10.09.2020 - 16:05 Uhr
NabburgDeutschland & Welt

Im Gewölbe ist es zu eng: Schmidt-Haus "wechselt" in Spitalkirche

Das Schmidt-Haus in Nabburg ist nach der Corona-Pause zurück. Naja, nicht ganz. Denn die Bühne wird erst einmal verwaist bleiben. Warum dies so ist, wo neu gespielt wird und wer sich alles angesagt hat, verrät Organisator Reinhard Westiner

Die Österreicher "BlöZinger" - hier bei ihrem Nabburger Auftritt vor zwei Jahren - sind wieder ein Höhepunkt in diesem Herbst.
von Holger Stiegler (STG)Profil

ONETZ: Herr Westiner, die Corona-Zwangspause für das Schmidt-Haus endet bald. Am 30. September wird Philipp Weber, der „satirischen Verbraucherschützer unter den Kabarettisten“, mit seinem Programm „KI: Künstliche Idioten!“ erwartet. Was erwartet denn die Freunde des Kabaretts und der Kleinkunst noch in diesem Herbst?

Reinhard Westiner: Im wahrsten Sinne des Wortes „ausgezeichnete“ Künstler und „alte Bekannte“ stehen auf dem Programm. Träger nicht nur Deutscher Kabarett- und Kleinkunstpreise geben sich zum 20. Jubiläumsjahr die Ehre. „Das Geld liegt auf der Fensterbank Marie“ kabbelt sich in „Gleich knallt's!“, keinesfalls typisches Frauen-Kabarett darf man bei der temperamentvollen Italo-Schweizerin Lisa Catena erwarten. In ihren „Vorzüglichen BetrACHTungen“ versammelt das Kabarettduo „BlöZinger“ einige Figuren ihrer ersten sieben Programme in einer Geschichte. Musikalisch geben „Gruberich“, Gewinner des internationalen Deutschen Weltmusikpreises Creole, den Ton an. Seit über 20 Jahren entstauben „Die Strottern“ das Wienerlied. Ebenfalls 20 Jahre zusammen auf der Bühne sind „Voice & Strings“ Steffi Denk & Yankee Meier.

ONETZ: Corona sorgt aber auch für eine große Veränderung: Sie wechseln die Lokalität. Wie ist es dazu gekommen?

Reinhard Westiner: Laut dem unvergessenen Dieter Hildebrandt hätten wir ja in unserem Gewölbe ideale Voraussetzungen für Kabarett und Kleinkunst: „Ein Kabarettpublikum braucht einen möglichst engen Raum, Keller und Dachböden sind ideale Kabarettorte…. wo nur sechzig Leute reinpassen, aber fünfundsechzig drin sind.“ Nach dem aktuellen Infektionsschutzgesetz könnten wir maximal zehn Plätze im Schmidt-Haus anbieten!

ONETZ: Ohne Hygienekonzept geht in Corona-Zeiten nichts mehr. Das wird in Nabburg nicht anders sein, oder?

Reinhard Westiner: Ich denke, wir haben mit unserer „Corona-Spielstätte“ Spitalkirche St. Marien, in der Nabburger Altstadt eine vernünftige Alternative gefunden. Der hohe Raum mit wesentlich größerer Grundfläche plus Balkon ermöglicht maximal 58 Besuchern einen Abend mit entsprechender Distanz. Das Hygienekonzept ist auf unserer Homepage (www.schmidt-haus.com) ausführlich dargestellt.

ONETZ: Wie schwer oder einfach ist es aktuell, Künstler zu engagieren? Die meisten dürften auch „ausgehungert“ sein…

Reinhard Westiner: Philipp Weber hat mir vor Kurzem geschrieben: „Du bist ein kleiner Hoffnungsschimmer in diesem Ozean der Absagen.“ Die ganze Lage ist für mich völlig unübersichtlich. Mittlerweile gehen ja die Programmplanungen schon über zwei Jahre, die meisten Frühjahrs- und Sommertermine wurden von Veranstaltern und Agenturen einfach verschoben, nicht wissend, wann, wo und ob eigentlich wieder ein „normaler“ Betrieb laufen kann. Ich warte da mal lieber ab.

ONETZ: Die Kulturreihe im Schmidt-Haus feiert heuer 20-jähriges Jubiläum. Das Jubiläumsjahr haben Sie sich sicher anders vorgestellt?

Reinhard Westiner: Eigentlich kämen auch noch „25 Jahre Schmidtsommernächte“ hinzu. Wir sind in der glücklichen Lage unser Schmidt-Haus als „Hobby“ betreiben zu können, haben wie professionelle Bühnen Gott sei Dank keinerlei existentiellen Probleme zu bewältigen. Dann versuchen wir unser Jubiläum eben 2021.

ONETZ: Blicken wir kurz zurück: Was waren die Höhepunkte der vergangenen zwei Jahrzehnte? Und worüber würden Sie lieber den Mantel des Schweigens werfen?

Reinhard Westiner: Mir kommen da weniger die Höhepunkte, was Namen oder Abende betreffen, in den Sinn. Mehr haben mich die Begegnungen und Zusammenarbeit mit den Künstlern beeindruckt und meinen Horizont erweitert. Unterschiedlichste Charaktere mit sprudelnden Ideen, höchster Virtuosität kämpfen leidenschaftlich für ihre Sache und bleiben ganz normale Menschen. Es entstanden Vertrauen und Freundschaften, viele kommen trotz unserer begrenzten Möglichkeiten gerne wieder. Als bekennender „60er“ kann ich mit Rückschlägen umgehen. „Niederlagen“ wie minimale Nachfrage bis hin zur Absage eines Abends gehören leider einfach dazu.

ONETZ: Wie schätzen Sie die Situation ein: Lechzt Ihr Stammpublikum nach Kultur und Kleinkunst oder ist da eher vorsichtige Distanz angesagt?

Reinhard Westiner: Ich hoffe doch sehr, dass die Leute kommen. Die vorsichtige Distanz garantieren wir ja mit dem Umzug in die Spitalkirche mit mehr Raum, mehr Abstand und dem Hygienekonzept. Kultur und Kleinkunst nur mit Veranstalter und Künstler gehen nicht!

Weitere Informationen finden Sie hier

Kleinkunst-Organisator Reinhard Westiner: "Kultur und Kleinkunst nur mit Veranstalter und Künstler gehen nicht!"
Info:

Termine

Mittwoch, 30. September (20 Uhr): PhilippWeber: "KI – künstliche Idioten" Sonntag, 11. Oktober (18 Uhr): Das Geld liegt auf der Fensterbank Marie: "Gleich knallt's“. Samstag, 17 Oktober (20 Uhr): 20 Jahre Voice & Strings: „Best of Stevie Wonder“. Samstag, 24. Oktober (20 Uhr): Lisa Catena: „Der Panda Code“. Samstag, 31. Oktober (20 Uhr): Gruberich: „Im wilden Alpinistan“. Freitag, 13. November (20 Uhr): Die Strottern: „Allein zu Zweit“. Samstag, 14. November (20 Uhr): BlöZinger: „Vorzügliche BetrACHTungen“.

Veranstaltungsort: Spitalkirche St. Marien, Spitalgasse 2, 92507 Nabburg

Karten: www.nt-ticket.de

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