01.02.2019 - 14:08 Uhr
NabburgDeutschland & Welt

Eskalation mit Ansage

Kabarett aus Österreich mit der Liebe zum Absurden im Schmidt-Haus

Antonia Stabinger und Ulrike Haidacher, alias Flüsterzweieck, aus Wien haben mit ihren kurzen Szenen, Sketche und fast dadaistischen Nonsensedialogen eine einmalige Stilform des Kabaretts entwickelt.
von Autor KBWProfil
Antonia Stabinger und Ulrike Haidacher, alias Flüsterzweieck, aus Wien haben mit ihren kurzen Szenen, Sketche und fast dadaistischen Nonsensedialogen eine einmalige Stilform des Kabaretts entwickelt.

Zwei Wienerinnen in Nabburg - schon zu Beginn des Samstagabends lassen "Flüsterzweieck" ihr Publikum wissen, was sie erwartet: Antonia Stabinger und Ulrike Haidacher starten ihr Programm "Stabile Eskalation" mit der Kritik eines fiktiven Gastspiels beim Adlerwirt in Bad Wurzach und zitieren aus der Presse: "Kein Abend für genüssliches Entertainment", "servierten ihrem geneigten Publikum nicht einfach verdauliche Kost", "dass mit abrupten Wendungen und schräger Komik der rote Faden im Saal verloren ging, war wohl beabsichtigt".

Und es ist tatsächlich eine gewisse Verunsicherung im Publikum zu spüren: Stabinger und Haidacher haben für ihre fast dadaistischen Nonsensedialoge eine ungewöhnliche, einmalige Stilform entwickelt. Anfangs sucht man wirklich nach einem roten Faden. Lässt sich der Zuhörer aber auf die "Theaterkabarettperformance" der beiden ein, kann er die grotesken Figuren und absurden Geschichten in wechselnden Räumen und Welten genießen.

Stabinger gibt die Überengagierte, Enthusiastische, Haidacher die eher verstörende, nicht so Gefällige. Ulrike findet alles "oam" und "fad", bis Antonia sie zurechtweist, dass sie bitte endlich was Positives sagen solle, immerhin wäre der Kabarettabend "geil". Die Suche nach dem "geilen" Erlebnis, die Sehnsucht dem Ausbruch aus dem Alltag zieht sich durch das ganze Programm.

Mimik, Gestik und Tonlage sind perfekt einstudiert, auch wenn die Künstlerinnen Improvisation vorspielen. Zum Einsatz kommt auch ein 90er-Jahre-Keyboard bei einem Ave-Maria-Gesang, der ganz nach "Faaaade Maaariiia" klingt, als bitterböser "Schlager" aus der ach so heilen Welt: "Bua, moch da kane Suagn. Irgendwo do draußn in da Wöt is für di a Dirndl, nur für di." Schließlich ein Vorstellungsgespräch in einer Brotfabrik: "Sie wollen Vollzeit arbeiten? Bei uns geht nur Vollkorn!" Während des Dialogs beißen sich beide unentwegt in den eigenen Unterarm. Die Zahn-Abdrücke in der Haut werden stolz dem Publikum gezeigt, mit der Frage: "War des oag?"

Auch Twitter-Hassposter, Sexismus, Feminismus und überkorrekte Ökos stehen auf der Agenda von "Flüsterzweieck". Der Abend endet - getreu dem Anspruch von Flüsterzweieck - in einem harmonischen Kanon über Eskalation, Stabilisation und Halluzination: "Lassen Sie sich irritieren!"

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