Niemals groß in Japan

Der 12. Januar vor 35 Jahren war ein Urknall für die deutsche Popmusik-Historie. An jenem Tag erschien die Single "Big In Japan", die ein bis dato unbekanntes Münsteraner Trio namens Alphaville an die Spitze der Charts katapultierte.

Nach dem 12. Januar 1984 war die Pop-Welt nicht mehr wie vorher: An diesem Tag erschien "Big In Japan" von "Alphaville", die mit ihrer Debüt-Single einen unglaublichen Siegeszug um die Welt antraten. Die Musikredaktion sprach mit Frontmann Marian Gold (links).
von Autor MFGProfil

Es folgten "Sounds Like A Melody", "Forever Young" - und schließlich das Debütalbum "Forever Young", das Millionen Käufer begeistert kauften. Dieses Phänomen wurde zum Anlass genommen, jenen Monster-Erstling in einer Super Deluxe-Edition (3 CDs, DVD, LP) remastered in den Handel zu bringen. Sänger und Texter Marian Gold (64) bringt Licht ins Dunkel der Wiederveröffentlichung.

ONETZ: Welche Erinnerungen haben Sie an 1984?

Marian Gold: Das war ein unruhiges, stürmisches Jahr für mich. Ich bin von einer Existenz in die nächste gebeamt worden. Denn ich kam musikalisch aus der Underground-Punk-Szene. Erwartungen kommerzieller Art hatten wir von der Band an unsere Musik jedenfalls nicht. Doch ich erinnere mich wie heute daran, dass ich als Hilfs-Koch Kartoffeln schälte in einer Münsteraner Restaurantküche, während „Big In Japan“ in ganz Europa und den USA rauf und runter lief. Der Chefkoch meinte zu mir: „Junge, die spielen deinen Song im Radio Tag und Nacht. Leider muss ich dich feuern. Du bist mir zu bekannt. Ich habe keinen Platz für einen Promi in meinem Lokal.“

ONETZ: Hat Sie der Alphaville-Erfolg eher überrascht oder hat Ihnen der eher geschmeichelt?

Kleine Anekdote: Wir von der Band standen im Jahr unseres Mega-Erfolgs mit unserer Schrottkarre wartend an einer Ampel. Neben uns ein wunderschöner Jaguar, dessen Motor herrlich surrte. Ich dachte bei mir: „Den könnte ich mir jetzt locker von meinen Tantiemen leisten.“ Ich habe mir nie einen Jaguar gekauft. Erfolg war und ist für mich irreal.

ONETZ: Viele Hörer glaubten, dass es etwa bei den Texten von „Big In Japan“ um Mega-Erfolg in Asien geht, bei „Forever Young“ um das Zelebrieren ewiger Jugend. Stimmt so aber gar nicht…

Nee, überhaupt nicht. Bei ersterem Lied dreht sich das Geschehen um ein Fixer-Pärchen, das völlig verzweifelt ist. Das zweitere ist definitiv eine Absageerklärung an den Jugendwahn. Ich habe lange nicht verstanden, dass meine Metaphern entweder nicht wahr genommen oder missverstanden wurden. Es sind ja extrem melancholisch-traurige Gedanken, die ich zu übermitteln versucht habe. Übrigens nicht nur bei diesen zwei Stücken. Doch irgendwann war es mir egal, dass ich mit den Inhalten nicht durchgedrungen bin. Ich habe diese Sache schlicht hingenommen.

ONETZ: Sind Sie ein melancholischer Charakter?

Kann sein. Wobei ich eher ein Mensch bin, der Sehnsucht und Romantik leben will. Bei meinen Texten geht es um die ganz großen emotionalen Ideen: Um Vergänglichkeit, um Abhängigkeit, etwa von Heroin, dem ich eine Zeitlang selbst verfallen war. Um das menschliche Scheitern. Das alles zieht sich wie ein roter Faden durch die Lyrics.

ONETZ: Wie betrachten Sie rückblickend die Alphaville-Historie?

Ich blicke nicht zurück. Auch aufgrund meiner recht wilden Vergangenheit. Bei mir war nicht immer alles eitel Sonnenschein. Dann lieber gespannt darauf sein, was die Zukunft bringt. Diese Lebenseinstellung liegt mir näher.

ONETZ: Warum hat das Album „Forever Young“ bis heute unter künstlerischem Aspekt Bestand?

Ich denke, das hat viel mit der Qualität der Songs zu tun. Die Lieder orientieren sich an keinerlei Mode. Es geht um Pop-Musik im klassischen Sinn, etwa in der Tradition der Beatles. Und mein Gesang ist, in diesem Sinne bin ich eitel, ist äußerst ungewöhnlich, geradezu magisch. Darauf bin ich echt stolz.

ONETZ: Wie kam es zur „Super DeLuxe-Edition“ dieses Debütalbums?

Wir haben alles drauf gepackt, was wir irgendwo gefunden haben. Was nicht bedeuten soll, dass man irgendwelchen Schrott darauf findet. Wir waren damals hoch-motiviert, haben endlos an Songs gefeilt. „Forever Young“ erzählt die Entstehungsgeschichte eines absoluten Ausnahme-Werks.

ONETZ: Was passiert in der Zukunft bei Alphaville?

Da schmoren eine Menge Ideen für neue Stücke in meinem Kopf. Es wird bald ein neues Album geben, ich bin mir sicher. Es geht weiter. Und ich bin schon total gespannt, auf welche Art und Weise es weiter gehen wird bei uns.

ONETZ: Werden die anstehenden Konzerte im März und April eher nostalgisch oder eher progressiv ausfallen?

Die Auftritte stehen ganz im Zeichen der „Anniversary“-Kiste von „Forever Young“, keine Frage. Wir werden dieses Album komplett spielen. Und bauen darum andere Songs aus unserer Karriere. Wir werden zu fünft auf der Bühne stehen. Lampenfieber haben wir keines. Dafür sind wir zu lange „on the road“. Aber ganz klar: Die Sache bleibt aufregend.

Jetzt erscheint das legendäre Album in einer Super-Deluxe-Edition mit drei CDs, einer DVD und Vinyl, außerdem als Deluxe-Doppel-CD mit Original-Singles, B-Seiten und Maxi-Versionen sowie als Vinyl-LP und Digital.
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