Der „Man in Black“ und seine Muse

„Cash & Carter – Songs und Stories“ begeistert in der Neustädter Stadthalle

Roman Hofbauer und Marina Jay gaben ein stimmiges Bild als Johnny Cash und June Carter ab
von Holger Stiegler (STG)Profil
Roman Hofbauer und Marina Jay gaben ein stimmiges Bild als Johnny Cash und June Carter ab

Er war der Mann, der in keine musikalische Schublade passte – auch wenn viele es immer mit der „Country“-Ecke versucht haben. Immer wieder hat er mit seinen Songs und seinen Auftritten überrascht und ist den Nischen entflohen. Und als Johnny Cash in den 90er Jahren eigentlich schon musikalisch tot war, hat er sich Dank des Produzenten Rick Rubin mit den „American Recordings“ neu erfunden. Wer die Geschichte von Johnny Cash erzählt, kommt an June Carter, der Bühnen- und Lebenspartnerin des „Man in Black“, nicht vorbei. Ihre gemeinsame Geschichte erzählt nicht nur von musikalischen Meilensteinen, sondern ist auch eine Liebesgeschichte, die bis zum Tod der beiden Musiker anhält.

Roman Hofbauer und Marina Jay haben sich in ihrem Programm „Cash & Carter – Songs und Stories“ des Paares angenommen. In der Stadthalle Neustadt nehmen sie am Samstag die Zuhörer mit zu Anekdoten, Erzählungen und vielen Liedern rund um das Phänomen Carter/Cash. Hofbauer übernimmt die Rollen als Sänger, Gitarrist und autobiographischer Erzähler. Und er wirft das musikalische Netz aus, das von „Folsom Prison Blues“ bis zum anrührenden „Hurt“ reicht. Die etwa zweistündige Tour d‘ Horizon führt zu wichtigen ausgewählten Meilensteinen im Werk von Cash und Carter – eine Vollständigkeit ist natürlich nicht möglich. Mit viel Leidenschaft und auch Akribie interpretiert Hofbauer „seinen Cash“, im Gestus und im Gesang durchwegs überzeugend.

Ihm zur Seite steht mit nicht weniger Leidenschaft und unbändiger Bühnenpräsenz Marina Jay als June Carter, die immer wieder eigene musikalische Akzente setzen kann. Zusammen demonstrieren sie, warum Johnny und June als Bühnen-Traumpaar noch heute eine Legende sind. In den Erzählungen erfahren die Besucher Details zur Stationierung Cashs in Landsberg am Lech und den Kauf der ersten Gitarre, die ebenfalls in Deutschland erfolgte. „Ring of Fire“, „Jackson“, „I walk the line“, „Time’s a wastin“ oder das Bob-Dylan-Cover „It ain’t me babe“ – die Musiker lassen einen Mann (und seine Frau) lebendig werden, die Maßstäbe setzten, die bis heute gelten. Auch Songs von musikalischen Gefährten und Vorbildern wie Kris Kristofferson und Hank Williams sind zu hören.

Der erste Teil des Abends in der Stadthalle gleitet leider etwas stark ins Statische ab, da Roman Hofbauer und Marina Jay fast ausschließlich auf viel zu großen Hockern auf der viel zu großen Bühne sitzen und auch der Stehtisch zwischen den beiden eher Distanz als Nähe schafft. Nach der Pause läuft es allerdings rund, gleich zu Beginn gibt es Songs am Bühnenrand sitzend und anschließend geht es stehend und damit deutlich dynamischer weiter. Langen Applaus bekommen die beiden Künstler verdientermaßen zum Abschluss ihres Auftritts: eine gelungene Hommage.

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