21.07.2021 - 19:32 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Frisch gepresst: Neue Musik aus allen Stilrichtungen und Ecken der Welt

Von einem, der schon mal das JUZ-Weiden gerockt hat, einem oft totgesagtem Goldkehlchem und einer neuen, eidgenössischen Singer/Songwriter-Hoffnung.

Ob Plattenteller, CD-Player oder Spotify-Playlist: Wir haben neue Musik für euch.
von Redaktion ONETZProfil

James: All The Colours Of You (Virgin)

Tim Booth mag es auch auf dem 16. Album seiner Band üppig. Zwei Gitarristen und Keyboarder sind fast Pflicht, gerne genommen die Trompete, aber auch Streicher und voluminöse Background-Chöre gehören zum Besteck. Und Tim Booth ist sauer. Die Trump-Ära mit ihrem Rassismus, der perfiden Umweltpolitik und ihrem grassierenden Kapitalismus bekommt ihr Fett weg. „All The Colours Of You“ ist trotz seiner hymnischen, alles umarmenden, wie Kathedralen großen Melodien auch ein politisches Album geworden und adelt seine Protagonisten daher umso mehr.

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Juliano Rossi: Drunk On Love (Peppermint Park)

Die Indie-Rocker von Terry Hoax spielten in den 90ern gleich zweimal im JUZ Weiden, gehörten damals zur Speerspitze der deutschen Indie-Szene. Deren Sänger hieß damals (und jetzt wieder) Oliver Perau, jetzt nennt er sich Juliano Rossi –und macht unter diesem Moniker komplett andere Musik. Herr Rossi frönt seiner Leidenschaft für den gepflegten Big-Band-Jazz, wie er einst von Frank Sinatra, Burt Bacharach oder Sammy Davis Jr. gesungen wurde. Er covert dabei solche Klassiker, deutet Neil Youngs „Harvest Moon“ oder die Morrissey/Marr-Komposition, „There Is A Light That Never Goes Out“ dergestalt um und macht auch bei Eigenkompositionen eine hervorragende Figur.

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Last Days Of April: Even The Good Days Are Bad (Tapete)

Warum den gar so pessimistisch, Herr Larsson? “When I wake up I feel alone, when I go to bed I feel alone, in my dreams I feel alone” wird da gedichtet. Oder “Hopeless is my only way to be” und "It's been too long, since I had some fun, come on, let's run, run, run, before tomorrow comes" gegreint. Zeilen (oder Titel) wie diese passen natürlich bestens in unseren Pandemie-Alltag, wobei sich dieser ja immer mehr bessert. Und so klingen diese Melodien bei allem negativem Inhalt zumindest positiv, ja geradezu euphorisch, bilden sozusagen den Gegenpol – Yin & Yang auf Schwedisch. Unterm Strich ein ganz feines Indie-Pop-Album, man darf nur nicht zu genau hinhören.

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David Crosby: For Free (Warner)

Auch sein aktuelles Werk hat inzwischen 80-jährige Singer/Songwriter mit seinem Sohn, dem Multi-Instrumentalisten James Raymond, eingespielt. Als Gäste dabei sind unter anderem Michael McDonald, Donald Fagen (Steely Dan) und die mehrfach mit einem Grammy ausgezeichneten Americana-Künstlerin Sarah Jarosz, mit der er im ergreifenden Joni-Mitchell-Cover „For Free“ duettiert. Klang eines der Vorgänger-Alben, „Lighthouse", entspannt bis zum Wegnicken, hat die Folk-Rock-Legende jetzt wieder etwas mehr Pfeffer im Allerwertesten. Und auch wenn diese Stimmbänder schon mit Unmengen von Alkohol begossen wurden, klingen sie nicht weniger verführerisch wie zu seligen Zeiten von Crosby, Stills, Nash & Young.

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Avielle: Oread (Burning Water Rec)

Avielle ist eine Singer/Songwriterin mit arabisch-jüdischen Wurzeln, die in der Schweiz lebt. So weit und schon so interessant. Auch wenn sie derzeit angesagte Themen wie Rassismus, Gendergleichheit oder Umweltschutz in ihren Songs aufgreift, ist die Natur, sind Tiere Metaphern, die Einzug in diese lyrischen Folk-Pop-Songs halten. „Oread(en)“, also Bergnymphen, spielt klar mit dem Sound der späten 60er Jahren, mit Künstlerinnen wie Laura Nyro oder Joni Mitchell. Dabei entwickelt Avielle aber ihre eigene Bild- und Musiksprache, überzeugt mit angenehm klarer Stimme und ruhig fließenden Arrangements.

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Lucinda Williams: Lu´s Jukebox, Vol. II (Thirty Tigers)

Widmete sich der erste Teil dieser tollen, sechsteiligen, live im Studio aufgenommenen Cover-Songs-Serie den Songs von Tom Petty, trägt Nummer 2 den Untertitel, „Southern Soul: From Memphis To Muscle Shoals & More“. Darauf sind dann tolle Versionen von Klassikern wie „I Can`t Stand The Rain“, „Rainy Night In Georgia“ oder „Take Me To The River“ zu hören – sehr relaxt und mit viel Emphase vorgetragen. Lucinda genießt es, wirft sich förmlich in diese Soul-Klassiker und lässt dazu ihre Sechssaitige röhren. Fein!

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