03.09.2020 - 20:12 Uhr
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Vom Experiment zur Kult-Werbung: Der Naabecker-Spot wird 25

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Vor 25 Jahren kam der Werbespot von Naabecker in die Kinos. Brauerei-Chef Wolfgang Rasel und Grafikdesigner Dieter Hirsch erläutern, wie aus dem minimalistischen Film Kult wurde.

Der Werbespot für Naabecker-Bier ist inzwischen Kult.
von Helmut KunzProfil

"Aus dem Herzen der Natur. Gebraut mit weichem Felsquellwasser." Unter Cineasten besitzt die "Naabecker"-Kinowerbung Kult-Status. Bei Kinogängern in der Region nimmt sie heute fast schon denselben Stellenwert ein, wie ihn früher das HB-Männchen oder der "Wäsche kauft man bei Witt"-Spruch innehatten. Der Spot hatte 1995 in den Kinosälen eingeschlagen wie eine Bombe. Heuer wird er 25 Jahre alt und es geht immer noch ein Raunen durch den Kinosaal, wenn die Werbung vor dem Hauptfilm läuft.

Die Idee dazu hatte der Weidener Kinowerber und Grafikdesigner Dieter Hirsch. "Die Naabecker-Werbung ist prägnant", unterstreicht auch die Chefin des Neue-Welt-Kinocenters in Weiden, Evelyn Nadler. "Wir kriegen das ja im Foyer akustisch mit, wenn drinnen die Werbung läuft. Oft hören wir dann Leute sagen, die etwas später gekommen sind und an der Kasse anstehen: Scheibenkleister, schon wieder verpasst. Die Zuschauer wollen diese Werbung einfach sehen." Die gehöre zum Kinobesuch einfach dazu.

"Ich habe mich damals mit dem Chef der Schlossbrauerei Naabeck, Wolfgang Rasel, zusammengesetzt und ihn von einer gemeinsamen Kinowerbung überzeugen wollen", erinnert sich Hirsch. "Damals beherrschten zu 99,9 Prozent Diapositive die Kinowerbung. Es gab nur Standbilder. Alles was in der Werbung Film war, war extrem teuer."

Unbedingt auffallen

Die Entstehung war deshalb eigentlich ein Zufallsprodukt. Rasel hatte einen Clip vor Augen, der unbedingt auffallen sollte und den die breite Masse nicht hatte. "Und dieser Wunsch fiel gerade in eine Zeit, als auf dem Gebiet der Kinowerbung viel experimentiert wurde." Schnell war man sich mit der Werbeagentur Wolf in Fürth einig geworden. "Dort befand man sich gerade in eben dieser Experimentierstimmung." Man wollte einen außergewöhnlichen Spot produzieren und prüfen, wie der ankommt.

Gestaltet wurde der Werbefilm von der Grafikabteilung der Firma Wolf. "Der Grafiker war allerdings an das Bildmaterial gebunden, das wir ihm stellten und das wir von der Naabecker Brauerei bekommen haben." Im Klartext: "Wir hatten nur ein Foto vom Bierglas." Und nicht einmal ein Logo. Ein weiteres Bild, das nach Fürth geschickt wurde, war eine Aufnahme vom Naabecker Stein. "So kam es dazu, dass das volle Glas von links unten ins Naabeck-Bild geschoben wurde. Dazu rauschte der Bach und die Vögel zwitscherten."

Was den Clip später zum Kult machte, war das markante "Naabeckerrr" - mit Nachhall. "Tonstudios, die uns einen vernünftigen Preis gemacht hätten, gab es damals nicht." Wer vertonen wollte, musste sich noch an Radio- oder TV-Anstalten wenden. "Aber die hatten illusorische Preisvorstellungen."

Unbekannter Sprecher

Wer das markante "Naabecker" eingesprochen habe, weiß er nicht, sagt Hirsch. Nur soviel: "Die Firma Wolf hatte damals mit Schauspielern vom Fürther Theater zusammengearbeitet." Aus diesem Umfeld werde der Sprecher wohl gekommen sein. Der Tonfall des Sprechers, das langgezogenen "R", sei so gar nicht geplant gewesen, erinnert sich Hirsch an die Aufnahme. "Aber gerade dieses ,R' hat letztendlich maßgeblich zum Kult-Charakter beigetragen."

Die Herstellung lief so: "Die Textvorschläge wurden mit dem Kunden abgesprochen. Der Sprecher wurde bestellt. Schließlich wurde das Produkt - Bild und Ton - zusammen geklammert und ein Negativ davon erstellt. Das Ganze wurde ja auf 35-mm-Film mit Lichtton aufgenommen." Herstellungszeit: Zwei bis drei Wochen.

Erst nach der Anfertigung von Negativen wurde im Kopierwerk der fertige Film angefertigt. "Diese Kopien hatten sich schnell abgespielt. Die haben zu Regnen begonnen, wie man das von alten Filmen her kennt. Alle drei bis vier Monate mussten die erneuert werden."

Wieder ein Kostenfaktor. "Eine Kopie kostete damals 250 Mark. Allein in Weiden gab es drei Kinos. Allein für die brauchte man schon drei Kopien. Und das dreimal im Jahr." Aber: "Die Schloßbrauerei würde heute keine Werbung mehr mit diesem Spot machen, wenn der die Produktionskosten nicht wieder hereingespielt hätte und keine Kundenresonanz dagewesen wäre." 2016 ist die digitale Version geringfügig überarbeitet worden. Zu sehen ist etwa fließendes Wasser.

Der Werbespot

Zweiter Spot ein Flop

In der Anfangseuphorie wollte man eine zweite Version in die Kinos bringen, wurde aber eines Besseren belehrt. Der neue Film wurde schon nach drei Wochen wieder abgesetzt. "Weil das Fax vom Rasel heiß lief. Die Leute hatten sich beschwert, weil der Spot ausgetauscht worden war." Anfangs sei der Brauereibesitzer sauer gewesen darüber. "Dann habe ich ihm erklärt, welches Potenzial hinter den Anrufen stecke. Erst dann erkannte er, wie sehr die Zuschauer zu Naabecker standen." In den vergangenen 25 Jahren lief der Spot auch in Regensburg, Nürnberg, Fürth, Erlangen.

Rasel würde den Spot sofort wieder produzieren lassen. "Und zwar im gleichen Umfang. Der Spot beinhaltet zwei ganz wichtige Elemente: Er zeigt, wo wir herkommen. Und zwar aus einem Dorf inmitten der Natur. Und er hat den Kurzbegriff Naabecker geprägt."

Für Evelyn Nadler vom Neue-Welt-Kinocenter ist der Naabecker-Spot längst Kult.
Dieter Hirsch hatte 1995 die Idee, gemeinsam mit der Schlossbrauerei Naabeck neue Wege in der Kinowerbung zu gehen.
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