25.04.2021 - 18:12 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Benzin, Obst, Fleisch und Co. werden teurer: Kommt die Inflation?

Die Preise für Sprit, Obst, Fleisch oder Tabak sind zuletzt teilweise recht deutlich gestiegen. Welche Rolle spielt dabei die Corona-Pandemie? Und muss man Angst vor einer Inflation haben? Finanzexperten aus der Region klären auf.

Geld spielt aktuell keine Rolle, es ist genug für alle da, so scheint es in der Coronakrise. Doch was ist das Geld bald noch wert? Die Inflation zieht an.
von Julian Trager Kontakt Profil

Jeder, der Auto fährt oder im Supermarkt einkauft, dürfte es mitbekommen haben: Fast alles ist zuletzt teurer geworden, zum Teil erheblich teurer. Benzin und Diesel kosten im Schnitt 30 Cent mehr als Ende des vergangenen Jahres. Auch die Preise fürs Heizöl, für Obst, Fleisch oder Tabak sind in den vergangenen Monaten teilweise stark gestiegen. Hinzu kommt, dass Regierungen weltweit Hunderte Milliarden Euro in Konjunkturpakete stecken, die USA kürzlich sogar fast zwei Billionen Dollar. Plötzlich gibt es Geld für alle, so scheint es. Das wirft allerdings eine entscheidende Frage auf: Was ist das Geld dann noch Wert? Fragen und Antworten auf eine für viele Experten besorgniserregende Entwicklung.

Kommt die Inflation?

„Wir haben eine Inflation“, sagt Wolfgang Meier, Vermögensverwalter und Finanzberater aus Amberg. Mann müsse ja nur auf die steigenden Mieten oder Immobilienpreise schauen. Die Preise insgesamt werden vermutlich auch noch weiter wachsen, davon gehen die allermeisten Experten aus. "Wir werden in diesem Jahr, so alle Prognosen, eine höhere Inflationsrate sehen. Zum Jahresende kann in der Spitze auch die Drei-Prozent-Marke erreicht werden", erklärt Bernhard Wolf, Vorstandssprecher der Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz. Die EZB wolle offensichtlich ihre expansive Geldpolitik, unabhängig vom aktuellen Anziehen der Inflationsrate, fortsetzen. "Die spannende Frage ist, ob sie damit längerfristig Aufwärtstendenzen des Kapitalmarktes bremsen beziehungsweise aufhalten kann". Eine gewisse Inflation sei politisch ohnehin gewollt, „um die enorme Staatsverschuldung, die durch Corona größer wurde, zu beherrschen“. Deswegen würden die Zinsen weiter so niedrig bleiben.

Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie?

„Die Pandemie hat definitiv einen Einfluss auf die Inflation“, sagt Meier. Nach dem Corona-Tief holen die Preise nun auf. „Vor allem wegen der enormen Nachfrage aus den schnellen Impf-Nationen, hier China und USA, sehen wir die Rohstoff- und Lebensmittelpreise weiter steigen.“ Die Frachtraten für einen Container von Europa nach China hätten sich von Anfang 2020 bis Anfang dieses Jahres mehr als verfünffacht, so Meier. „Dies hat bereits heute direkte Auswirkungen auf die Preise von allen möglichen Konsumgütern.“ Mit steigender Impfquote und einhergehenden Lockerungen würde in Europa dann ebenfalls die Nachfrage steigen – was die Preise weiter wachsen lasse. „Insofern erwarten wir, dass die Inflation durchaus noch länger anziehen sollte.“

Muss man Angst haben?

„Stand jetzt ist der Aufstieg der Inflationsraten ein zeitlich begrenztes Phänomen und sollte im Lauf des Jahres wieder abflauen“, erklärt der Parksteiner Fondsmanager Matthias Herold. „Wir glauben, dass die Inflation 2022 wieder zurück geht“, sagt Bernhard Wolf von der VR-Bank Nordoberpfalz, obwohl für die nächsten Jahre noch vieles unklar sei. „Aber aktuell gibt es keinen Grund, hyperinflationäre Ängste zu schüren“, meint Wolf. Die Angst vor einer unkontrollierten Entwicklung sei unbegründet. „Man muss sich keine Sorgen machen“, findet Vermögensverwalter Meier. „Die Inflation steigt nun mal, wenn sich große Wachstumsmöglichkeiten ergeben.“

Wie haben die Finanzmärkte reagiert?

