28.05.2018 - 09:11 Uhr
NittendorfDeutschland & Welt

Neuer Stolz fürs Gastgewerbe

Der Gastronomie fehlen Fachkräfte. Wirte müssen auf Aushilfen zurückgreifen. Die wissen oft nicht, wie sie mit den Gästen umgehen sollen. Nicolai Schweiger und Christian Zwarg wollen das mit "Gastrocoach Bayern" ändern.

Nicolai Schweiger und Christian Zwarg geben mit "Gastrocoach Bayern" Workshops für Gastronomen.
von Eva Hinterberger Kontakt Profil

Nicolai Schweiger stammt aus einer Gastronomenfamilie. Er hat "noch die harte Schule durchgemacht", sagt er. Mit 17 Jahren war er ausgelernter Restaurantfachmann. Mittlerweile ist der 24-Jährige zudem Betriebswirt für Ernährungs- und Versorgungsmanagement und arbeitet hauptberuflich bei Kreutzer's in Regensburg. Die Gastronomie liegt ihm am Herzen. "Ich wünsche mir, dass dieser Beruf und dieser Service wieder den Stolz und das Ansehen bekommen, das sie einmal hatten." Aus dieser Überzeugung heraus hat Schweiger mit Geschäftspartner Christian Zwarg, ebenfalls Restaurantfachmann, "Gastrocoach Bayern" gegründet.

Sie bieten Seminare und Workshops an, die Gastronomen helfen sollen, die Abläufe in ihrem Haus zu verbessern. Es geht zum Beispiel um Konfliktmanagement, Service-Verbesserung oder Umsatzsteigerung. Ihre Kunden haben Schweiger und Zwarg vor allem in der Oberpfalz - und in Österreich. Dort kümmern sie sich um die Schulung von Mitarbeitern einer großen Hotelkette. Der Fokus der Coaches liegt auf Schulungen für das Servicepersonal. Das habe mit dem Teufelskreis zu tun, in dem sich das Gastronomiegewerbe befinde: "Der deutschen Wirtschaft geht es gut. Firmen wie Continental oder BMW stellen viele Leute ein. Dadurch gibt es weniger Bewerber für klassische, nicht so lukrative Handwerksberufe, wie die Gastronomie", erklärt Schweiger. Wirte müssten auf ungelernte Kräfte zurückgreifen. "Die wissen oft nicht, wie sie mit Gästen umgehen oder auf Beschwerden reagieren sollen."

Und: Es sei für die Inhaber oft schwer, diese Leute während des laufenden Betriebs anzulernen. Vielen Service-Mitarbeitern fehle der Blick fürs Wesentliche. "Sie sehen nicht, wenn eine Glühbirne defekt ist oder irgendwo Spinnweben hängen." Das sei fatal: "Der Gast hat viel Zeit sich umzusehen."

Besonders gefragt seien das "All in one"-Paket und ein Kurs, der auf Betriebe abgestimmt ist, in denen das Personal häufig wechselt. "Das 'All in one'-Paket ist ein Basis-Kurs. Da lernen die Leute einen Tag lang die Grundlagen im Service: Arbeit am Gast, umsatzsteigernder Verkauf oder wie gehe ich mit Beschwerden um." Beim zweiten Kurs gehe es darum Servicemitarbeitern, die längerfristig in einem Betrieb angestellt sind, zu zeigen, wie sie Personal anlernen können. Das sei für Betriebe wichtig, die zum Beispiel viel mit Studenten arbeiten. "Da geht es um Sozial- und Methodenkompetenz oder darum, wie man richtig Feedback gibt", erläutert Schweiger.

Mit diesem Wissen sollen die Angestellten helfen, der Gastronomie wieder mehr Ansehen zu verleihen. Das ist Schweiger wirklich wichtig, wie er immer wieder betont. "Ob wir tatsächlich dazu beitragen können, ist dahin gestellt. Aber wir probieren es." Er betont auch, dass die Gastrocoaches nicht in jedem Fall helfen können. Ihr Schwerpunkt liege im Service. Oft - vor allem, wenn es schon wirklich schlecht um einen Betrieb steht - liege das Problem im Management. "Das bieten wir auch an, aber nicht als Schwerpunkt."

Aus diesem Grund helfen Schweiger und Zwarg, die von weiteren Mitarbeitern unterstützt werden, auch kostenlos. "Viele, bei denen es Spitz auf Kopf steht, trauen sich nicht, sich Hilfe zu holen, weil das kostet noch einmal Geld", beschreibt Schweiger die Situation. Seit ihrer Gründung im Juni 2017 hatten die Gastrocoaches vier solcher Fälle. "Drei davon geht es besser. Der vierte wollte unsere Hilfe nicht mehr", berichtet Schweiger. "Ob es an uns lag, sei dahin gestellt. Hauptsache es geht ihnen wieder besser."

Trotz dieser kostenlosen Hilfe unter Kollegen wollen Schweiger und Zwarg in ein paar Jahren von ihrer Gastrocoach-Idee leben können. Noch laufe alles nebenbei. "Unsere Arbeitgeber wissen davon und akzeptieren das. Außerdem profitieren sie davon, wenn wir die Mitarbeiter dort schulen." Probleme, von alteingesessenen Wirten nicht akzeptiert zu werden, hat der mit 24 Jahren noch recht junge Unternehmer nicht. "Manche schauen anfangs skeptisch. Wenn sie aber merken, dass Fachwissen vorhanden ist, und ich noch durch die alte Schule gegangen bin, werde ich ernst genommen." Alte Schule? "Ich habe an meinem 18. Geburtstag - es war ein Pfingstsonntag - 13 Stunden in praller Sonne auf der Terrasse gearbeitet." Bereut hat Schweiger seine Berufswahl trotz solcher Tage nie. Im Gegenteil. "Jederzeit wieder."

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