30.07.2018 - 17:57 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

2018 noch kein Rekord-Sommer

Ist der Sommer 2018 eine Mogelpackung? Es ist nicht seriös, die Bilanz einer Jahreszeit schon einen Monat vor ihrem Ende aufzustellen. Denn der Sommer 2018 endet erst am 1. September. Es fehlen noch Daten, um sich ein Urteil zu erlauben.

Maispflanzen leiden unter der Dürre.
von Andy NeumaierProfil

Dennoch zeigt schon jetzt ein Blick auf Juni und Juli, dass wir mit diesem Sommer bisher noch keine Rekorde in irgendeiner Richtung gebrochen haben. Nach wie vor ist der Sommer 2003 als "Vorzeigerekord" in aller Munde, der in seiner Gesamtheit zurecht unvergessen bleiben darf. Die eigentliche Höhepunkte in Amberg und Weiden lieferte das Jahr 1983 mit 39,5 Grad und 38,0 Grad am 27. Juli. Das waren die bislang höchsten Temperaturen, die an den beiden Stationen je gemessen wurden. 2003 konnte um Zehntel nicht mithalten.

Von solchen Werten sind wir derzeit noch entfernt, auch wenn in dieser Woche durchaus 36 und 37 Grad möglich scheinen. Auch die mittleren Temperaturen der beiden Monate Juni und Juli liegen in diesem Jahr 1 bis 2 Grad unter den Allzeitrekorden, was vor allem den noch relativ kühlen Nächten geschuldet sein dürfte.

Die vielseits zitierte Trockenheit muss man relativ betrachten. Immerhin erreichte Weiden im Juni 92 Prozent des monatlichen Durchschnittsolls, im Juli nur noch 43. An manchen Stellen brachten häufige Gewitter sogar mehr Nass als gewöhnlich. Andere Flecken vertrockneten bislang regelrecht - sie haben seit Sommerbeginn, nach einem ohnehin schon trockenen Frühjahr, gerade mal 20 Liter pro Quadratmeter oder etwas mehr abbekommen. Die unterschiedliche Verteilung von Gewittergüssen, aber fehlender Landregen in der Fläche löst hier große Ungerechtigkeiten aus. Einige konnten die Keller kaum von Wasser befreien, andere bekamen über Wochen keinen Regen zu Gesicht. Hier ist es schwierig, eine wirkliche Bilanz zu finden, die allem gerecht wird. Generell gilt: Es gab auch schon trockenere Sommer. 1983 fielen in Amberg im Juli gerade einmal 3,8 Liter Regen pro Quadratmeter. Selbst die Sonnenscheindauer, die uns aufgrund des bereits sonnigen Frühjahrs manchmal schier endlos erscheint, war schon höher.

Unter dem Strich: Ja, es ist ein heißer, sonniger und trockener Sommer, der sich aber im Vergleich zu anderen noch relativ weit hinten anstellen muss. Das Rad kann sich noch so schnell in die eine oder andere Richtung drehen, weshalb man diese Bilanz als Zwischenzeugnis sehen muss. Der August kann noch eine harte Kehrtwende bringen, und zwar in beide Richtungen.

Langfristige Modellversuche behaupten, dass die Temperaturen erst im Laufe des Septembers wieder in Richtung Normalmaß zurückgehen, aber langfristige Prognosen sind in der Regel kaum bedeutungsschwangerer als ein Würfelspiel - das haben übrigens Sommerprognosen gezeigt, die noch im Frühjahr proletenhaft auf "wechselhaft und kühl" getippt hatten.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp