04.05.2021 - 15:17 Uhr
PentlingDeutschland & Welt

Ein Gründer aus Regensburg will dafür sorgen, dass Gedankenblitze Realität werden

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Gute Ideen erleichtern das Leben. Ein Regensburger Unternehmen bietet mit seiner Plattform auf der Ideensucher und Problemlöser zusammenfinden. Die erste Idee hat er selbst entwickelt.

Christian Preis aus Pentling (Kreis Regensburg) hat die Ideenplattform „Jemand müsste mal...“ gegründet. Mit dem „Rahmenheld“ kann das Portal ein erstes in die Praxis umgesetztes Produkt vorweisen.
von Redaktion ThemenProfil

Von Andreas Kerscher

„Da geht so viel Potenzial verloren, das hat mich gewurmt“, dachte sich Christian Preis aus Pentling bei Regensburg und hat kurzerhand das Ideenportal „Jemand müsste mal ... !“ und die dazugehörige Firma „Perspektive i“ gegründet. Gegen eine Abogebühr können Firmen dort auf einen Pool voller Ideen zugreifen. Davon profitieren dann auch die Erfinder.

Als Preis während seiner Schulzeit auf dem Bau jobbte, beobachtete er, dass sich die Bauarbeiter ein Werkzeug zum Schalen von Betonelementen selbst basteln mussten. Baustelle für Baustelle immer wieder neu. Ein professionelles Hilfsmittel gab es nicht. „Ideen identifizieren immer Probleme oder Ineffizienzen und lösen sie manchmal sogar“, sagt Preis. Jemand müsste die Lösung der Handwerker nur mal aufgreifen und als professionelles Werkzeug auf den Markt bringen.

Bindeglied zwischen Erfindern und Umsetzern

Mit dem im Sommer 2020 gestarteten Ideenportal „Jemand müsste mal...“ will Preis das möglich machen. Jeder kann auf der Plattform Ideen und Alltagsprobleme einreichen. Preis und drei Mitgründer, die er ins Boot geholt hat, bewerten die Einsendungen. Lösungen, die es bereits gibt, fallen raus, alle anderen landen im großen Ideenpool. Firmen und Ideennehmer, die aus diesem Pool schöpfen wollen, müssen ein Abo abschließen. Weniger als 300 Euro im Jahr koste das, sagt Preis.

Den Kreativen fehlen oft die Mittel, um ihre Ideen wirtschaftlich nutzbar umzusetzen. Und Firmen im Mittelstand können sich oft keine eigene Entwicklungsabteilung leisten, sagt Preis. Das Start-up soll darum zum Bindeglied zwischen Erfindern und Umsetzern werden, hofft der 32-jährige Betriebswirt.

Noch ist „Jemand müsste mal ...“ in einer sehr frühen Phase, Preis und seine Mitgründer haben hauptberuflich noch andere Jobs. Rund 100 Ideen schwimmen ein halbes Jahr nach dem Start im Ideenpool. 18 Unternehmen, größtenteils aus der Region, haben sich bereits als Ideennehmer angemeldet. „Das könnten noch mehr sein“, räumt Preis ein. Das Start-up stehe mit den Unternehmen im Austausch, um die Seite weiter auszubauen und stetig zu verbessern.

Ideen, in denen das Team besonders viel Potenzial sieht, greift „Jemand müsste mal...“ auch gesondert auf, beteiligt sich mit Know-how und hilft aktiv bei der Suche nach geeigneten Firmen für die Umsetzung. Kommt es dazu, werden die Ideengeber beteiligt – wie hoch hängt vom Einzelfall ab. Fertig ausgearbeitete Lösungen werden anders bewertet als reine „Jemand müsste mal...“-Problemstellungen.

Schutz für die Urheber durch Blockchain-Technik

Damit auch nachweisbar ist, wer wann welche Idee gehabt hat, nutzt das Start-up die sogenannte Blockchain-Technologie: Jeder Idee wird dabei ein eindeutiger Zahlencode zugeordnet, der klar zeigt, wer wann welche Idee eingereicht hat. Diese Informationen werden dezentral und damit nicht manipulierbar gespeichert. Damit es keine rechtlichen Probleme gibt, arbeitet „Jemand müsste mal...“ bei allen Fragen rund ums Patentrecht mit einem Fachanwalt zusammen. Der Anwalt hat das Start-up von Anfang an beraten, damit die Ideen auf der Plattform auf eine Art und Weise veröffentlicht werden, die nicht patentschädlich ist.

Eine erste Idee, die es zum fertigen Produkt geschafft hat, kann „Jemand müsste mal...“ inzwischen vorweisen: Beim „Rahmenheld“ handelt sich um eine Leiste, die an einem Türrahmen befestigt wird, um Kleiderbügel zu halten. Das Problem, dass frisch gebügelte Hemden beim Abkühlen ständig auf den Boden fallen, oder Türen von den Kleiderbügeln zerkratzt werden, habe sich damit erledigt. „Eine banale Idee“, wie Preis selbst sagt. Aber eine, die ein kleines Alltagsproblem löst, das mehrere Menschen haben.

Die Idee für dem Rahmeheld stammt von Preis selbst, noch nicht von einem Nutzer, sagt der Gründer. Man habe einmal zeigen wollen, wie schnell die Umsetzung in der Praxis gehen kann. Ein Schreiner entwickelte aus der Idee ein Plastikprofil, Möbel Biller aus Eching bei Landshut nahm den Rahmenhelden ins Sortiment auf.

In der ersten Phase freut Preis sich einfach nur darüber, wenn aus Ideen über die Plattform „Jemand müsste mal...“ tatsächlich Produkte entstehen, sagt er. „Ich brenne für das Thema, wir bekommen Anfragen aus ganz Deutschland, das macht mir viel Spaß.“ Wenn der Gründer über sein Projekt spricht, ist seine Begeisterung selbst durch den Bildschirm der Video-Unterhaltung zu fühlen. Aber natürlich soll das Portal auch wirtschaftlich erfolgreich werden. „In drei bis fünf Jahren möchten wir tatsächlich als Partner zwischen Erfindern und Umsetzern etabliert sein.“

Interview mit Christian Preis

Pentling
Hintergrund:

Ideenpool "Jemand müsste mal..."

  • Rund 100 Ideen gibt es schon im Ideenpool. Ideen kann jeder kostenlos Einreichen.
  • Auf der Plattform kann man auch ungelöste Probleme einreichen. So kann daraus etwas entstehen, weil Ideengeber und Suchende zusammengebracht werden.
  • Gegründet wurde "Jemand müsste mal ..." im April 2020.

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