The Courettes - The Soul Of The Fabulous Courettes (Cargo)
Das dänisch-brasilianische Duo ist jetzt nicht ein Klon der White Stripes, wenngleich Schlagzeuger Martin Couri und seine Partnerin, die Sängerin, Gitarristin und Multiinstrumentalistin Flavia Couri, in ähnlichen Gefilden wildern. Ihr Rock 'n' Roll platziert sich zwischen Garagenrock, Girlgroup-Pop, Doo-Wop-Harmonie und einem Schuss Soul, wobei man das Duo-Format zugunsten eines breiten Wall Of Sound mit vielen Gästen opfert. La La Brooks (The Crystals) steuert Backing Vocals bei "California" und "Run Run Runaway" (bei denen auch noch Brian-Wilson-Kollaborateur Darian Sahanaja den Gesang gemischt und mit einem Beach Boys-Vibe versehen hat) bei. Produzenten-Legende Richard Gottehrer hat "Keep Dancing" und "Boom Boom Boom" abgemischt, Peter Kehl und Kasper Wagner (beide Black Tornado) geben sich mit diversen Blasinstrumenten bei "Shake!", "Better Without You" und "Stop! Doing That" die Ehre. Außerdem ist der Multi-Instrumentalist Søren Christensen an Mellotron, Orgel, Klavier und Backing Vocals zu hören. So wird aus einem Duo ruckzuck ein kleines Orchester. Und „The Soul Of The Fabulous Courettes” klingt auch entsprechen opulent – und cool.
Amadou & Mariam - „La Vie Est Belle“ Best Of (Because Music)
Amadou Bagayoko und Mariam Doumbia lernten sich in den 70er Jahren am Bamako Institute for Young Blind People in Mali kennen und begeisterten in den 80er Jahren das Publikum in ganz Westafrika, bevor sie Anfang der 90er Jahre von Marc-Antoine Moreau entdeckt wurden, der später ihr Manager wurde und sie ermutigte, international aufzutreten. Die inzwischen fast fünfzig Jahre andauernde Karriere kann man jetzt auf dieser Doppel-CD/Vinyl mit ihren größten Hits seit 1998 sowie exklusiven neuen Titeln nachhören. Das besondere am Sound das Duos ist sicherlich, dass sich ihr Afro-Beat & -Soul weit hin zu anderen Einflüssen öffnet, was wiederum mit der langen Liste an Musikern zu tun hat, mit denen das Paar schon gearbeitet hat. Johnny Marr und Flea von den Red Hot Chili Peppers, David Gilmour, Fatoumata Diawara, Cheik Tidiane Seck, Tony Allen, Salif Keïta, Oumou Sangaré, Rachid Taha, Catherine Ringer, Paul McCartney, Roots Manuva, Fatboy Slim, Yeah Yeah Yeahs, The Kooks, die Scissors Sisters, Amp Fiddler oder Ebony Bones zählen hier dazu. Elektro-Pop, Art-Rock, Disco, Reggae und Hip-Hop-Soundscapes fließen so ganz organisch in diese Worldmusic mit ein.
George Brown - Where I`m Coming From
Wer kennt sie nicht, die überbordenden Gassenhauer, "Ladies Night", "Celebration" oder den "Jungle Boogie". Nun ist erst einmal Schluss denn der Kool & The Gang Mitbegründer verstarb im letzten Jahr nur 74-jährig an Krebs, dies ist sein posthum erscheinendes Vermächtnis.
"Where I`m Coming From” ist eine Mischung aus persönlichen Erzählungen und gesellschaftlichen Beobachtungen und zeigt Georges vielseitiges Talent als Songwriter und Musiker, und es entfernt sich doch deutlich von den Kompositionen der Mutterband. Ging es hier meist flott und euphorisch zu, hält Brown oft inne, ja klingt fast melancholisch und tief betrübt. Zudem färbt er seinen Soul mit lateinamerikanischen Farben, dem Jazz und ist auch Klavier-Balladen nicht abgeneigt. Unterm Strich ein sehr abwechslungsreiches und ehrliches Album ohne allzu viel künstlichen und aufgesetzten Glamour, dafür mit ausgesucht exquisiten Solo-Einlagen am Saxophon und der Gitarre.
