28.08.2018 - 17:50 Uhr
NittenauDeutschland & Welt

Berauschende norwegische Klangwelten

"Sommerliche Rathauskonzerte" in Nittenau mit Klavierstücken von Edvard Grieg - Bauerntänze mit höchsten Anforderungen

Der Norweger Einer Stehen Nöckleberg spielt in Nittenau Werke seines Landsmanns Edvard Grieg.
von Reinhold TietzProfil

Das Nachmittagskonzert ist zwar lediglich einem einzigen Komponisten gewidmet, das Programm zeigt jedoch, wie vielfältig die musikalischen Aussagen eines Tonsetzers ausfallen können. Dazu kommt, dass ein ausgewiesener Kenner der Musik von Edvard Grieg, dessen 175. Geburtstag in diesem sommerlichen Konzert gewürdigt wird, in Nittenau auftritt: der norwegische Pianist und ehemalige Hochschulprofessor Einar Stehen Nöckleberg aus Oslo.

Er beginnt mit der "Holberg-Suite" op 40, spielt das "Praeludium" hymnisch und lautstark. Die "Sarabande" dagegen ertönt leise und von großer Melodie erfüllt. Tänzerisch dagegen die "Gavotte" mit ausgeprägter Rhythmik. Dann geht es ganz ruhig mit lieblicher Melodie im "Air" weiter. Den Abschluss bildet ein sehr schneller "Rigaudon", den der Pianist schwungvoll im "Allegro con brio" gestaltet, während er im Mittelteil das "Poco meno mosso" feinsinnig leise ertönen lässt. Es folgt die "Ballade g-moll" op 24, eine großangelegte Variationenfolge über ein expressives norwegisches Volkslied.

Es sind neun Darstellungen von Stimmungen, die von "Lento" bis "Allegro scherzando" reichen, bis gegen Ende der Tonfolge ein "Allegro furioso" den Höhepunkt darstellt. Schnelle wie langsame Passagen haben ihren Halt in der Thema-Melodie. Die Beruhigung erfolgt durch den letzten Vortrag des Volksliedes, wieder in "Andante expressivo". Dem Pianisten gelingt es, jeder der verschiedenen musikalischen Aussagen ihren eigenständigen Charakter zu vermitteln und den Zusammenhalt der Episoden beizubehalten.

Nach der Pause erklingt ein selten zu hörendes Klavierwerk von Edvard Grieg, und zwar "Slatter", die "Norwegischen Bauerntänze" op 72 für Klavier solo. Grieg hat Melodien der Bauern gehört und notiert. Auf diese Weise blieben die 17 Melodien erhalten und bekommen in der Fassung des Komponisten neue Wirkungskraft. Das gilt für die "Springtänze" wie für die "Getretenen Tänze", ebenso für die "Brautmärsche", "Halling" und "Traum". Musikalisch werden viele verschiedene Tonaspekte deutlich, denn der Tonsetzer hat jedem Tanz mit seinen klanglichen wie rhythmischen Zusätzen eine spezielle Note verliehen.

Das immer wieder durchklingende tänzerische Element, das auch in den höchsten Anforderungen, die jeden Volkstanz meilenweit überschreiten, klar durchschimmert, verbindet alles. Der Zuhörer erfährt durch das Konzert eines Experten neue Aspekte vom Komponisten der "Peer-Gynt-Suiten". Des verdienten großen Beifalls wegen spielt Einar Stehen Nöckleberg noch die Transkription "Ich liebe dich", aus den "Lyrischen Liedern" das Stück "An den Frühling" und "Hochzeitstag auf Troldhaugen".

Die gehörten Stücke hellen auf, dass man Komponisten nicht nur mit ihren berühmten Werken erfassen kann. Auch die wenig bekannten Stücke enthalten Schönheiten, und diese zu entdecken, entspricht der Freude an der Musik.

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