22.09.2019 - 13:34 Uhr
NabburgDeutschland & Welt

„Empirisch belegte Brötchen“ im Schmidthaus Nabburg

Marco Tschirpke, 2018 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet, schmiert dem Publikum kabarettistische Häppchen. Das findet zwar einige Haare in der Suppe und hat deshalb viel zu lachen. Nur einen roten Faden sucht es vergeblich.

Marco Tschirpke lieferte im Nabburger Schmidthaus einen grandiosen Auftritt ab
von Holger Stiegler (STG)Profil

„Kurz geheult, kurz gebückt, die Klinge saust hernieder. Das Volk steht stumm und denkt bei sich: Die kommt so schnell nicht wieder.“ Im wahrsten Sinne des Wortes „messerscharf“ sind die Worte, mit denen Marco Tschirpke am Freitagabend im Nabburger Schmidthaus jongliert. Mit seinem Programm „Empirisch belegte Brötchen“ gibt der Wahl-Berliner in der Oberpfalz seine Visitenkarte ab.

Es gibt wohl wenige Kabarettisten, die in ihrem Programm eine – siehe oben – „Hommage“ an die französische Herrscherin Marie-Antoinette, ein Gedicht über die Probleme eines Moslems im Orbit und eine fundierte Erläuterung über die Laktoseintoleranz von Pflanzen unterbringen. „Suchen Sie erst gar nicht danach, Sie werden den roten Faden nicht finden“, warnt Tschirpke deswegen schon gleich einmal die Zuhörer zu Beginn. Und führt dann den Beweis an, dass auch ein „fadenloser“ Auftritt höchsten Ansprüchen genügen kann. Tschirpkes Metier ist die Kombinationen aus Gedichten, vertonten Versen und Liedern, gepaart mit witzigen Erzählungen – Qualitäten, die ihm im vergangenen Jahr den Deutschen Kleinkunstpreis eingebracht haben.

Die Szenen des Abends sprechen den Intellekt an, da werden keine kalkulierten Schenkelklopfer abgesondert, vielmehr werden Pointen gesetzt, deren Erläuterung es nicht bedarf. Tschirpke fasst sich meist kurz in seinen Gedichten, mit wenigen Worten transportiert er Geschichten mit viel Poesie und Lyrik, ja, und vor allem mit Witz. Auf Überflüssiges verzichtet er von vorneherein. Da sind die Lieder für den Internationalen Frauentag in Dubai im kommenden Jahr für einen Scheich und seine 200 Haremsdamen, die soziologische Studie über das Leben im Stadtteil Prenzlauer Berg in Berlin, die Annäherung an den „Letzten Schrebergarten“, der Grab heißt, und die Verarbeitung eines Besuchs im Wachsfigurenkabinett.

Besondere Höhepunkte des Abends werden eine „Maxi-Version“ von „Es regnet, es regnet, die Erde wird nass“, die poetische Abrechnung mit der nationalsozialistischen Verklärung Horst Wessels sowie das Ergründen des wahren Kerns des Italo-Hits „Felicità“, in dem es ja eigentlich um ein Pferd geht. Viel Applaus für einen durch und durch überzeugenden Auftritt: Musikalisch-lyrisches Kabarett der feinsten Art.

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