Oberpfalz
27.07.2023 - 14:52 Uhr
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Kein Sommer ohne Buch: Oberpfälzer präsentieren ihre Lieblingsbücher

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Zeit für Entspannung, Urlaub und ein gutes Buch. Oberpfälzer Buchliebhaber präsentieren ihre Lesetipps für die Sommerferien – von Krimi bis Urlaubsroman.

Maria Rupprecht mit ihren Lese-Empfehlungen Bild: Hans Schwägerl/exb
Maria Rupprecht mit ihren Lese-Empfehlungen

Maria Rupprecht, Buchhändlerin und Verlegerin aus Weiden

Für die Sommerferien empfiehlt Maria Rupprecht drei ganz unterschiedliche Bücher. Eine kritische Auseinandersetzung mit Social Media ist Thema des ersten Buchtipps "Die Kinder sind Könige" von Delphine de Vigan. Der Roman erzählt die Geschichte von Mélanie, einer Familienmutter und Youtuberin, die das Leben ihrer Kinder auf Social Media mit Tausenden Fans teilt. Die Mutter kann ohne diese Aufmerksamkeit im Netz nicht leben. Nicht einen Moment denkt sie, dass ihre Kinder dieses Leben nicht lieben würden. Doch dann verschwindet ihre Tochter bei einem Versteckspiel spurlos. Maria Rupprecht findet den Roman "vor allem sprachlich richtig stark" und bis zum Ende spannend. "Ich konnte das Buch keine Sekunde aus der Hand legen", sagt die Buchhändlerin.

"Für diesen Sommer" von Gisa Klönne ist ihr zweiter Buchtipp. "Ich glaube, Erwachsene so ab 40 finden sich in dieser Geschichte total wieder", erklärt Maria Rupprecht. Der Roman ist ein warmherzig geschriebenes Porträt zweier Generationen. Franziska soll für ihren mittlerweile alten und gebrechlichen Vater sorgen. Gerade sie, die sich vor Jahren mit ihrem Vater zerstritten hat und seither keinen Kontakt zu ihm hat. Besonders gut gefällt der Buchhändlerin, dass es in "Für diesen Sommer" um alltägliche Familienthemen geht. "Das Buch thematisiert natürliche Generationenkonflikte, viel Unausgesprochenes und unerfüllte Träume. Ich glaube viele Menschen kennen das."

"Ein wirklich gutes Buch macht aus, dass man die Welt danach mit anderen Augen sieht. Genau dieses Gefühl hatte ich hier", sagt Maria Rupprecht über ihre dritte Leseempfehlung. Der gesellschaftskritische Roman "Die spürst du nicht" von Daniel Glattauer, setzt sich mit der Doppelmoral der privilegierten Gesellschaft auseinander. Die Familien Binder und Strobl-Marinek gönnen sich einen exklusiven Urlaub in der Toskana. Tochter Sophie Luise, durfte gegen die Langeweile ihre Schulfreundin Aayana, ein Flüchtlingskind aus Somalia, mitnehmen. Doch dann kommt es zu einer Katastrophe, welche die Fragen aufwirft: "Wie viel ist ein Leben wert?" und "Sind alle Menschen gleich viel wert?" Das letzte Kapitel beschreibt die Verlegerin als das spannendste. "Das Ende hat damals wirklich einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen", erinnert sich Maria Rupprecht.

Agnes Gerstenberg, Autorin und Lektorin aus Regensburg

Lektorin und Autorin Agnes Gerstenberg mit Leseempfehlung "Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte". Bild: Gerstenberg
Lektorin und Autorin Agnes Gerstenberg mit Leseempfehlung "Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte".

"Da bekomme ich gleich selbst Lust, das Buch nochmal zu lesen", erzählt die Autorin über ihren ersten Buchtipp "Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte". Die empfohlene Kinderbucherzählung, geschrieben von Dita Zipfel, hat 2020 den deutschen Jugendliteraturpreis gewonnen und ist für Jugendliche ab zwölf Jahren geeignet. Nach oben sind laut Gerstenberg, die erst vor Kurzem ihren Debütroman "Unberührt" veröffentlichte, keine Grenzen gesetzt. "Das Buch überzeugt mit seiner witzigen und lockeren Sprache. Es ist auch sehr einfach geschrieben", sagt die Autorin weiter. Besonders gut gefallen ihr auch die Illustrationen. Das Buch handelt von der 13-jährigen Lucy, die Geld braucht, um von zu Hause wegzugehen. Als sie eine Stellenanzeige zum Gassigehen findet, landet sie bei Herrn Klinge. Der alte Herr sucht entgegen ihrer Erwartungen jemanden, der sein geheimes Kochbuch abtippt. Durch Herrn Klinge lernt Lucy die Welt neu kennen.

Die Familien- und Krankengeschichte "Was ich im Wasser sah" ist Gerstenbergs zweiter Buchtipp. Es geht um Klarissa, die – nachdem sie den Krebs besiegt hat – auf die Insel ihrer Jugend zu ihrer Familie zurückkehrt. Doch dort hat sich alles verändert. "Beim Lesen spürt man sofort, dass es um ein großes Geheimnis geht, dem man unbedingt auf die Schliche kommen will", sagt Agnes Gerstenberg. "Das Buch liest sich unheimlich spannend – zum einen, weil Klarissa, die Protagonistin, nach ihrer Krankheit erst im Laufe des Buches wieder zu Kräften kommt. Zum anderen, weil so viel Ungesagtes zwischen den Zeilen steht." Gerade im Urlaub kann das Abtauchen und Miträtseln laut Gerstenberg besonders guttun. Sie empfiehlt das Buch jedem, der sich für starke Charaktere und eigenartige Geschichten begeistert.

