05.04.2019 - 18:53 Uhr
Deutschland & Welt

Nur der gefühlte Sieger: Die EU und der Brexit

Das Wort Brexit lässt bei vielen den Blutdruck steigen: In der schier endlosen Geschichte des EU-Austritts von Großbritannien blicken Normalsterbliche fast nicht mehr durch. Hat die EU also gewonnen? Ein Kommentar von Wolfgang Würth.

Dinner for One.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Unverständnis und Spott statt rationaler Analyse: Inhaltlich folgt dem Theater um den Austritt der Briten aus der Europäischen Union längst niemand mehr. Ob der Brexit morgen oder nie über die Bühne geht - wer will dazu seriös etwas sagen? Der Brexit hat sich von der politischen auf die Gefühlsebene verlagert.

Auf dieser Ebene ist die Europäische Union still und leise zum Brexit-Gewinner geworden. Die Zeiten der Staatsschuldenkrise, des Euro-Frusts liegen kaum fünf Jahre zurück, Experten sind sich einig, dass diese Krise längst nicht überwunden ist. Seit mehr als drei Jahren sind die EU-Mitgliedsstaaten einer europäischen Lösung des Flüchtlingsproblems keinen Schritt näher gekommen. Faktisch steckt die EU also weiter tief in der Krise. Und doch: Nie war mehr Europabegeisterung in Deutschland. Die Euphorie der einst so europakritischen CSU beim Parteitag vergangenes Wochenende in Nürnberg hätte man vor der letzten Wahl im Jahr 2014 wohl nicht einmal dem damaligen Berufs-Europäer Martin Schulz abgenommen.

Dabei macht auch die EU in den Brexit-Verhandlungen - ganz rational betrachtet - keine besonders gute Figur. Und auf Dauer wird sich die Union wohl auch nicht durch die juristischen Daumenschrauben zusammenhalten lassen, mit denen sie derzeit den Briten den Austritt so schmerzhaft wie nur möglich macht.

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A. Schmigoner

Wolfgang Würth spricht von der „Staatsschuldenkrise“ und benutzt dabei einen PR-Begriff der Finanzindustrie. Die Bürger seien mit dem „Begriff ‚Schuldenkrise‘“ auf „eine falsche Fährte gelockt“ worden, moniert der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. „Damit wird verschleiert, dass wir eigentlich eine Krise der Finanzwirtschaft und der Banken haben, weil diese sich in Spekulation statt in solider Kreditfinanzierung verausgabt haben.“ Tatsache ist, dass sich viele Staaten in Schulden gestürzt haben, um ihre Banken zu retten. Glaubt der Kommentator, ein Nationalstaat würde die Flüchtlingskrise besser lösen können? Der Brexit wurde massiv von Russland, den USA und den britischen Milliardären beeinflusst und unterstützt, da sie jeweils ein Interesse am Brexit hatten. Das britische Chaos rund um den Brexit schreckt wohl andere Staaten, die sich mit dem gleichen Gedanken tragen, am meisten ab.
PS: Ist Manfred Weber auch Berufs-Europäer?

06.04.2019