Die Zinsen bei langlaufenden Anleihen seien bereits angezogen, berichtet Fondsmanager Herold, der bei der Robert Beer Investment GmbH in Parkstein arbeitet. „So rentiert die zehnjährige US-Staatsanleihe wieder über 1,5 Prozent pro Jahr.“ Kurz vor der US-Wahl habe diese Rendite noch bei 0,75 Prozent gelegen. Die Entwicklung werde in Ansätzen auch in Europa wahrgenommen. „Urplötzlich sehen die Finanzmärkte Inflationsrisiken“, meint Herold. Die EZB habe bereits angekündigt, das Tempo der Anleihenkäufe zu erhöhen, um dem Renditeanstieg entgegen zu wirken. „Jahrelang herbeigesehnt, doch jeder weiß, ein Spiel mit dem Feuer.“

Was bedeutet das alles für Sparer?

Es komme natürlich immer auf die einzelne Situation der Menschen an, erklärt Wolf. Aber Fakt sei: Sparbuch und Girokonto, auch bei nur geringer Inflation, seien realer Geldverlust. „Wer Geld über das für die Liquiditätsreserve notwendige hinaus liegen lässt, dem frisst auch eine vergleichsweise niedrige Inflation von zwei bis drei Prozent mit der Zeit die Vermögenswerte auf“ , sagt der VR-Vorstandsprecher. Man müsse investieren, die Altersvorsorge bleibe wichtig, gerade für jüngere Leute.

Was bedeutet es für Anleger?

„Wenn man sich die letzten gut 120 Jahre anschaut, war es immer gute, in Realwerte investiert zu sein, um sich gegen eine hohe Inflation abzusichern“, sagt Wolfgang Meier, der in Amberg die Finanzdienstleistungsfirma Meier & Cie. GmbH führt. Dazu zählen Immobilien, Grund und Boden, Edelmetalle und auch Aktien. "Pauschale Aussagen werden der unterschiedlichen Lebenssituation unserer Kunden und Mitglieder nicht gerecht", findet Bernhard Wolf. "Elementar ist eine Streuung der Anlagen. Sachwerte haben eine Schutzfunktion. Aus diesem Gesichtspunkt ist für vermögendere Kunden ein Investment in Edelmetalle in Höhe von 10 bis 20 Prozent ihrer Gelder eine Alternative."

Welche möglichen Folgen gibt es?

"Mit den auch politisch gewollt niedrigen Zinsen hatten sich die europäischen Staaten Zeit gekauft, um dringend notwendige Reformen anzugehen", erklärt Wolf. Trotz der guten wirtschaftlichen Entwicklung und enorm hohen Steuereinnahmen hätten sie es aber zum Großteil nicht geschafft, Schulden abzubauen oder etwa in Klima, Bildung und Digitalisierung zu investieren. "Das ist eine höchst bedenkliche Entwicklung", meint der Vorstandssprecher. Die Covid Pandemie habe die Situation verschärft. "Die Staaten werden alles tun, um die Zinsen für sich auf niedrigsten Niveau zu halten." Damit würden aber auch "Übertreibungen der Preisentwicklung an den Immobilien- und Aktienmärkten provoziert". Die Folge sei, dass Menschen, die über bescheidenere finanzielle Mittel verfügten, über klassische Sparformen und Versicherungen nur noch eine geringe Rendite erwirtschaften könnten. Andererseits haben sie viel geringere Möglichkeiten, an der Preisentwicklung für Sachwerte zu profitieren. Nicht jeder könne sich einfach so eine Immobilie leisten. "Dabei war es gerade für junge Menschen noch nie so wichtig, wie jetzt für das Alter vorzusorgen", meint Wolf. „Das ist eine ganz große soziale Ungerechtigkeit. Eine politisch gewollte und gesteuerte Nullzinspolitik unterstützt ein weiteres Auseinanderdriften der Schere zwischen arm und reich".

Bauland und Häuser in der Oberpfalz werden immer teurer

Oberpfalz
Hintergrund:

Aktuelle Inflationszahlen

  • Drewry World Container Index: seit knapp einem Jahr um 231,29 Prozent gestiegen (11. März 2020: 1483 US-Dollar; 22. April 2021: 4913 US-Dollar)
  • Kupfer je Tonne: um 80,69 Prozent gestiegen (11. März 2020: 5244 US-Dollar; 22. April 2021: 9475,5 US-Dollar)
  • Zinn je Tonne: um 74,93 Prozent gestiegen (11. März 2020: 16.235 US-Dollar; 22. April 2021: 28.400 US-Dollar)
  • Brent Crude (Öl): um 55,58 Prozent gestiegen (11. März 2020: 42,1 US-Dollar; 22. April 2021: 65,5 US-Dollar)
  • Gold: um 13,19 Prozent gestiegen (11. März 2020: 1577 US-Dollar; 22. April: 1785 US-Dollar)
  • 10-jährige Rendite Treasury US: um 97,47 Prozent gestiegen (11. März 2020: 0,79 US-Dollar; 22. April 2021: 1,56 US-Dollar)

Quelle: godemodetrader.de

 

 

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