Oberpfalz
10.10.2024 - 10:27 Uhr

Frisch gepresst: Musiktipps von Hubert Schober

Der alte Catweazle, Ian Anderson lässt`s krachen, ein schweres Duo, verzückt mit vintage Liedern und es gibt ein letztes Widerhören mit Tony Allen.

Ob Plattenteller, CD-Player oder Spotify-Playlist: Wir haben neue Musik für euch. Bild: Schober, Hubert
Ob Plattenteller, CD-Player oder Spotify-Playlist: Wir haben neue Musik für euch.

Ian Anderson – 8314 Boxed (Madfish)

Ian Anderson – 8314 Boxed (Madfish) Bild: Madfish
Ian Anderson – 8314 Boxed (Madfish)

Ein Freudenfest für Anderson-Fans steht ins Haus, vor allem wenn es sich noch um Vinyl-Liebhaber handelt. 10 Platten umfasst diese Werkschau die unterschiedliche Klanglandschaften und Instrumentalbesetzungen erforscht, wobei jedes Album in dieser Box ein Zeugnis seiner Vielseitigkeit ist. Von den elektronischen Experimenten auf „Walk Into Light“ von 1983 über die tiefgründigen Erzählungen von „Homo Erraticus“ von 2014 bis hin zur akustischen Gelassenheit von „The Secret Language Of Birds“ spiegeln diese Alben Andersons unendliche Kreativität und seine Fähigkeit wider, verschiedene Musikstile nahtlos zu einem zusammenhängenden, fesselnden Werk zu verbinden. Im Einzelnen gibt es die exklusive Vinyl-Erstveröffentlichungen von „Divinities: Twelve Dances with God“, „The Secret Language of Birds“ (2LP) und „Rupi's Dance“ (2LP). „Walk Into Light“, „Divinities: Twelve Dances with God“ und „Homo Erraticus“ wurden von den Air Studios mit halber Geschwindigkeit neu gemastert, die „Roaming in the Gloaming“ LP bietet bisher unveröffentlichte Live-Aufnahmen von 1995-2007 und dann gibt es natürlich noch das unvermeidliche, 100-seitige Buch zur Box.

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Yannis & The Yaw – Lagos Paris London (PIAS)

Yannis & The Yaw – Lagos Paris London (PIAS) Bild: PIAS
Yannis & The Yaw – Lagos Paris London (PIAS)

Man wäre wohl nicht zwingend darauf gekommen, dass Yannis Philippakis von den Foals mal ein Mini-Album mit dem legendären Schlagzeuger Tony Allen aufnehmen würde. Ist aber passiert und leider wird es auch die einzige Zusammenarbeit bleiben, denn 2020 verstarb der legendäre Drum-Derwisch. Das Album wurde an eben den drei Orten eingespielt, mit dabei waren u.a. noch Vincent Taeger (Schlagzeug), Vincent Turrell (Tasten, Marimba) und Ludovic Bruni (Bass, Gitarre) die zusammen mit den beiden Hauptprotagonisten ein leider viel zu kurzes, quirliges, das Leben in den drei Großstädten widerspiegelndes, Album zwischen Indie-Rock, World Music, Jazz, Funk und Dub eingespielt haben.

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Bonsai Kitten – Let It Burn (Cargo)

Bonsai Kitten – Let It Burn (Cargo) Bild: Cargo
Bonsai Kitten – Let It Burn (Cargo)

Die gute Doro Pesch ist ja schon ein wenig in die Jahre gekommen, bald wird sie Tiger Lilly Marleen vom deutschen Hard-Rock-Thron stürzen (wenn es nicht schon geschehen ist). Die Rock-Röhre hat ihre Kapelle mit Metal-Schlagzeuger Marc „Reign“ Reinke (ex-Destruction) und Bluesrock-Gitarrist André „Wally“ Wahlhäuser neu aufgestellt. Zusammen mit Marcus „Spoxx“ Schütze am 3-Saiter-Bass haben sie ihren frühen Punk-A-Billy und Punk-Rock Richtung Metal und härtestem Blues-Rock entwickelt. Das geht ab wie ein Elektro-Sportwagen, Gefangene werden hier wahrlich nicht gemacht.