Wolfgang Burger, Krimiautor aus Regensburg

Der Autor Wolfgang Burger mit Hilde Artmeier. Bild: mcl
Der Autor Wolfgang Burger mit Hilde Artmeier.

Auch Wolfgang Burger hat einige Empfehlungen parat. Zusammen mit Hilde Artmeiner ist das Autoren-Duo für über 30 Krimis bekannt. "Es ist wohl keine Überraschung, dass es sich bei meinen Tipps um Krimis handelt", beginnt Burger zu erzählen. Er empfiehlt nicht nur ein Buch, sondern eine ganze Krimiserie. Das "Havanna-Quartett" des kubanischen Autors Leonardo Padura besteht aus vier Büchern. "Es geht oft ziemlich derb zu, und man bekommt herrliche Einblicke in das Leben im modernen Kuba", erzählt der Krimiautor weiter. Die Bücher seien wohl auch sehr gut geschrieben und übersetzt. Dass die "Figuren voller Empathie beschrieben" sind, gefällt Burger. "Also für Krimi-Fans, die Lust auf ein paar mehr Bücher haben, eine absolute Empfehlung", sagt er. Zielgruppe ist laut Burger "jeder über 25, der sich für fremde Kulturen und schräge Charaktere interessiert".

Gerda Stauner, Schriftstellerin und Autorin aus Regensburg

Gerda Stauner, Autorin aus Regensburg, empfiehlt "Die hellen Tage" und "Hinter den Sternen ganz nah". Bild: Stefanie Kisbauer
Gerda Stauner, Autorin aus Regensburg, empfiehlt "Die hellen Tage" und "Hinter den Sternen ganz nah".

"Beim Lesen dieses wundervollen Romans habe ich mich an unvergessliche Sommertage meiner eigenen Kindheit erinnert." Den Roman "Die hellen Tage" von Zsusza Bánk empfiehlt die Oberpfälzer Autorin Gerda Stauner allen erwachsenen Lesern, die in Erinnerungen an die eigene Kindheit schwelgen möchten. Die Freundschaft dreier Kinder steht im Mittelpunkt des Buches. Es sind jedoch die Mütter, die mit ihnen durch die Untiefen des Lebens gehen und den dreien beibringen, keine Angst vor dem Leben zu haben. Das Erwachsenwerden stellt die Freundschaft dann jedoch auf die Probe. Zsusza Bánk schafft es laut Stauner "die Leichtigkeit dieser besonderen, hellen Tage zu beschreiben, während man als Leser bereits das Drama hinter dieser heilen Welt ahnt".

"Eine Geschichte, die komplett als Chatverlauf geschrieben ist", das ist das Besondere an "Hinter den Sternen ganz nah", Gerda Stauners zweiter Buchempfehlung. Der Jugendroman von Petra Bartoli y Eckert, der aber erst Ende August erscheint, erzählt die Geschichte von Felicitas, die ihre große Schwester bei einem Autounfall verloren hat und versucht, ihren Verlust zu verarbeiten. Alles, was ihr hierbei bleibt, ist der gemeinsame Chat mit ihrer Schwester, den sie einseitig weiterführt. "Das Buch ist sehr warmherzig geschrieben. Thematisiert werden die großen Verluste im Leben eines jungen Menschen und wie das Leben dennoch weitergeht", sagt Stauner.

Eckhard Bodner, Buchhändler und Verleger aus Pressath

Buchhändler und Verleger Eckhard Bodner aus Pressath. Sein Buchtipp ist der Jugendroman "Als die Welt zerbrach". Archivbild: Bodner
Buchhändler und Verleger Eckhard Bodner aus Pressath. Sein Buchtipp ist der Jugendroman "Als die Welt zerbrach".

Der Jugendroman "Der Junge im gestreiften Pyjama" von John Boyne ist vielen Lesern bekannt. Buchhändler und Verleger Eckhard Bodner empfiehlt die Fortsetzung "Als die Welt zerbrach". "Man kann das Buch auch ohne Kenntnis des Vorgängerbandes lesen", sagt Bodner. Im Vergleich zu "Der Junge im gestreiften Pyjama", in dem es um den neunjährigen Bruno geht, der sich mit Schmuel, einem gleichaltrigen KZ-Insassen, anfreundet, dreht sich der Nachfolge-Roman um Brunos ältere Schwester Gretel. Gretel floh drei Jahre nach den tragischen Ereignissen zusammen mit ihrer Mutter nach Paris. Als über 90-jährige Dame in einem noblen Londoner Stadtteil reflektiert sie ihr Leben und stellt sich immer wieder die Frage nach der eigenen Verantwortung für die unfassbaren Verbrechen. Laut Bodner ist "Als die Welt zerbrach" ein Buch, dass "von der ersten Seite an fesselt". Die Bücher des Autors John Boyne beschreibt er als "schnörkellos, gradlinig und einfach lesenswert".

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