Seidenstraße statt Sparbuch

Geld trifft Zoigl: Moderierter Commerzbank-Stammtisch am Schafferhof

Bei ihnen war die Rendite auf dem Prüfstand: (von links) Moderatorin Margit Schießwohl, Werner Braun, Bereichsvorstand Süd der Commerzbank, Christian Hormuth, Direktor Allianz Global Investors GmbH in Frankfurt, Sebastian Hackl, Niederlassungsleiter der Commerzbank Weiden, und Horst Schmidt, Niederlassungsleiter Mittelstand der Commerzbank Weiden.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Von Krisenstimmung ist an diesem Sommerabend im Schafferhof nichts zu spüren. Gut gelaunte Gäste im Oberpfälzer Freizeitstaat genießen fast in Zenturien-Stärke mit einem Zoigl-Aperitif in der Hand die milde Abendsonne, ehe die Gastgeber zum Stammtisch im ausgebauten Stadl bitten.

Groß erklären muss Sebastian Hackl, Niederlassungsleiter der Commerzbank Weiden, die dritte Veranstaltung unter dem Motto "Geld trifft Zoigl" nicht mehr: "Der Zoigl ist ein besonderes Bier, wir sind eine besondere Bank - Regionalität, gemeinsamer Austausch, es gibt viele Gemeinsamkeiten." Und Hausherr Reinhard Fütterermahnt ironisch: "Zoigl ist eine braune Flüssigkeit, die, je nachdem, wie sie angerührt, zum Leben oder Tode führt."

Den Zoigl nehmen die geladenen Experten mit "auf den Renditeprüfstand" am Podium - zusammen mit ihrem Humor, den wachzuhalten besonders Aufgabe von Moderatorin Margit Schießwohlist. Christian Hormuth, Direktor Allianz Global Investors GmbH in Frankfurt, wird nicht müde, den Gästen die Kapitalvernichtung durch Sparbücher vor Augen zu führen. Der Anlageberater aus der Pfalz, "wo der Wald die Reben küsst", verdeutlicht: "Sie brauchen 3 Prozent um ihr Kapital erhalten." Die Debatte, ob und wann der Leitzins steigt, sei müßig: "Da hat man noch lange nichts verdient."

Drei Billionen unverzinst

Werner Braun, Bereichsvorstand Süd der Commerzbank, konkretisiert: "3000 Milliarden, also drei Billionen Euro, liegen unverzinst auf Sparkonten." Die sprichwörtliche German Angst des Volkes der Sparer sei historisch bedingt. Braun zieht eine Linie vom 30-jährigen Krieg über die Hyperinflation der 1920er Jahre bis zum Aktienflop der Telekom. Eine irreführende Analogie, meint der Franke: "Auf dem Kontoauszug steht halt nicht die schleichende Entwertung dank Draghi." Die Folge für die Null-Zinser: "Wir verlieren eine ganze Generation, die kein Vermögen aufbauen kann."

Nicht nur der Nachwuchs, auch gestandene Chefs leiden unter dem Niedrigzins, sagt Horst Schmidt, Niederlassungsleiter Mittelstand der Commerzbank Weiden. "Die Unternehmer wollen Liquidität kurzfristig zur Verfügung haben." Im Termingeldgeschäft würden Minuszinsen fällig, und Anleihen, früher ein Ventil, hätte die EZB aufgekauft. "Die Kunden gehen dazu über, bei einer dritten und vierten Bank ein Konto zu eröffnen." Dabei seien gerade sie - gewohnt, kalkulierte Risiken einzugehen - ideale Anleger: "Wenn ich Unternehmer wäre, würde ich nicht alle Eier in ein Körbchen legen."

Anlage-Experte Hormuth macht deutlich, welche Körbchen er für die richtigen hält: "Es ist klug, in die Weltwirtschaft zu investieren." Zwei Jahre könne man seriös prognostizieren. 3,9 Prozent in diesem Jahr folgten 3,8 Prozent im nächsten. Wachstumsmotor seien - trotz und teilweise auch wegen Trump - die USA und China, das in den vergangenen zehn Jahren 700 Millionen Menschen aus der Armut geführt hätte. "Wer breit streut, rutscht nicht", sagt er. Europa, USA, China mit Anrainern, auch ein paar Prozent Russland und Japan gehörten dazu. Besonders im Fokus: die Seidenstraße, die nachhaltiges Wachstum generieren soll. "Man investiert 900 Milliarden Dollar in die Route Peking-Rotterdam und die Seestraße Shanghai-Rotterdam."

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