Humanist - On The Edge Of A Lost And Lonely World (Bella Union)
Der Weggefährte des verstorbenen Mark Lanegan mit seinem zweiten Album. Es hat noch diesen etwas düsteren Gothic/Industrial-Mahlstrom, öffnet sich aber mehr und mehr Richtung gutem, altem Gitarren-Indie-Rock der 90er Jahre. Das neue Album erforscht und entwickelt Themen, über die Rob Marshall bereits auf seinem Debüt nachgedacht hat – existenzielle Fragen des Lebens, des Todes, des Sinns, der Hoffnung, des Leidens, der Erlösung. Große Emotionen werden hier ausgepackt, eine Symphonie in Moll mit Streichern und einem Saxophon gestrickt zu dem Begleiter wie Tim Smith (Midlake/Harp), Isobel Campbell, Ed Harcourt, James Allan (Glasvegas), Peter Hayes (Black Rebel Motorcycle Club) oder Carl Hancox Rux eingeladen wurden. Auf „Brother“ einer Ode an den verstorbenen Freund ist Dave Gahan von Depeche Mode am Gesang zu hören.
Mark Lanegan - Bubblegum XX (Beggars)
Wir haben es ja schon gelesen, Mark Lanegan ist leider viel zu früh verstorben. Es sieht so aus, als würde sein Nachlass allerdings würdig verwaltet werden. Zum 20-jährigen Jubiläum seines gefeierten Albums „Bubblegum“ erscheint jetzt „Bubblegum XX“ als remasterte Doppel-LP sowie als erweitertes 4-LP-Set mit 40 Tracks, von denen zwölf bislang unveröffentlicht sind. Die limitierte Bubblegum-XX-4-LP-Edition enthält ein 64-seitiges Buch mit Essays von Troy Van Leeuwen, Josh Homme, Chris Gross, Alain Johannes, David Catching, Greg Dulli, Duff McKagan und Brett Netson, sowie Studionotes und bislang unveröffentlichte Fotografien von Steve Gullick. Sie besteht aus der „Bubblegum“-Doppel-LP, dem damaligen Album-Vorboten „Here Comes That Weird Chill (Methamphetamine Blues, Extras & Oddities)“ samt drei neuer Bonus-Tracks und einer vierten LP. Auf dieser sind Demos und unveröffentlichte Songs zu hören, bestehend aus Outtakes der Bubblegum-Sessions (unter anderem mit Beck auf „Union Tombstone“) sowie Stücken, die Troy Van Leeuwen mit Lanegan in verschiedenen Hotelzimmern aufgenommen und bei denen dieser alle Instrumente eingespielt hat, während Mark den Gesang übernahm. Auf „Bubblegum XX“ sind zudem diverse Gastmusikerinnen und -musiker zu hören, darunter Mitglieder von Queens of the Stone Age, PJ Harvey, Greg Dulli sowie Izzy und Duff von Guns N‘ Roses beziehungsweise Velvet Revolver. Ein Fest, nicht nur für Aficionados.
Brigitte Calls Me Baby – The Future Is Our Way Out (PIAS)
Keine Ahnung, wer diese Brigitte ist oder was sonst hinter dem Namen dieser Combo aus Chicago steckt, vielleicht ist es ja die Mutter oder Freundin von Sänger Wes Leavins, denn der steht definitiv im Mittelpunkt des Geschehens. Er tremoliert und wirft sich in Schale wie einst Morrissey und an Dramatik kann ihm gerade noch Kevin Rowland das Wasser reichen. Am Ende gibt er uns gar noch den Elvis, wenn er Plattitüden wie „Life can't always be fine“ zu dezent gedimmten Dinner-Rock'n'Roll schmachtet. Diese Kapelle (und vor allem ihr Crooner) liebt die großen Gesten und zugegeben, sie beherrschen sie auch. Sicherlich will der Mann jedoch nicht in den Vororten („I Wanna Die In The Suburbs“, so ein weiterer Songtitel) sterben. Da muss es schon die große Bühne mit viel Glamour und großem Besteck sein. The Cure trifft auf The Smiths, The Strokes und Suede.







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