High Energy-Rock`n`Roll.

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Nala Sinephro – Endlessness (Warp)

Nala Sinephro – Endlessness (Warp) Bild: Warp
Nala Sinephro – Endlessness (Warp)

Wie nennt man ein Zusammentreffen von diversen Keyboards und Synthesizern mit Streichern, Perkussion und Bläsern, die alle frei zu improvisieren scheinen, wo aber immer wieder feste Strukturen aufblitzen und es voller Dynamik, Ebbe und Flut gleich, zur Sache geht? Ambient-Jazz? „Endlessness“ ist ein tiefes Eintauchen in den Kreislauf der Existenz. Das Album umfasst zehn Tracks mit einem durchgehenden Arpeggio, das eine ausgedehnte, hypnotisierende Feier der Lebenszyklen und der Wiedergeburt darstellt. Nach Sinephros von der Kritik gefeiertem Debütalbum „Space 1.8“ aus dem Jahr 2021 erhebt „Endlessness“ sie noch mehr zu einer transzendenten und multidimensionalen Komponistin, die Jazz, Orchester und elektronische Musik auf wunderbare Weise miteinander verschmelzen lässt. Das Album wurde von Sinephro komponiert, produziert, arrangiert und bearbeitet. Auf dem Album sind Sheila Maurice-Grey, Morgan Simpson, James Mollison, Lyle Barton, Nubya Garcia, Natcyet Wakili und Dwayne Kilvington zu hören, die von den 21 Streichern von Orchestrate begleitet werden.

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The Heavy Heavy - One Of A Kind (PIAS)

The Heavy Heavy - One Of A Kind (PIAS) Bild: PIAS
The Heavy Heavy - One Of A Kind (PIAS)

Und wieder mal ein Pärchen… Georgie Fuller und William Turner bilden die Combo aus Brighton und die klingen nicht nur vom warmen, analogen Sound her verdammt vintage. Man denkt vor allem an die Bands aus den späten 60ern von der West Coast, an die Mamas & Papas, an etwas drogenfreiere Jefferson Airplane, halt an diese ganzen Laurel Canyon Sippschaft mit dem „Love, Peace & Happiness“ Aufkleber auf der Wanderklampfe. Aber ein wenig denkt man dann doch auch an ein paar UK-Vertreter aus dieser Zeit, die früheren Stones und auch die Post-Peter-Green-Fleetwood Mac vor der totalen Kommerzialisierung wollen hier genannt werden. Es hat viel zweistimmige Gesänge, es hat den mit der Slide gespielten Blues, aber auch den psychedelischen angehauchten Folk. Es hat bodenständigen Rock`n`Roll und es hat auch mal den eher angedeuteten Country-Song („Wild Emotion“). Und vor allem hat dieses Longplayer-Debüt jede Menge hervorragender, süchtig machender Melodien mit coolen Gitarren-Licks und Bassläufen wie auf „Feel“. Gratulation!

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Scott & Lila – Scott & Lila (Independent)

Scott & Lila – Scott & Lila (Independent) Bild: Independent
Scott & Lila – Scott & Lila (Independent)

Lange nicht mehr gehabt: ein ganz einfaches „Ich-Hab-Dich Lieb-Album“, ein Album, das man vom ersten Ton an in sein Herz schließt ohne genau zu wissen warum. Den Flowerpornoes gelang so ein seltener Geniestreich mal in den ausgehenden 80ern, dem in Berlin ansässigen Duo, Scott Hildebrand aus Chicago und Lila Despoix aus Paris gelingt jetzt ein ähnlicher Geniestreich. Die Beiden sind einfach charmant und so ehrlich und herzerfrischend einfach in ihrem Storytelling. Die Melodien, geschenkter Schrammelspaß par excellence mit hohem Schmeichel-Faktor und der Natürlichkeit von Mineralwasser. Geschrieben wurde dieser bunte, intime, minimalistisach-feine Indie-Folk-Pop-Reigen auf Ihren Reisen durch Sri Lanka, Südkorea und den USA. Kann so weitergehen.

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