11.10.2018 - 16:16 Uhr
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Herbstzeit ist Staudenzeit

Partygärtner haben Pause. Die Grillzange weicht dem Spaten und mit Gummistiefeln geht es ab ins Beet. Denn Herbst ist die beste Zeit für das Teilen und Pflanzen von Stauden. Gertraud Portner hat „Staudenzauberer“ Christian Kreß getroffen.

von Gertraud PortnerProfil

Wer Farbe und Dynamik schätzt, der pflanzt Stauden. Und das Beste dabei: Für fast jeden Standort gibt es attraktive pflegeleichte Kombinationen: Für Sonne und Schatten, für verschiedene Bodenverhältnisse und für jeden Typ Hobbygärtner – egal ob naturnah oder Perfektionist. „Nicht kopieren, sondern experimentieren“, appelliert Christian Kreß. Denn ein Staudengarten sei ständig von einer Veränderung betroffen und das mache es spannend.

„Kaufen Sie vegetativ vermehrte Stauden“, appelliert der selbstständige Züchter (Sarastro-Stauden) aus dem österreichischen Innviertel. Für den Laien übersetzt: Pflanzenteile wie Blätter, Wurzeln oder Triebe wurden zum Vermehren genutzt. Das hat gegenüber der Aussaat Vorteile, denn neue Stauden aus Stecklingen oder Schnittlingen sind exakte Kopien der Mutterpflanze. Zudem haben sie oft einen kleinen Wachstumsvorsprung gegenüber ausgesäten Pflanzen.

Christian Kreß ist viel unterwegs. Er hält Vorträge – wie beim Bayerischen Landesverband für Gartenpflege in München zum Thema „Blütendiversität: Artenvielfalt mit Stauden und Wildblumen“. Er besucht seine Staudenlieblinge an ihren Natur-Standorten oder er reist nach Russland, um seine Sammlung von rund 400 verschiedenen Phlox zu ergänzen. Eine Leidenschaft hegt er auch für Funkien, die mit ihrem Blattschmuck selbst im Schatten statische Fixpunkte setzen. Apropos Standort. Dieser entscheidet darüber, wie gut die Pflanze gedeiht. Im Halbschatten am Gehölzrand stören oft Wurzeln. Vor allem der Platz bei den Flachwurzlern Ahorn und Birke ist schwierig zu begrünen. Einfacher geht es bei der Eiche (Tiefwurzler), wo sich Astilben, Gräser und Funkien wohlfühlen.

Der Lebensbereich „Beet“ ist der ideale Standort für eine Vielzahl herrlicher Stauden. Es gibt viele durch Zucht verbesserte Sorten (wie Astern, Edel-Pfingstrose, Flammenblume.) Beetstauden benötigen einen humosen, nährstoffreichen und tiefgründigen Boden. Auch für trockene und feuchte Standorte lassen sich geeignete Stauden finden. Auf feuchten Freiflächen wachsen beispielsweise Wiesenstorchschnabel und Iris gut. Und für vollsonnige Plätze gibt es Pflanzen, die Trockenheit lieben und ertragen. Diese Arten sind oft silbergrau, besitzen fleischige oder haarfeine Blätter und können gut mit Kies oder Felsbrocken. „Der Gesteinsgarten ist die Krone der Staudengärtnerei“, betont Kreß. Sein Tipp: Bei einer Gesteinsart bleiben, dann wirkt es nicht so unruhig. Für Stauden im Allgemeinen aber gilt: „Nicht verwöhnen, und nur bei extremer Trockenheit gießen.“ Wer es pflegeleicht haben möchte, der sollte ein gutes Unkrautmanagement betreiben. „Das ist das Wichtigste im Staudengarten.“ Der Profi appelliert zum Frühjahrsputz (alle Unkräuter im Vorfrühling entfernen) und rät zum Wurzelstecher, da dieser dafür besser als die Harke geeignet ist. Danach die Beete in Ruhe lassen.

„Die Herbstpflanzung ist ideal“, rät der Experte. Allerdings sollten die Stauden hier etwas tiefer als im Frühjahr gesetzt werden. Die Pflanzen im Topf wässern, beim Austopfen die oberste Bodenschicht entfernen (können Unkräuter enthalten sein) und den Wurzelballen etwas aufreißen. Jetzt geht es an das Experimentieren für die Blütenorgie: „Die Farbkombination ist das A und O“ und auch die Frage „Was blüht wann“. Ebenfalls zu beachten: Die Kombination von Kerzen-, Kuchen- und Tellerform der Blütenstände. Abschließend sanft und durchdringend angießen. Kalkgaben und Kompost sind wichtig für die blühenden Lieblinge, die bis zu 20 Jahre alt werden können. Eine Abdeckung mit Rindenmulch (etwa vier Zentimeter) hilft über die Zeit hinweg, bis die Stauden eingewachsen sind. Die Rinde muss gut abgelagert sein und darf nicht nach Harz riechen.

Drängler im Staudenbeet kann man mit dem Zerteilen der Horste besänftigen. Beim Frauenmantel funktioniert dies im Herbst sehr gut: Mit einem Spaten rundherum und dann tief unter die Staude stechen, herausheben und in zwei Hälften teilen. Danach weitere Teilstücke abtrennen (mindestens faustgroß). Die „Jungpflanzen“ können im Abstand von 30 bis 40 Zentimeter einen neuen Platz bekommen. Gräser dagegen sollten im Frühjahr (Mitte April) verpflanzt und dabei nicht zu tief gesetzt werden. Das Lieblingsgras von Kreß ist das Molinia arundinacea Transparent (hohes Pfeifengras) mit seinen lockeren, sehr langen, grazilen Wedel.

Tipps vom Profi:

Staudengärtner Christian Kreß fand seine Inspiration in England und Frankreich, wo ihn das Ambiente und die Harmonie der Gärten faszinierte. Mittlerweile ist er seit 22 Jahren selbstständig und als Züchter und Buchautor erfolgreich. „Blackbox-Gardening“ wurde mit dem 1. Platz beim Deutschen Gartenbuchpreis 2015 in der Kategorie „Bester Ratgeber“ ausgezeichnet. „Meine Welt der Stauden“ ist im September 2017 im Ulmer-Verlag (ISBN 978-3-8001-0834-3) erschienen.

Seine Tipps: Gärtnern und Geduld fängt beides mit „G“ an. Es gibt jedes Jahr rund 100 neue Sorten Funkien. Die können Sie sammeln wie Briefmarken. Stauden erst im Frühjahr (Ende Februar) bodennah abschneiden. Der Phlox ist ein Fresser und Säufer. Er kann so alt werden wie ein Landpfarrer, nur sollte man ihn öfter versetzen. Ein Tipp, damit er länger blüht: im Mai jeden zweiten Trieb ausbrechen. Stauden-Pfingstrosen schräg einpflanzen und mit nur sehr wenig Erde bedecken. Gegen Giersch hilft das Pflanzen von Balkan-Storchschnabel oder der Elfenblume Frohnleiten, denn die wachsen zu und machen alles platt. Die Bergminze ist die Staude, die am längsten blüht. Die Iris im August/September verpflanzen. Wurzeln und Blätter einkürzen und so setzen, dass der Fächer nach Süden schaut. Lavendel nach der Blüte (Mitte Juli) ins alte Holz schneiden.

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