akustischen Instrumenten Ethno-Sound im besten Sinn raus hauen: Chanson trifft auf Americana, Balkan-Beat auf indischen Groove, Folk auf Deutsch-Pop. Gesungen wird passender Weise auf Deutsch, Englisch und Französisch. "Von den 17 Hippies leben können wir alle nicht, wir ziehen dieses Projekt aus purem Spaß an der Freude durch", erklärt Akkordeonistin Kiki Sauer lachend.

Die 52-Jährige ist wie ihr zwei Jahre älterer (Lebens-)Partner Christopher Blenkinsop, Multi-Instrumentalist sowie Produzent, und neben dem Aushängeschild Lüül von "Agitation Free", eine der Initiatoren der abenteuerlichen "wilden 13", frei nach dem Buch von Märchen-Autor Michael Ende. Blenkinson ergänzt: "Aber wir möchten speziell die Erfahrungen, die wir on the road sammeln, nicht missen. Weil wir der Musik hemmungslos verfallen sind, ziehen wir im Pulk quer durch die Welt, auch aktuell wieder, wir überraschen unsere Zuhörer, noch viel mehr aber uns selbst. Wir sind der Inbegriff für musikalische Globalisierung. Und insofern auch der Inbegriff für das Hippietum des 21. Jahrhunderts." "Kirschenzeit" nennt sich die aktuelle Produktion, auf dem Cover zu sehen ist ein Paar Kirschen, das bei näherer Betrachtung wie Boxhandschuhe aussieht. "Das Bild passt sehr gut zur Überlegung, die hinter der Platte steckt, das Ganze ist ja eine Art Konzept", erklärt Blenkinson. "Die Boxhandschuhe stehen für das kämpferische, das mit den Liedern vermittelt werden soll. Die Kirschen für das lyrische."

"Verrücktes Kollektiv"

Tatsächlich hat der Albumtitel einen Bezug zur deutsch-französischen Historie. Der Begriff "Kirschenzeit" steht sinnbildlich im Nachbarland für "Aufbruch". Aufbruch, wie er von den Mitstreitern der Pariser Kommune 1871 verstanden worden war. "Diese Ur-Hippies", meint Kiki Sauer, "wollten einfach mal die Welt zum Positiven verändern. Vor dem Hintergrund dieser geschichtlichen Einzigartigkeit sind unsere elf neuen Stücke zu verstehen."

Laut Kiki Sauer sieht sich die Band "ganz in der Tradition dieses verrückten Kollektivs. Uns geht es um die Tradition des Zusammenstehens, der Gemeinsamkeit. Wir möchten, dass die immer weiter zerrüttete Menschheit wieder einen Konsens findet. Jeder soll einen Platz finden. Dafür lohnt es sich zu kämpfen!"

Musikalisch ist "Kirschenzeit" das bis dato Groove-lastigste Werk der 17 Hippies. "Wir haben in den mehr als zwei Jahrzehnten unserer Existenz so viele Länder bereist, sind auf dermaßen viele musikalische Mitstreiter gestoßen, ob in China, Peru oder Jordanien, um nur einige zu nennen - da ist es der Beat, der uns verbindet", meint Sauer. Und Blenkinson ergänzt: "Ich empfinde die Texte, die Kiki verfasst, enorm wichtig. Aber der Hauptanspruch dieser Truppe ist es tatsächlich, dass die Hörer, die unsere Verse nicht verstehen, durch den Rhythmus mitgerissen werden."

Bei den aktuellen Konzerten spielt die Berliner Crew "Hits aus der Vergangenheit, die wir nie hatten", feixt Blenkinson, "neben neuem Stoff. Und ansonsten gibt es jeden Abend ein unterschiedliches Programm. Wir stellen uns voll auf die Stimmung im Publikum ein. Wenn wir die realisiert haben - dann legen wir richtig los."

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17 Hippies" spielen am 18. Januar in Nürnberg (Hirsch) und am 19. Januar in München (Ampere).

___Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0

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