03.11.2026 - 06:58 Uhr

„Ostfriesenkrimi“ im ZDF: Schuld hat immer die Mutter

Eine Fortsetzung erhält ein besonderer Fall der ZDF-Krimireihe: Ein selbst ernannter Rächer, der andere Täter getötet hat und einst von den Kommissaren aus Aurich überführt wurde, flieht aus der Haft.

Die Kommissare Weller (Tom Radisch, 2.v.l.) und Klaasen (Picco von Groote, r.) führen den entflohenen Häftling Johannes Theissen alias Dr. Sommerfeldt (Sven Schelker, M.) ab. Bild: Michael Ihle/-/dpa
Die Kommissare Weller (Tom Radisch, 2.v.l.) und Klaasen (Picco von Groote, r.) führen den entflohenen Häftling Johannes Theissen alias Dr. Sommerfeldt (Sven Schelker, M.) ab.

Bei diesem TV-Krimi ist der Täter längst bekannt - und das macht es so spannend. Denn der Gegenspieler der Kommissare der ZDF-Reihe „Ostfriesenkrimi“ ist ein von ihnen verhafteter Mörder. Ein selbst ernannter Robin Hood, der Opfer von Gewalttaten rächte. Nun kann er aus dem Gefängnis ausbrechen - und es beginnt ein neuerliches Katz- und Mausspiel zwischen den Ermittlern und dem vermeintlichen Arzt Bernhard Sommerfeldt. 

Zu sehen ist die Folge „Ostfriesentodesspiel“ - eine Verfilmung der „Ostfrieslandkrimi“-Romanreihe von Bestsellerautor Klaus-Peter Wolf - am 7. November um 20.15 Uhr im ZDF und bereits jetzt im Streamingportal des Senders.

Der Teufel als Beschützer und Rächer der Opfer

Rückblick: Mit einer Teufelsmaske auf dem Kopf tötete Johannes Theissen alias Bernhard Sommerfeldt (gespielt von Sven Schelker) im Film „Ostfriesentotenstille“ (noch immer im ZDF-Streamingportal zu sehen) Gewalttäter aus seinem Umfeld - und hielt ihnen zuvor eine Moralpredigt, in der er aus Literaturklassikern zitierte. 

Pikant: Der charmante, belesene Arzt, der sanft wirkt, hatte sich im Rahmen der Ermittlungen insbesondere auf Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen (Picco von Groote) eingeschossen. Es schien gar ein Flirt zwischen ihnen zu geben - ganz zum Unmut von Klaassens Ermittlungs- und Lebenspartner Frank Weller (Tom Radisch). 

Nun also haut Sommerfeldt während eines Klinikaufenthaltes aus der Haft ab. Es ist ein abgekartetes Spiel, das wird schnell klar - eine Gefängnisärztin, ebenfalls ein Gewaltopfer, hat dem charmanten Menschenfänger geholfen. Und Sommerfeldt hat noch mehr Hilfe: Viele Frauen haben sich zu Fans des Mörders entwickelt, über den ein Buch erschienen ist - hat er doch einst weibliche Opfer gewalttätiger Männer gerächt. 

„Ich töte nicht für Geld“

Eine solche Frau bietet ihm nach seinem Ausbruch einen ersten Unterschlupf, übergibt ihm Geld, ein Foto ihres Mannes und die Adresse eines Hotels, in dem ihr Mann gerade ist. Hannah Grün (Jule Böwe) ist blau und grün geprügelt - und bittet Sommerfeldt um Hilfe. „Ich töte nicht für Geld“, antwortet dieser und zieht weiter. 

Denn der Rächer hat noch eine ganz persönliche Rechnung mit seiner Familie offen. Wie es scheint, hat seine eigene, hartherzige Mutter (Ulrike Lüthi-Willenbacher) ihn einst unschuldig zum Sündenbock eines schweren Unglücks im Umfeld des Familienunternehmens gemacht. 

Auf seiner Flucht kommen Sommerfeldt die Ermittler rasch nahe. Aber er kann ihnen entkommen und entführt sogar kurzzeitig Kommissar Weller. Doch er tut ihm nichts - vielmehr hat er einen Rat für das Ermittler- und Lebenspaar Klaasen und Weller: „Es geht mich ja nichts an, aber schaut öfter mal hin, was ihr an euch habt: Eure Liebe ist ein Riesengeschenk, das ihr erleben dürft. Im Gegensatz zu mir.“

Die Ermittler ahnen allerdings rasch, wohin der Mörder nun möchte. Doch ein Zwischenfall zurück in Aurich lockt sie erst mal auf eine andere Spur: Dort wird der betrügende und seine Frau prügelnde Ehemann der Ausbruchshelferin Sommerfeldts ermordet aufgefunden. Das kann ja nur der Rächer gewesen sein - was sonst sollte die Polizei annehmen? Zumal die Frau des Mordopfers auch noch seinen Namen im Verhör nennt. 

Aber Klaasen - die unter den TV-Ermittlern ein ganz besonderes, fast schon visionäres Gespür für Motive und Zusammenhänge hat, welches den Kollegen oft fremd ist - glaubt nicht daran. Während sie die widersprüchlichen Entwicklungen einzuordnen versucht, konfrontiert Sommerfeldt seine Mutter mit den bitteren Wahrheiten der Vergangenheit und ihrer mangelnden Zuneigung zu ihm. 

Doch Sommerfeldt ermordet seine Mutter nicht - das überlässt er in einer Wende fast zum Schluss überraschend jemand anderem. 

Ist die Folge etwas für jemanden, der die TV-Reihe nicht kennt?

An sich muss man andere Filme der „Ostfriesenkrimi“-Reihe im ZDF nicht kennen. Bei den allermeisten Folgen kann man einfach einmal einschalten und einen spannenden, für sich stehenden Fall erleben - prinzipiell auch dieses Mal. Die Dialoge liefern genügend Informationen, um die bisherige Geschichte des Mörders Sommerfeldt so weit wie nötig erschließen zu können. 

Und doch entgehen einem viele Einzelheiten zu den Hintergründen, den handelnden Figuren und ihren Beziehungen, wenn man den dazugehörigen Film „Ostfriesentotenstille“ nicht kennt. Das gilt etwa für Sommerfeldts Geschichte mit den Frauen, insbesondere mit Cordula Baumann (Milena Straube). Es lohnt sich also, diesen Krimi auf der ZDF-Streamingplattform vorher nachzuschauen. 

Die „Ostfriesenkrimis“ mit Ermittlungen rund um die niedersächsischen Städtchen Norden und Aurich gibt es seit 2017 im ZDF, sie laufen teils auch bei Arte. 

Mittlerweile umfasst die ZDF-Reihe 16 Folgen, wobei die Darsteller mancher Figuren wechselten: Christiane Paul spielte Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen in den Folgen 1 bis 3, dann Julia Jentsch in den Folgen 4 bis 6. Seit Folge 7 hat Picco von Groote die Hauptrolle inne. Auch bei der Rolle Frank Weller wurde gewechselt: Christian Erdmann wurde Ende 2025 ab Folge 13 von Tom Radisch abgelöst.

© dpa-infocom, dpa:261103-930-934988/1

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