Organspende als bewusster Akt der Mitmenschlichkeit

Die Organspende ist ein letzter Akt an Menschlichkeit. Einen Teil seines Körpers zu spenden, damit andere leben können. Keinem geliebten Angehörigen, einem anonymen Empfänger. Vor der Transplantation sind alle gleich.

Ein Organspendeausweis, aufgenommen beim Tag der Organspende vor dem Modell eines menschlichen Torsos.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
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Eine letzte große, vielleicht sinnstiftende Geste. So weit der Idealfall in einer Welt mit garantierter Gerechtigkeit. Wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht. Wie im Fall des Bremer Patienten, dem man bereits den Bauch zur Organentnahme geöffnet hatte, bevor man feststellte, dass er nicht hirntot war.

Der anschließende Rückgang an Organspenden hängt mit dem Vertrauensverlust zusammen, den einige wenige Ärzte und Kliniken mit manipulierten Krankenakten verursachten: Die eigenen Patienten wurden kränker geschrieben, um ihre Chancen zu erhöhen. Menschlich nachvollziehbar, aber in der Wirkung verheerend. Bei Organspenden dürfen keine anderen Motive eine Rolle spielen, als die objektive Beurteilung durch neutrale Instanzen. Und bei der Feststellung des Hirntods muss ein Irrtum so gut wie ausgeschlossen sein. Das setzt voraus, dass nicht völlig übermüdete Ärzte eine übereilte Entscheidung treffen müssen. Solange daran Zweifel bestehen, sollte die Organspende ein bewusster Akt der Mitmenschlichkeit bleiben.

Das aber entbindet keineswegs von der Verantwortung für Zehntausende Patienten auf der Warteliste, von denen bisher bestenfalls einem Drittel geholfen werden kann. Im Gegenteil müssen Politik und Mediziner alles dafür tun, um diesen sensiblen Bereich so transparent und manipulationssicher wie irgendmöglich zu organisieren. Und jeder Einzelne muss abwägen, ob er das Restrisiko am Ende seines Lebens nicht doch in Kauf nehmen will, um Leid zu lindern und Leben zu retten.

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