Spuren von Kettensäge und Krokodil

"Kettensäge-Franz" hat einen gut genährten "Adam" hinterlassen. Bunt und mit Bauch präsentiert sich die Skulptur in der "Kunsthalle Pertolzhofen" – in bester Gesellschaft.

Künstler Heiko Herrmann präsentiert in Pertolzhofen Skulpturen von über 20 Künstlern, die bei den Kunstdingertagen Spuren hinterlassen haben.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Die "Kunsthalle" hat derzeit Besuch von Objekten, die bei den Kunstdingertagen in Pertolzhofen (Landkreis Schwandorf) entstanden und nie abgereist sind. Bunt ist sie, diese Gesellschaft, die hier an ihre Schöpfer erinnert, und jede bringt eine Geschichte mit.

Künstler Heiko Herrmann hat die Anekdoten alle im Kopf, und nach 25 Jahren mit den jeweils zweiwöchigen Künstlertreffen in seinem Zehentstadel hat sich da einiges angesammelt an "Positionen zeitgenössischer Skulptur".

Vergessen, verschenkt oder einfach nur zwischengelagert? Auf dem Dachboden, aber auch zwischen den Brennnesseln im Garten hat der Initiator der Kunstdingertage eine ganze Reihe von Erinnerungsstücken zusammengetragen. Von Sabrina Hohmann ist eine Art Kokon geblieben, so groß wie ein Hornissennest. Thomas Kahl hat aus einem Brett ein Krokodil herausgearbeitet, das über Heiko Herrmanns "Außenwelt-Stabilisatoren" wacht. Vieles, was sich hier versammelt hat, könnte einem phantasievollen Comic entsprungen sein, einem recht eigenwilligen Comic allerdings.

Manches ist bunt wie das "Chamäleon" von Susanne Mansen, anderes eher archaisch wie die Eisenskulptur mit Bollen von Herbert Wurm. Ein wenig provokant positioniert sich Albert Pfriegers Collage mit Puppenkleid, Kerzenständer und Schnuller die im Goldrahmen gleich den Titel mitliefert: "Was du nicht magst, mag dich auch nicht". Viele dieser Objekte erzählen vom Schaffensprozess in der Gruppe, aber auch davon, wie sich die moderne Kunst auf dem Land einen Platz erobert.

Das hölzerne Auto mit Scheinwerfern wie Augen birgt so eine Geschichte: Sylvester Ambroziak, einer der Teilnehmer an den Kunstdingertagen, hat damals für sein Werk Lindenholz benötigt und sich an Hausherr Herrmann gewandt. "Ich habe ihm dann vorgeschlagen, in der Dorfkneipe ein Bier zu trinken", erzählt der Pertolzhofener Kunstvereinsvorsitzende. "Ich will kein Bier, ich will Holz", habe der Gast protestiert und seine Meinung schnell revidiert, als am Morgen danach sechs Stämme Lindenholz vor der Tür standen: "Biertrinken lohnt doch."

Dafür ließen sich die Künstler bei der Arbeit über die Schulter schauen, der "Kettensäge-Franz" (Franz Burkhardt) beispielsweise, der mit grobem Werkzeug einen Adam "zum Leben erweckt" hat.

Rund 20 Zeugnisse solch unbändiger Schaffenskraft passen in den Container, ebenso viele Vertreter der modernen Kunst haben hier ein Objekt "zwischengelagert". Zu sehen ist die Sammlung in dem über Fenster einsehbaren Container am Bayerisch-böhmischen Freundschaftsweg in Pertolzhofen noch bis 31. März.

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