Mehrere Corona-Kennzahlen steigen an - Anzeichen nächste Welle?

Oberpfalz
22.09.2022 - 21:30 Uhr

Bis vor kurzem sanken viele Corona-Parameter in Deutschland von Woche zu Woche. Damit ist es vorbei - auch in der Oberpfalz. Steht die siebte Welle ins Haus?

Mehrere Kennzahlen deuten seit etwa zehn Tagen auf wieder zunehmendes Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland hin.

Von Wolfgang Würth und dpa

Mehrere Kennzahlen deuten seit etwa zehn Tagen auf wieder zunehmendes Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland hin. In Bayern und auch in der Oberpfalz zeichnet sich diese Trendumkehr bereits seit Mitte August ab. Zuletzt hat sich der Anstieg verfestigt. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz zum Beispiel stieg vergangene Woche um elf Prozent im Vergleich zur Woche zuvor, wie es im Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu Covid-19 vom Donnerstagabend hieß. Am stärksten war der Anstieg demnach in der Altersgruppe der 50- bis 84-Jährigen.

Innerhalb von nicht einmal vier Wochen war die Inzidenz in der Oberpfalz ab Ende Juli von einem Wert über 1000 auf 250 am 17. August gesunken. Seither steigt die Kennzahl wieder an. Am Freitag wies das RKI einen Wert von 383 bestätigten Coronainfektionen binnen sieben Tagen je 100 000 Einwohner aus. Am höchsten war der Wert dabei im Landkreis Neustadt/WN (475), am niedrigsten in Amberg-Sulzbach (308). In Bayern war der niedrigste Wert am 22. August erreicht (245). Bis zum Freitag war er wieder auf 352 gestiegen. Der Freistaat liegt damit wieder über dem deutschen Mittelwert von 295.

Der Report bezieht sich vor allem auf die vergangene Woche. Bereits in der vorigen Ausgabe hatte sich gezeigt, dass der langanhaltende Rückgang bei mehreren Virus-Parametern gestoppt ist.

Aussagekraft der Inzidenz sinkt

Grundlage der Inzidenzberechnung sind Labortestungen, die mittlerweile aber seltener als in vorherigen Phasen der Pandemie gemacht werden. Leichte Anstiege verzeichnet das RKI aber auch bei zusätzlich ermittelten Schätzwerten zu Covid-19 Erkrankten und zu Arztbesuchen aus diesem Grund. Zudem habe die Zahl gemeldeter Corona-Ausbrüche in medizinischen Einrichtungen und Pflegeheimen zugenommen.

Vor einigen Tagen hatte bereits der Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) in seiner Auswertung von PCR-Test-Zahlen von der Entwicklung einer Trendwende gesprochen. Testzahlen in Facharztlaboren seien erstmals seit Monaten wieder gestiegen. Nach den im RKI-Wochenbericht berücksichtigten Daten ist noch keine Wiederzunahme bei den schweren Covid-19-Fällen in Krankenhäusern und auf den Intensivstationen erkennbar. Auch auf den Intensivstationen in den Häusern der Oberpfalz hält sich die Belastung durch Corona-Patienten im Vergleich zu früheren Hochphasen immer noch in Grenzen.

Unverändert sorgt die Omikron-Sublinie BA.5 nach Stichproben-Daten für den allergrößten Teil der Fälle (rund 96 Prozent). Die Sublinie BA.2.75, die wegen vermehrter weltweiter Ausbreitung unter Beobachtung steht, ist laut RKI mittlerweile rund 80 Mal in Deutschland nachgewiesen worden. Mehr als die Hälfte dieser Nachweise stammt aus den aktuellsten Wochen der Variantenauswertung (29. August bis 11. September). Es wird aber nur ein sehr kleiner Teil aller positiven Proben dahingehend untersucht.

Wann endet die sechste Welle?

Ob es sich bereits um erste Anzeichen für den Beginn einer neuen Welle handelt, wird sich erst im Rückblick genauer sagen lassen. In einer weiteren RKI-Publikation vom Donnerstag werden für den bisherigen Pandemieverlauf in Deutschland sechs Wellen gezählt. Die sechste Welle begann laut der rückwirkenden Einstufung im Juni, ein Enddatum ist noch nicht definiert. Da wegen der Jahreszeit eine erneute Zunahme von Atemwegserkrankungen zu erwarten sei, könne die weitere Entwicklung aktuell noch nicht genau abgeschätzt werden.

In dem Papier wird auch betont, dass schwere Erkrankungen für die Gesamtbewertung stärker in den Vordergrund rückten, „während die bloße Zahl der Infektionen längst nicht mehr so wichtig ist wie zu Beginn der Pandemie“.

© dpa-infocom, dpa:220922-99-863140/7

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