Nürnberg
Update 27.01.2026 - 12:22 Uhr

Wintereinbruch: Nach Schnee droht nun Glätte

Vor allem in Franken zeigt sich der Winter derzeit von einer ungewöhnlichen Seite. Der Schnee sorgt für eine Vielzahl von Behinderungen. Nun könnte noch Glatteis hinzukommen.

Nach massiven Behinderungen des Alltagslebens geht der Wintereinbruch nicht nur im tief verschneiten Nordbayern in die Verlängerung. Achtung: Es wird glatt! Am Dienstagabend gibt es zunächst in Unterfranken, in der Nacht dann in Franken und im Westen Bayerns Glatteisgefahr durch gefrierenden Regen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) ankündigte. „Lokal unwetterartige Entwicklungen nicht ausgeschlossen“, hieß es. In den übrigen Landesteilen erwarten die Meteorologen zum Teil Glätte durch überfrierende Nässe. Und auch Neuschnee dürfte vielerorts fallen.

So könnten bis zum Mittwochvormittag im nördlichen Franken gebietsweise bis zu fünf Zentimeter Neuschnee hinzukommen, kündigte der DWD an. In Schwaben soll der Schneefall am Mittwochmittag einsetzen, im Allgäu könnte es bis zum Abend dann ebenfalls fünf Zentimeter schneien. Bereits zuvor dürfte es in den Alpenhochlagen stürmische Böen geben, in Föhntälern wurden Böen um 50 Stundenkilometer erwartet.

Geschlossene Schulen und volle Mülltonnen

Am Dienstag hatte der Wintereinbruch vor allem im Norden Bayerns weiterhin für geschlossene Schulen in mehreren Landkreisen und Städten sowie für Behinderungen verschiedenster Art gesorgt. Neben gesperrten Straßen gab es nicht nur Stromausfälle und Beeinträchtigungen im öffentlichen Nahverkehr. Mancherorts wurde auch der Müll nicht abgeholt, andernorts blieben die Friedhöfe geschlossen.

Auf den Straßen blieb es dennoch zunächst vergleichsweise ruhig. Die Unfallwelle sei am Montagabend abgeebbt, hieß es von den Polizeipräsidien. Gleichwohl kam es zu zahlreichen Blechschäden, bei mehreren Zusammenstößen waren Leichtverletzte zu beklagen. Einige wenige Kollisionen endeten für die Beteiligten auch im Krankenhaus. 

Besonders schlimm traf es einen Radfahrer, der im oberfränkischen Bamberg durch einen abbrechenden Ast lebensgefährlich verletzt wurde. Dieser war laut Polizei am Montagabend wohl aufgrund der starken Schneelast herabgestürzt. Der 41-Jährige erlitt schwerste Verletzungen und wurde in einem Krankenhaus notoperiert.

Warnung vor schneebeladenen Bäumen

Das Präsidium warnte daher am Dienstag: „Aufgrund der starken Schneefälle besteht aktuell in ganz Oberfranken eine erhebliche Schneebruchgefahr.“ Aufenthalte unter Bäumen seien möglichst zu vermeiden. Zu Gebäuden solle Abstand gehalten werden, da Dachlawinen drohten. „Die Situation kann sich je nach weiterer Witterungsentwicklung noch mehrere Tage hinziehen“, betonte das Landratsamt Bamberg.

Auch in Mittel- und Unterfranken warnten diverse Städte und Landratsämter vor „Gefahr für Leib und Leben“ beim Betreten von Wald- und Baumbereichen. In Würzburg und Nürnberg wurden deshalb auch Friedhöfe gesperrt, geplante Beerdigungen fanden jedoch statt. 

Auch mehrere Straßen in Franken wurden wegen der Gefahr gesperrt, dass schwer mit Schnee beladene Bäume das Gewicht nicht aushalten. Eine reale Gefahr, wie mehrere Stromausfälle im Nürnberger Land zeigten. Dort waren Bäume wegen der Schneelast umgestürzt und auf Stromleitungen gefallen. 

Schneemassen gefährden Kinder und Jugendliche

Schneebedeckte Bäume wurden auch zur Gefahr für mehrere Schulklassen, die in einem Jugendhotel in Nürnberg untergebracht waren. Weil sich die Bäume bedrohlich Richtung des Gebäudes neigten, wurden sie durch Einsatzkräfte vom Schnee befreit. Zugleich gab es in Nürnberg aber durchaus auch Zeitgenossen, die den Schnee genossen: Ein Video in den sozialen Medien zeigte Skifahrer, die den Burgberg hinab zum Hauptmarkt rauschten.

Weil eine sichere Beförderung der Kinder und Jugendlichen nicht zu gewährleisten war, fiel in mehreren Landkreisen und Städten erneut der Präsenzunterricht aus. Dazu gehörten laut einer Liste des Kultusministeriums die Landkreise Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim, Bamberg, Erlangen-Höchstadt, Forchheim, Fürth und Kitzingen. Auch die Grundschule Pilsach im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz war darunter. Keinen Präsenzunterricht in den Schulen gab es auch in den Städten Erlangen, Bamberg, Forchheim, Nürnberg und Fürth. In vielen Fällen wurden Notbetreuungen eingerichtet.

Unfallwelle abgeebbt

Trotz der Witterungsverhältnisse blieb es auf den Straßen in der Nacht zu Dienstag vergleichsweise ruhig, wie die Polizeipräsidien berichteten. Zwar kam es zu einer Vielzahl von Blechschäden, allein in Unterfranken rückten die Streifen mit Schwerpunkt im Raum Würzburg zwischen Montagabend und Dienstagmorgen zu rund 200 Einsätzen aus. Bei rund 90 davon handelte es sich um Unfälle. Dabei wurden einige Beteiligte leicht verletzt. 

Auch in Oberfranken blieb es trotz zahlreicher Unfälle bei einer Handvoll Leichtverletzten, in Niederbayern ging es ebenfalls glimpflich aus. In der Oberpfalz wurden zunächst keine Unfälle seit dem Abend bekannt. Die Straßen seien frei, hieß es aus dem Präsidium.

Richtig schwere Unfälle hingegen wurden nur vereinzelt bekannt. So rutschte schon am Montagvormittag in Kulmbach ein 28-Jähriger mit seinem Auto gegen eine Mauer. Er wurde in dem Wagen eingeklemmt und schwer verletzt. Im oberpfälzischen Neukirchen beim Heiligen Blut schleuderte am Montagnachmittag eine 27-Jährige mit ihrem Auto eine höhere Böschung herab und prallte gegen mehrere Bäume. Sie kam mittelschwer verletzt in ein Krankenhaus. 

Volle Mülltonnen

In Würzburg verhinderte die Witterung, dass der Straßenbahn- und Busverkehr am Morgen wie gewohnt aufgenommen wurde. Auch im Stadt- und Landkreis Forchheim kam es zu Einschränkungen im öffentlichen Personennahverkehr. Im Landkreis Bamberg blieben die Wertstoffhöfe wegen der starken Schneefälle geschlossen. Im Landkreis Erlangen-Höchstadt sowie in Nürnberg konnte die Müllabfuhr ihre Runden nicht drehen, während sie im Landkreis Forchheim den Betrieb wieder aufnahm.

© dpa-infocom, dpa:260127-930-601319/4

 
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