31.01.2020 - 15:34 Uhr
NürnbergDeutschland & Welt

Bauklötze staunen und stapeln

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Bei der 71. Spielwarenmesse in Nürnberg kommen Nachhaltigkeit, Mutmachherzen, Computerhelden und Inklusion ins Spiel.

von Günter KuschProfil

„Bauen macht mir Spaß“, sagt Julian und stapelt Holzklötze in schwindelnde Höhen. Mit seiner Schwester hat er aus den zauberhaften Zahlengebilden eine Art Rechenmaschine konstruiert, erzählt der 9-Jährige stolz. Stellt man etwa die Zahlen „8“ und „9“ aufeinander, so ergeben alle weiteren Kombinationen des Ergebnisses „17“ dieselbe Höhe. Das Set „Calculix number bricks“ von ESM Vision hilft Kindern zwischen acht und zehn Jahren bei den Grundrechenarten. Auch Subtraktion, Multiplikation und Division sind in der Anleitung anschaulich erklärt. Der „edukative Wert und das gefällige Design“ brachte die Jury des ToyAwards ins Schwärmen. Sie vergab den 1. Platz in der Kategorie Start-Up.

Julian bringt die zahlreichen Journalisten bei der Neuheitenschau aber nicht nur dazu, Bauklötze zu staunen und zu stapeln. Begeistert führt er sie zu seinen Lieblings-Produkten. Kein leichtes Unterfangen, sind bei der 71. Spielwarenmesse in Nürnberg doch mehr als 2800 Aussteller aus Ländern präsent. Bis 2. Februar könnte man theoretisch über eine Million Produkte entdecken. Dabei kristallisieren sich auch heuer drei große Trends heraus: „Toys For Future“, „Digital goes Physical“ und „Be You!“ Unter dem ersten Motto rücken Themen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit in den Blick. Die „Fridays for Future“-Schülerdemonstrationen zeigen ihre Wirkung eben auch im spielerischen Bereich. Gesetzt wird nicht nur auf ökologische Materialien, sondern auch auf ökologische Bildung, wie der Experimentierkasten „Green Science“ beweist: Mehr als 15 Experimente vermitteln Wissen zu Naturphänomenen und Nachhaltigkeit.

Hinter dem Schlagwort „Digital goes Physical“ verbirgt sich die Verbindung von digitalen und analogen Welten. Charaktere aus bekannten Computer-Games erobern als Plüschtier, Actionfigur, Brettspiel oder Puzzle die Kinderzimmer. Mit „Be You!“ versucht die Branche, Menschen mit Einschränkungen spielerisch zu integrieren. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass das Spiel sich beispielsweise positiv auf Patienten mit Demenz oder Parkinson auswirkt. Mit unterschiedlichen Angeboten können sie ihre geistigen und motorischen Fähigkeiten trainieren. So hat Haba das bekannte „Mensch ärgere dich nicht“ für Spieler mit beeinträchtigtem Sehvermögen umgearbeitet. Die Köpfe der Figuren sind unterschiedlich geformt, die Pöppel sind greifbar und stehen in Mulden, damit sie nicht umfallen.

Für Julian sind solche Trendthemen Nebensache. Er führt uns zum Stand von Kosmos, wo das 25-jährige Jubiläum des Klassikers „Catan“ gefeiert wird. Klaus Teuber, gelernter Zahntechnikermeister, erfand es einst in einem Keller in Hessen. Anfangs war es schwierig, dafür einen Verlag zu finden. In einer kleinen Auflage wurde es zur Spielwarenmesse am 2. Februar 1995 veröffentlicht. Innerhalb weniger Monate waren alle 3000 Exemplare verkauft. Mittlerweile wird das Brettspiel, übersetzt in 41 Sprachen, in 70 Ländern vermarktet. „Ich dachte anfangs, das Spiel sei zu komplex, um erfolgreich zu werden“, erzählt der 69-Jährige, der in Nürnberg von seinem Sohn Benjamin begleitet wird, mit dem er seit kurzem gemeinsam Spiele entwickelt. Neu erscheinen wird in diesem Jahr „CATAN - World Explorers“, ein standortbasiertes Multiplayer-Spiel, das die ganze Erde in ein gigantisches CATAN-Spielbrett verwandelt.

Rasant geht es bei Dickie Toys und Majorette zu. Ein Autorennen ohne Benzingeruch und Motorenlärm? Die moderne Rennserie ABB FIA-Formel E bringt diese Kombination auf die Rennstrecken. Drei Pullstring Racer mit einer Fahrzeuglänge von 14 Zentimetern kommen nun im Gewand der Championship Livery daher. Mithilfe von Zwei-Kanal-Funkfernsteuerungen schlagen da schon die Herzen der Rennsportfans ab drei Jahren ein paar Takte schneller. Bei Jazwares lässt man die Wolkenschlag-Drohne aus dem Computerspiel Fortnite durch die Lüfte gleiten. Sie besitzt eine Reichweite von 60 bis 80 Metern und verfügt über einen Höhenregler. Dank Sechs-Achsen-Gyroskops und Infrarot-Hindernisvermeidung gelingt eine recht einfache Navigation. Rund 120 Euro muss man dafür allerdings investieren.

Am Stand von Schmidt Spiele setzt Profitänzerin Motsi Mabuse zu feurigen Samba-Rhythmen die Neuheit „Jixelz“ in Szene. Die stabilen und bunten Teile lassen sich mithilfe von übersichtlichen Vorlagen zu Hunde-, Seepferdchen-, Maus- oder Meerjungfrauen-Motiven zusammenstecken – und das ganz ohne Kleber oder Bügeleinsatz. Geschicklichkeit und Spaß stehen bei der „Octopus Party“ von Trefl im Vordergrund. Mit drei Tentakelarmen an den Fingern treten die Spieler gegeneinander an und versuchen mit den farbenfrohen Bechern waghalsige Konstruktionen nachzubilden. Das kurzweilige Geschicklichkeitsspiel punktet mit seinen ansprechend illustrierten Aktionskarten und dem verständlichen Spielprinzip: aufmachen, losspielen! Und bei Ravensburger stehen „Der weiße Hai“, „Jubako“, „Silver“ und „Krasserfall“ im Mittelpunkt des Interesses. Bei Letzterem handelt es sich um ein Kinderspiel, das zwei bis vier Sechsjährige mit Booten in die Nähe eines gefährlichen Wasserfalls bringt.

Nicht zuletzt geht es natürlich auch bei der 71. Spielwarenmesse um die Liebe – und damit um das Stofftier Mucki. Rot und in Form eines Herzens basiert es auf einer Kinderzeichnung von Beate Gallus, die als Neunjährige 1983 das Mutmacher-Herz für ihre Mama Jutta Fleck malte, „die Frau vom Checkpoint Charlie“. Die Geschichte wurde 2007 von ARD und Arte mit Veronica Ferres in der Hauptrolle verfilmt. Beate Gallus ist bekannt aus Presse und Fernsehen und Gründerin von HerzFace. Ihre Botschaft ist einfach und eher Message statt Messe: Finde in dir Mut, Liebe, Hoffnung und Hilfsbereitschaft, Zuwendung, Vertrauen und Selbstbewusstsein, erzeuge Herzensmomente und fördere das menschliche Miteinander. Wer mehr dazu wissen will, erhält Infos unter www.herzface.de

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