08.11.2019 - 19:46 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Nette Leute, tolle Landschaft und günstiges Bier: Best of Zugroast

Nach 62 Folgen beenden wir unsere Serie "Zugroast", mit der die Oberpfälzer etwas über ihre eigene Heimat lernen konnten: dass die Region supertoll ist.

Wir beenden unsere Serie "Zugroast"-
von Julian Trager Kontakt Profil

Sie kamen aus dem Ruhrpott, Holland, Kasachstan, der Stasi-Zelle oder Franken - und fanden in der Oberpfalz eine neue Heimat. 62 solche Menschen haben wir an dieser Stelle vorgestellt: Ärzte, Archäologen, Schnapsbrenner, Musiker oder Olympiasieger. Nach 62 Folgen stellen wir nun die Serie ein. Ein Rückblick mit einem fiktiven Durchschnittszugroasten, anhand realer Antworten - durch die auch die Oberpfälzer etwas über ihre Heimat gelernt haben.

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt's?

Der fiktive Durchschnittszugroaste: Ein paar Grantler gibt's schon, und manche sind durchaus Dickschädel. Aber im Großen und Ganzen sind die Oberpfälzer freundlich und hilfsbereit. Und lustig. Zwar nicht so lustig wie die Kölner, aber fast. Dafür sind sie nicht so arrogant wie die Oberbayern. Und offener als die Franken - aber ein wenig spießiger als die Oberfranken. Fazit: Die Oberpfälzer lassen sich wie jede andere Bevölkerungsgruppe auch nicht über einen Kamm scheren - dafür sind sie viel zu verschieden.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Der fiktive Durchschnittszugroaste: Die Oberpfalz ist konservativ und rückständig, Einöde. Das bayerische Sibirien. Oder ein Teil der Pfalz im Rheinland. Was noch schlimmer ist: Ganz viele kannten die Oberpfalz gar nicht, die Region sollte nur eine Zwischenstation in ihren Lebensläufen sein. Nicht die besten Voraussetzungen. Manch erster Eindruck war entsprechend schlecht: "Kurz vor Amberg kamen mir die Tränen. Ich habe mich gefragt, wo schleppt mich mein Mann hin?" Aber hey, die meisten merkten schnell, wie schön es ist - und blieben dann auch. Fazit: Die Oberpfalz ist super und entspricht überhaupt nicht den Vorurteilen gegen sie.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Der fiktive Durchschnittszugroaste: Die Frage ist schnell beantwortet: Nein. Nur die wenigsten wollen wieder raus aus der Oberpfalz. Sie sind hier heimisch geworden, fest verwurzelt. Wer sich am entschiedesten gegen eine Rückkehr in die alte Heimat ausspricht? Die Briten. Liegt wohl am Brexit.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Der fiktive Durchschnittszugroaste: Auch da sind sich die meisten einig: Sie erzählen nicht nur von der Oberpfalz - sie schwärmen von ihr. Von der hohen Lebensqualität, von den netten Leuten. Von der Landschaft, von der Natur. Von den Kirwan, von den Festen, von den Wirtshäusern. Vom Zoigl, vom Weizen, vom Bier. Genauer gesagt: vom billigen Bier. Das hier so günstig ist, dass ein Besucher mal weinen musste, als er die Preise sah. Wenn Besuch kommt, geht's in den Wald, zum See, auf den Monte Kaolino oder den Mariahilfberg, zur Gedenkstätte nach Flossenbürg. Ein Trip nach Amberg, Weiden und Regensburg darf freilich genauso wenig fehlen wie nach Nürnberg und München. Aber ob die letzten beiden Ziele jetzt für die Region sprechen, ist nicht so klar. Fazit: Hier, in der Oberpfalz, ist es wie im Urlaub.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Der fiktive Durchschnittszugroaste: Manche sind vor dem Dialekt gewarnt worden. Und vor allem am Anfang war's auch schwer. Da musste Nachhilfe von Kollegen und Freunden oder vom Schwiegervater her. Hat geholfen. Die meisten verstehen jetzt das meiste, wenn auch nicht alles und nicht von jedem. Macht nichts - nur ein bisschen blöd ist es, wenn man seinen eigenen Sohn nicht versteht, also rein sprachlich. Fazit: So schlimm, wie gedacht, ist es nicht. Und nach zwei, drei Bier geht's sowieso.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Der fiktive Durchschnittszugroaste: Das kommt immer auch darauf an, wie lange man schon hier wohnt.Wer seit Jahrzehnten in der Oberpfalz lebt, fühlt sich meist als Hiesiger. Die anderen sagen klar und deutlich: Ick bleibe Berliner, oder so. Aber, und das ist das Fazit, alle betonen: Wir fühlen uns hier wohl.Wie bei jeder guten Serie, die zu Ende geht, bleibt ein Hintertürchen für eine Rückkehr: Wenn jemand einen Zugroasten kennt, dessen Geschichte unbedingt noch in die Zeitung muss, weil er früher zum Beispiel Minister in Timbuktu war, kann er sich gerne bei der Redaktion melden.

Alle Teile zum Nachlesen gibt es hier.

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