18.02.2020 - 15:18 Uhr
NürnbergDeutschland & Welt

Filmklassiker "Flashdance" als mitreißendes Musical

Dynamische Tanzszenen, gute bis sehr gute Sängerinnen und Sänger, Gesangstexte mit Substanz: In der Nürnberger Frankenhalle bekommt das Musical „Flashdance … What a feeling“ mit gutem Grund sehr viel Applaus.

Jede Menge tänzerische Dynamik bot das Musical "Flashdance … What a Feeling" am vergangenen Wochenende in Nürnberg
von Holger Stiegler (STG)Profil

Der Film aus dem Jahr 1983 ist natürlich das Vorbild: Das betonen die Musical-Macher von "Flashdance ... What a Feeling" gleich zu Beginn der Show. Eingespielt wird nämlich eine Filmsequenz mit Jennifer Beals, die auf dem Fahrrad sitzend quer durch Pittsburgh fährt. Daraus ergibt sich auch gleich die nächste Überlegung: Im Film gibt es diese unvergessliche Tanzszene, in der Beals sich tanzend auf einen Stuhl wirft, Wasser auf sie herunterstürzt und in unzähligen Tropfen von ihrem Körper abprallt. Geht das auf der Bühne überhaupt? Ja, und wie das geht. Denn in dem Musical passt praktisch alles.

Die Geschichte dreht sich um Schweißerin Alex Owens (stimmlich sehr gut und tänzerisch eine Augenweide: Maria Danaé Bansen), die aus der Arbeiterklasse kommt und die den großen Traum einer Tanzkarriere hat, der aber nur wenig realistisch scheint.

Nur die Hits auf Englisch

Während sie tagsüber ihren Beruf ausübt, verdingt sie sich nachts als Tänzerin in einer Bar, um über die Runden zu kommen. Ihr großes Ziel ist es, sich als Tänzerin an der Tanzakademie klassisch ausbilden zu lassen. Ungewollte Unterstützung bekommt Alex von ihrem Chef Nick (gesanglich sehr solide, aber noch mit Potenzial: Nicky Wuchinger), der seine Kontakte nutzt, damit Alex eine Chance zum Vortanzen bekommt. Das alles ist zum einen natürlich eine große Liebesgeschichte zwischen Alex und Nick, aber es geht auch noch um einiges mehr: um Träume und Ziele, um Freundschaften, um Ehrgeiz, um das Sich-heraus-lösen aus gesellschaftlichen Schichten.

Die Songtexte werden allesamt auf Deutsch vorgetragen - mit Ausnahme der bekannten Gassenhauer: Michael Sembellos "Maniac" - in einer atemberaubenden Version gesungen von Ira Theofanidis (in der Rolle der Gloria), Milena Sophie Hagedorn (in der Rolle der Kiki) und Eveline Gorter (in der Rolle der Tess) -, sowie Irene Caras "What a Feeling" gelten als "die" Soundtrack-Klassiker des Films. Nicht weniger Dynamik verströmen aber im Musical die Song-Klassiker "I love Rock 'n' Roll" und "Gloria".

Das ist alles sehr gut arrangiert, die Musik kommt nicht aus der Dose, sondern von einer sechsköpfigen Live-Band. Auch das Bühnenbild mit großen LED-Bildwänden, auf denen die Schweißarbeiten am Feuer, die Backsteinhäuser und die Skylines erscheinen, ist für eine Tourneeproduktion sehr gut komponiert. Für die komödiantischen Momente der Inszenierung sorgt Dennis Hupka in seiner Rolle als Jimmy - beispielsweise, als er seine stimmliche Vielfalt unter Beweis stellt. "Flashdance" ist natürlich auch immer wieder Kitsch und Schmalz, das kennt man vom Film her, und das ist auch auf der Bühne nicht anders. Und zum Happy End gehört das einfach dazu.

Nächster Halt: München

Die Show lebt von einem homogenen Ensemble, das die Choreographien glanzvoll umsetzt. Egal, ob solo, zu dritt oder das gesamte Ensemble - das hat Klasse, das hat Stil, und da steckt harte Arbeit dahinter. Ein Höhepunkt ist natürlich gegen Ende hin das Vortanzen von Alex in der Akademie, das der Filmsequenz in nichts nachsteht. Dass es zum Schluss stehende Ovationen in der Frankenhalle gibt, ist mehr als verdient.

Übrigens: Wer das Musical in Nürnberg verpasst hat, dem bieten sich in München weitere Chancen, dabei zu sein: Vom 17. bis 29. März gastiert die Produktion im Deutschen Theater mit 16 Vorstellungen.

Alex Owens (Maria Danaé Bansen) und Nick Hurley (Nicky Wuchinger) müssen jede Menge Hürden überwinden, damit es mit dem Happy End klappt.

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.