Neustadt an der Waldnaab
18.11.2019 - 14:56 Uhr

Wie ein saftiges Bühnenstück

„Mörderisches Bayern“ bürgt seit über 20 Jahren für Spannung. Am 30. November ist die Produktion in Neustadt/WN zu Gast: Dafür hat Krimiautor Robert Hültner eine Text-Collage aus seinen preisgekrönten Kriminalromanen zusammengestellt.

"Tatort"-Kommissar Udo Wachtveitl liest am 30. November die Texte von Robert Hültner Bild: BR/Bavaria Fernsehproduktion/Stephen Power
"Tatort"-Kommissar Udo Wachtveitl liest am 30. November die Texte von Robert Hültner

Udo Wachtveitl, bayerischer Tatort-Kommissar, ist nicht nur ein begnadeter Schauspieler, sondern auch ein grandioser Leser. Jeder Person gibt er in "Mörderisches Bayern" ihre eigene Stimme sowie ihren eigenen Charakter und lässt mit facettenreicher Sprechkunst ländliche und städtische Milieus im "revolutionären Oberbayern" der 1920er Jahre lebendig werden. Der Kriminaler ermittelt mit Instinkt und Humor und macht den Abend zu einem fesselnden Vergnügen. Die Musik ist nicht Beiwerk, sondern gleichberechtigter Akteur. Mit fantastischen Tönen und Klängen werden die Texte unterlegt und eingerahmt: Sebi Tramontana (Posaune), Erwin Rehling (Schlagwerk), Andreas Koll (Akkordeon). Der Schauspieler Hans Kriss ist der Erzähler des Abends. "Mörderisches Bayern" gastiert am Samstag, 30. November (2o Uhr), in der Stadthalle Neustadt/WN. Die Kulturredaktion hat sich mit Udo Wachtveitl unterhalten.

ONETZ: Herr Wachtveitl, seit 20 Jahren sind Sie mit dem Programm „Mörderisches Bayern“ unterwegs. Was ist das Besondere an dieser musikalischen Lesung?

Udo Wachtveitl: Dem Robert Hültner gelingt es immer, sehr plastische Figuren zu beschreiben. Außerdem hat er ein feines Gespür für das Szenische, kennt sich in der Geschichte recht gut aus. Die Zeit, in der die Lesung verortet ist, war ja auch eine äußerst turbulente. Nehmen Sie dazu noch die extra komponierte Musik und mehr als nur eine Prise Humor, dann ergibt das alles zusammen ein saftiges Bühnenstück.

ONETZ: Zwei Jahrzehnte befassen Sie sich bereits mit Robert Hültners Texten. Muss man da ein Fan sein? Oder wird man dazu?

Udo Wachtveitl: Man wird immer mehr dazu. Mir haben die Texte von Anfang an gefallen, aber immer wieder entdeckt man ein kleines Detail, eine mögliche neue Schwebung. Dazu kommt, dass wie bei allen Bühnenarbeiten, jeder Abend doch immer ein bisschen anders ist. Es kommt also auch nach etwa 200 Vorstellung immer wieder vor, dass wir uns gegenseitig überraschen.

ONETZ: Wer Robert Hültner kennt, weiß um dessen feingeschliffenen und erstklassigen Texte. Ist das nicht auch für einen Rezitator eine gewisse Bürde?

Udo Wachtveitl: Ich würde da eher von Herausforderung sprechen, auch wenn das ein bisserl nach Politikerjargon klingt. Kleine kabarettistische Fastfood-Häppchen für den raschen Verzehr langweilen ganz schnell. Dann schon lieber Bürde.

ONETZ: Hültners Inspektor Kajetan ist ein Eigenbrötler, der die Polizeiarbeit mit Instinkt und Humor erledigt und dabei oft den Pfad der unbeweglichen, auch korrupten Bürokratie verlässt. Auch wenn das alles in den 20ern des vergangenen Jahrhunderts spielt: Gibt es gewisse Parallelen zu „Tatort“-Kommissar Franz Leitmayr?

Udo Wachtveitl: Freilich gibt es die. Sie könnten für meinen Geschmack ruhig ein bisserl deutlicher sein, vor allem, was den Humor betrifft. Beim Tatort ganz allgemein gibt es manchmal den Irrtum, Trübsinn mit Tiefsinn zu verwechseln. Das versuchen wir zu vermeiden.

ONETZ: Batic und Leitmayr sind – nach Lena Odenthal aus Ludwigshafen – die dienstältesten „Tatort“-Kommissare. Haben Sie sich 1991 nach dem Debüt vorstellen können, dass Sie mal richtig „Kult“ werden? So manche „Kollegen“ aus anderen Bundesländern hatten ja eher kurzlebige Einsätze…

Udo Wachtveitl: Wenn man die Anzahl der Fälle zum Maßstab nimmt, sind wir sogar die Dienstältesten! „Kult“ zu werden, war nie unser Ziel. Aber auf die Länge kommt es ja bekanntlich nicht an. Als damals die Rechtsabteilung des BR einen Rahmenvertrag über wenigstens sechs Fälle mit uns machen wollte, haben wir das als unkünstlerisch und zu sehr fesselnd von uns gewiesen. Inzwischen sind wir bei Fall Nummer 84. So geht's manchmal mit gschlamperten Verhältnissen - sie erwiesen sich als stabil.

Info:

Service

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0, www.nt-ticket.de und an der Abendkasse

 
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