08.11.2019 - 18:53 Uhr
PirkDeutschland & Welt

Maximilian Zeus als Grenzgänger: Läufer auf der Spur der deutschen Teilung

Was hat die deutsch-deutsche Grenze für Land und Leute vor 30 Jahren bedeutet? Der Läufer Max Zeus aus Pirk geht dieser Frage mit einigen Mitstreitern auf die Art an, die er am besten beherrscht. Laufend.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Auch eine Möglichkeit, ans Mauerfall-Jubiläum zu erinnern: Maximilian Zeus aus Pirk bei Weiden läuft die ehemalige innerdeutsche Grenze ab. In acht Tagen geht es vom bayerisch-sächsisch-tschechischen Dreiländereck bis zur Ostsee bei Travemünde. Zeus ist zweifacher deutscher Berglauf-Meister, aber selbst für den Hochleistungssportler wären die 1400 Kilometer nicht zu schaffen. Im Team geht es. Der 24-Jährige teilt sich die Strecke mit sieben Kollegen des Salomon-Trailrunning-Teams.

Die Mannschaft ist aufs Querfeldeinlaufen spezialisiert und das passt zur Strecke, die Zeus per Telefon aus Niedersachsen schildert. Größtenteils geht es durch die Natur. Die Konstante sei ein Plattenweg, der aus der Zeit übrig ist, als der Streifen die beiden deutsche Staaten trennte. "Auf dem Weg waren die DDR-Grenzsoldaten zu Kontrollen unterwegs", erklärt Zeus.

Zwei Gruppen

Die Läufer nutzen die Plattenstraße in zwei Staffel-Gruppen, die eine startet um 6 Uhr und läuft bis Mittag, die zweite ist bis in den Abend unterwegs. 120 bis 200 Kilometer legen die Sportler so täglich zurück. Zeus startet meist am Morgen mit Stirnlampe in der Dunkelheit. 20 bis 30 Kilometer beträgt sein Tagespensum. Dass es aber nicht um Hochleistungssport geht, erklärt Teamkollege Philipp Reiter. Der Reichenhaller hatte die Idee zum "Wallrun" und kümmert sich um die Organisation und Koordinierung der beiden Wohnmobile. "Der Mauerfall ist 30 Jahre her, ich selbst bin erst 28", sagt Reiter. Er wolle mehr über diese besondere Grenze erfahren.

Dafür sind an den acht Tagen auch Besuche in Museen oder in ehemaligen Wachtürmen eingeplant. Dafür sei genug Zeit, auch wenn sich die Sportler schon einige Umwege geleistet haben. "Einen Marathon sind wir sicher schon extra gelaufen", sagt Reiter über die Orientierungsschwierigkeiten seiner Truppe.

Treffen mit Grenzsoldaten

Zu den eingeplanten Treffen mit Zeitzeugen haben es die Sportler aber noch immer rechtzeitig geschafft. Sie sprechen dabei mit Grenzsoldaten, Flüchtlingen und Fluchthelfern. Hinzu kommen die Eindrücke auf der Strecke. "Man merkt, dass der Wald dort überall noch sehr jung ist. Der Grenzstreifen wächst langsam zu", sagt Reiter. Das sei eine schöne Symbolik.

Diese Erfahrungen haben auch Maximilian Zeus beeindruckt. So sehr, dass er Extra-Stress auf sich nimmt. Am Donnerstag stand für ihn eine wichtige Klausur an der Uni Bayreuth an. Deshalb musste er sich am Mittwoch nach seiner "Schicht" auf den Weg machen. Anders als zunächst geplant, kehrte er aber am Freitag zurück. Den Zieleinlauf an der Ostsee am gestrigen Freitag wollte sich Zeus nicht entgehen lassen. Hinzu kommt als Höhepunkt am heutigen 9. November pünktlich zum Mauer-Fall-Jubiläum ein Lauf durch Berlin entlang der historischen Schauplätze. Wirklich eine besondere Art, den 30. Jahrtag zu begehen.

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