24.09.2018 - 10:28 Uhr
OberpfalzDeutschland & Welt

Sturm "Fabienne": 330 Einsätze in der Oberpfalz

In der Oberpfalz rückte die Polizei am Sonntagabend nach eigenen Angaben zu rund 330 Einsätzen aus. Schwerpunkt des Sturmtiefs waren Weiden, die Landkreise Neustadt/WN und Amberg-Sulzbach - Unfälle gingen zumeist glimpflich aus.

von Jürgen Herda Kontakt Profil

(jrh/upl/cv) Pünktlich am Tag des kalendarischen Herbstanfangs ist über weite Teile Süd- und Mitteldeutschland ein Sturm gezogen. Besonders betroffen von "Fabienne", wie das Sturmtief genannt wurde, waren der Süden Hessens sowie Teile Thüringens, von Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern. Auf dem Oktoberfest in München rief die Festleitung nach 20 Uhr die Menschen auf dem Gelände bei starkem Wind und beginnendem Regen auf, die Wiesn langsam zu verlassen.

"Mit mittlerweile 150 unwetterbedingten Einsätzen zahlenmäßiger Schwerpunkt war die Stadt Weiden und die Landkreise Neustadt/WN und Amberg-Sulzbach", sagt Polizeisprecher Josef Obermeier. "Es ging kurz nach 18 Uhr los und hat sich gegen 20.30 Uhr abgeschwächt." Das Sturmtief bewege sich Richtung Süden. Zwischen Weiden-West und Weiden-Frauenricht seien so viele Bäume umgestürzt, dass die A 93 für rund drei Stunden gesperrt werden musste. "Das THW hat sie vor Ort zusammengesägt und beseitigt." Etwa 20 Unfälle habe man verzeichnet, "Fahrzeuge, die von einer Windböe erfasst gegen die Leitplanke gedrückt wurden oder Pkw, die gegen umgestürzte Bäume fuhren - und Bäume, die auf fahrende Autos stürzten." Drei Autofahrer wurden dabei leicht verletzt. Einer davon bei Freudenberg.

Weitere Schäden entstanden auch durch umstürzende Bauzäune und Baustellenabsperrungen. In Weiden beispielsweise stürzte bei der NOC-Großbaustelle das Baugerüst teilweise ein. Die Höhe der entstandenen Schäden könne laut einer Pressemitteilung der Einsatzzentrale Oberpfalz derzeit noch nicht beziffert werden.

Kirwabaumspitze fällt auf Festzelt

"Das herausragendste Ereignis war in einem Ortsteil von Neumarkt, wo die Spitze eines Kirwabaums abgebrochen und auf das Dach des Festzelts gefallen ist." Von den 30 Besuchern im Zelt seien 6 Besucher leicht verletzt vorsorglich ins Klinikum gebracht worden. "Ansonsten das Übliche", fasst er zusammen: "Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer etwa in Auerbach, wo das Dach eines Herstellers medizinischer Geräte fast komplett abgedeckt wurde."

Der Zugverkehr von Weiden Richtung Wirsberg und Amberg Richtung Schnaittenbach sei wegen umgestürzter Bäume zeitweise eingestellt worden. "In Regensburg konnten wir schon umgestürzte Bauzäune und ein durch die Gegend fliegendes Dixi-Klo beobachten", schließt Obermeier seine Zwischenbilanz.

Kirwabaum fällt auch in Schmidmühlen

Im Landkreis Amberg-Sulzbach hat der Sturm am Sonntagabend den Schmidmühlener Kirwabaum umgelegt. Das Anfang September aufgestellte, 32 Meter lange Schmuckstück wurde von einer Windböe förmlich aus dem Loch gesprengt, die zentnerschwere Verankerung mit herausgerissen und verbogen. Mitglieder der Kirwagemeinschaft und Feuerwehrleute sicherten den Unfallort ab. Der Kirwabaum fiel auf ein benachbartes Anwesen, das unbewohnt ist. Im Laufe des Tages soll ein Autokran zum Einsatz kommen, der den Baum auf die Straße hievt.

In einigen Orten - etwa in Hirschau - fiel der Strom aus. "Das kam wie auf einen Schlag", fasst Andreas Uber, Schichtleiter der Integrierten Leitstelle Amberg am späten Abend zusammen. Schlag auf Schlag gingen auch die Notrufe bei der ILS ein.

Baggerschiff umgestoßen

Einsätze gab es im Landkreis-Norden in Löffelsberg (Stadt Pfreimd) Oberköblitz, Saltendorf und Neunaigen (Markt Wernberg-Köblitz). Im Osten waren die B 22 bei Teunz, Oberviechtach und Winklarn betroffen. In der Landkreismitte mussten die Helfer in den Bereich zwischen Brensdorf und Stulln ausrücken. Hier fuhr ein Auto in auf die Fahrbahn gestürzte Bäume. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. In Traunricht (Markt Schwarzenfeld) krachte ein Baum auf ein Hausdach. Im Landkreis-Süden nennt Uber die Schwerpunkte Teublitz, die A 93 bei Ponholz, Nittenau und Premberg.

Auch bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberpfalz stand das Telefon nicht mehr still. Ruhiger wurde es hier erst gegen 20.45 Uhr. In Franken wurden im Landkreis Aschaffenburg zahlreiche Dächer abgedeckt, Bäume stürzten um, wie die Feuerwehr am Sonntagabend mitteilte. Besonders heftig sei es in Großostheim gewesen. Dort wehte der Wind ein Sportflugzeug um - Kraftstoff lief aus. Verletzte gab es dabei nicht, in dem Flugzeug saß niemand. Außerdem wurde das Baggerschiff eines Kieswerkes umgestoßen.

Bahnstrecken gesperrt, Flüge annuliert

Ein Bahnsprecher in Berlin sagte am Abend, es gebe im Süden der Republik zahlreiche Bäume im Gleis oder in Oberleitungen. Unwetterschäden schränkten den Verkehr am Sonntagabend erheblich ein: So war beispielsweise die Verbindung zwischen Erfurt und Nürnberg - auf der DB-Prestigestrecke Berlin-München - betroffen. "Die ICE-Züge werden zurückgehalten und warten das Ende der Sperrung ab."

Auch die Strecken Mainz-Worms-Mannheim sowie Aschaffenburg-Würzburg und Würzburg-Nürnberg waren in beiden Richtungen gesperrt. Auch der Flughafen Frankfurt meldete Probleme. Etwa zwei Dutzend Flüge waren vor allem zwischen 16 und 18 Uhr annulliert worden, wie die Website zeigte. Fluggäste wurden noch am Abend gebeten, ausreichend Zeit für die Anreise einzuplanen und sich möglichst früh am Check-in-Schalter einzufinden. In Stuttgart sagte ein Sprecher des Lagezentrums, es gebe zahlreiche umgekippte Bäume in Baden-Württemberg. Außerdem seien zahlreiche Straßen gesperrt worden. Es habe aber wohl schon heftigere Unwetter als "Fabienne" gegeben, so der Sprecher.

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