17.09.2018 - 15:03 Uhr
Deutschland & Welt

Oberpfälzer Komponisten mit Strahlkraft

Max-Reger-Tage zu Gast in Waidhaus: "Ensemble Con Brio" mit gelungener musikalischer Hommage

Das Amberger Streichquartett „Ensemble Con Brio“ gibt unter dem Motto „Musik aus der Region – Musik von der Region“ in der Waidhauser Autobahnkirche ein beachtenswertes Konzert mit Werken Oberpfälzer Komponisten.

Vier Streicher - Gerda Machmor-Geer und Heidi Braun (Violinen), Franz Rauch (Viola) und Peter K. Donhauser (Violoncello) - präsentieren sich am Sonntag in der Waidhauser Autobahnkirche con brio, das heißt mit lebhaftem Temperament. Die spielerische Qualität des Ensembles "Con Brio" muss man in der Region nicht extra betonen. Sie hat sich durch eine homogene Musizierweise in mittlerweile 27 Jahren selbst bewiesen.

Die Versionen für Streicher hat Ensemble-Gründer Donhauser unter anderem nach Orchesterbearbeitungen des Weidener Wolfgang Müller erstellt. Transkriptionen für Franz Gleißner liefert Chorleiter Karl Heinz Malzer. Das Programm "Musik aus der Region - für die Region" - als Programmpunkt der Weidener Max-Reger-Tage - gliedert sich in drei Blöcke und bietet eine informelle und klangschöne Bandbreite Oberpfälzer Komponisten aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Der in Neustadt/WN geborene Gleißner (1761-1818) unterstützte neben seinem musikalischen Schaffen die Entwicklung der Lithographie tatkräftig und ermöglichte somit die leichtere Vervielfältigung der Notenvorlagen. Das Quartett würdigt ihn mit dem melodiösen C-Dur-Quartett. Nach Anpassung an die Akustik in der voll besetzten Kirche erfüllt sich der für Kammermusik bestens geeignete Raum mit warmem Klangvolumen.

Eingängige Romanze

Danach folgt ein erster "Reger", der in seiner Kammermusik klanglich zu Liszt'scher Virtuosität und zum "Brahmsnebel" tendiert, obwohl er von der "Gluthitze" in Richard Wagners "Parsifal" zum Musikstudium infiziert worden war. Eine sehr weiche und eingängige Romanze in G-Dur, zu der Max Reger sich selbst nie äußerte, zeigt die gefühlvolle Seite des ansonsten eher extrovertierten Orgelmeisters.

Ein bemerkenswertes Experiment gelingt dem Quartett durch das Nebeneinanderstellen zweier aufeinander zu beziehender Werke. Zunächst wird Regers nahezu spirituell wirkende "Aria" aus der a-Moll-Suite gespielt, dann die Vorlage des von ihm hoch verehrten Johann Sebastian Bach, mit "Air" aus der Orchestersuite in D-Dur. Darin wird im Bass das Achtel-Oktavschreiten eingesetzt.

Vor den aufgeführten Stücken verrät Donhauser manche Sonderheit aus der Schatzkammer des musiktheoretischen und -historischen Wissens. Damit liefert er den Zuhörern verschärften Hörgenuss. In die Pause verabschiedet sich das Ensemble mit dem lyrischen Andante "Liebestraum", ein Hochzeitgeschenk Regers an Freunde, das er mit lockerer Hand komponiert hatte.

Gehen oder Bleiben?

Der dritte Teil kann als der Aufhorcher des Abends schlechthin gelten. Er ist Regers Großcousin Hans von Koessler (1853-1926) gewidmet. Liszt hatte ihn an die Königlich Ungarische Musikakademie in Budapest berufen. Das Hin- und Hergerissensein zwischen Gehen oder Bleiben fasste er in variationsreiche Musik. Hochdramatisch klingt diese Art von Gefühlslagen-Aufnahme seines Heimwehs, die er im 2. Streichquartett in g-Moll in Noten festhielt. In diesem selten zu hörenden,aber an Originalität und Intensität kaum zu übertreffenden Werk, gestaltet Koessler seine Sehnsucht nach Deutschland im 2. Satz markanterweise als Wehmuts"-Motiv in nur vier Tönen. Aber ebenso tänzerisch und unternehmungslustig bekennt er die ungarische Anziehungskraft in der "Zigeunermusik" (alla zingarese).

Dies ist zugleich eine anerkennend-einfühlende Interpretation der Komponisten-Intention. Zudem ist es ein musikalischer Genuss aus der Region, aber mit einer Wirkung für mehr als lokale Einengung. Somit leistet "Con Brio" einen wertvollen Beitrag zu den Reger-Tagen. Das belegt mit dem Rückenwind böhmischer Musikalität erneut die "Weitstrahligkeit" der ausgewählten Oberpfälzer Komponisten. Das Programm hat dem Motto gemäß der Region "klassischen" Glanz verliehen. Der anhaltende Beifall des Publikums bestätigt das verdientermaßen. "Con Brio" bedankt sich mit der kurzen, nachwirkenden a-Moll-Romanze von Max Reger als Zugabe.

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