06.09.2018 - 18:26 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

20. Geburtstag: Wie Google unser Leben veränderte

Am 7. September vor 20 Jahren begann die Revolution: Google startete seine Suchmaschine. Drei Persönlichkeiten aus der Oberpfalz erzählen, wie das ihr Leben verändert hat - oder auch nicht.

von Julian Trager Kontakt Profil

Die Telefonnummer des Kollegen in Amberg? Google weiß sie. Der Weg dorthin? Google sagt ihn dir. Und wie sieht der Kollege nochmal aus? Google zeigt ihn dir. Dank dem US-Konzern ist nun (fast) alles im Internet verfügbar. "Google hat mein Leben, beruflich wie privat, revolutioniert", sagt Knut Thielsen, Schulleiter am Gymnasium Eschenbach.

Früher, vor Google, legte der 64-Jährige sorgfältig Adressbücher an, später Excel-Tabellen. "Die Daten änderten sich aber schneller, als mir lieb war." Mit Google hat sich das erledigt. "Telefonnumern, Adressen oder Namen googel ich nur noch", sagt Thielsen. Gehe viel schneller und sei ohnehin aktueller. "Das läuft so gut, dass ich gar keine Lust habe, Lesezeichen im Netz zu setzen." Ein paar Tastendrücke, schon hat man sein Ergebnis. Das Vertrauen in Google hat aber Grenzen. In der Unterrichtsvorbereitung spielt die Suchmaschine eine weniger große Rolle, sagt Thielsen. "Da bin ich eher kritisch. Da weiß ich genau, wo ich hinwill, da gehe ich direkt auf bestimmte Webseiten." Google habe ja die Tendez, anzeigenfinanzierte Seiten am prominentesten zu platzieren.

"Das Google-Zeitalter hat zu einer Internetgläubigkeit geführt, vor allem bei jüngeren Leuten", sagt Kulturwissenschaftler Professor Gunther Hirschfelder von der Universität Regensburg. Google sei die erste Informationswahl: "Vorher gab es eine Hierarchie. Man ist zum Arzt gegangen, wenn einem was fehlte. Der hat einem dann etwas empfohlen. Heute wird gegoogelt." Das ist bedenklich, findet Hirschfelder. Google sei zwar die Eintrittskarte zu unglaublich viel Wissen, biete aber keine Lösungen. "Das führt bei vielen Menschen zu Informationsirritationen."

Thielsen macht's wie Trump

Die Suchmaschine hat bei Rektor Thielsen auch schon für Irritationen gesorgt. "Ähnlich wie Trump habe ich mich selbst gegoogelt", sagt der Beamte. Er habe ältere und "schreckliche" Bilder von sich gefunden. "Leute, die mich googeln, fragen manchmal: 'Was treibst du denn?'" Thielsen lacht, alles halb so wild. Er sieht - trotz Problemen beim Datenschutz - vor allem die Vorteile von Google, auch privat nutzt er die Angebote gern. Etwa, um ein Restaurant in einer fremden Stadt zu suchen. "Die Bewertungen fließen natürlich in die Entscheidung mit ein." Hat ein Lokal auf Google zwei Sterne, wird er es nicht von innen sehen.

Recht umgekrempelt hat die Suchmaschine das Leben von Etzenrichts Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler nicht. "Beim mit den Menschen umgehen spielt es keine Rolle", sagt der evangelische Seelsorger. "Aber in der Verwaltungsarbeit ist ohne Google fast nichts mehr möglich." Früher habe er dicke Bücher gebraucht, heute genügen ein paar Klicks. Früher hat alles länger gedauert, man musste viel telefonieren. "Das Leben war aber entschleunigter", sagt der 62-Jährige. Es sei normal gewesen, dass man zwei Wochen auf eine Antwort gewartet hat. "Google macht das Leben hektischer, es hat aber auch vieles erleichtert." Das Reisen zum Beispiel. "Ich googel die Hotels, auf den Reisen benutze ich dann Google-Maps, vorher schaue ich mir die Straßen und Häuser auf Google-Earth an."

Neues Reiseverhalten

Für Kulturwissenschaftler Hirschfelder hat Google ein neues Reiseverhalten geschaffen. "Der Fokus liegt auf wenigen Orten, die im Netz stark diskutiert werden." Die Leute bewegten sich nur noch auf ähnlichen Routen, die über Google erschlossen sind. In seinem letzten Urlaub, im arktischen Russland, habe Hirschfelder dort trotz "toller Kultur, Natur und Infrastruktur" nur einen Touristen getroffen, einen brasilianischen Weltreisenden. "Das ist das Ergebnis des Google-Zeitalters."

Bei Udo Fechtner spielt Google keine wirklich große Rolle. "Das hilft bei der schnellen Informationsbeschaffung", sagt der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Amberg. Aber es sei besser, mit den Leuten zu reden, um zu wissen, was sie wirklich denken. Auch privat ist Google bei ihm nicht groß gefragt. "Wenn wir ein Restaurant sehen und denken, da schaut's schön aus, gehen wir da rein" - egal, was Google darüber ausspuckt. Fechtner sieht die Macht des Konzerns kritisch: "Man ist durch Google manipulierbarer geworden." Sein Leben habe sich durch Google gar nicht so groß verändert, vielmehr durch das Smartphone. Wobei: Der 53-Jährige nutzt ein Samsung-Gerät - mit Android-Betriebssystem. Und das gehört, na klar, zu Google. Fechtner lacht und sagt: "Man denkt gar nicht dran, was da alles dazugehört."

Hintergrund:

Was macht Google besser als andere?

"Die Kunst einer guten Suchmaschine besteht darin, die umfangreichen Suchergebnisse in einer dem Benutzerwillen möglichst nahe kommenden Reihenfolge zu präsentieren", erklärt Professor Ulrich Schäfer, der an der OTH in Amberg Medieninformatik lehrt. Sehr gut könne das der Page-Rank-Algorithmus der Google-Gründer Sergei Brin und Larry Page, der noch immer den Kern der Suchmaschine darstellt. Der Algorithmus verwende zusätzlich zum klassischen Ansatz die durch das World-Wide-Web verfügbare Link-Information. (jut)

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