03.05.2019 - 14:00 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Politik, Poesie und Philharmonie

Konstantin Wecker wird zwar demnächst 72 Jahre alt, doch noch immer ist er voller Power und hat etwas zu sagen. Doch dermaßen energiegeladen, wütend und emotional wie 2019 wirkte er selten zuvor.

„In diesen gefährlichen Zeiten müssen Künstler zusammenhalten und Farbe bekennen“, sagt Konstantin Wecker. Sein Projekt „Weltenbrand“ ist seine Antwort darauf.
von Autor MFGProfil

Der Inbegriff des Liedermachers ist heutzutage – und das seit Dekaden – eine Institution, eine Konstante, ein personifiziertes freudiges Ereignis. Erklärter Pazifist sowieso. Man muss seine Kunst nicht mögen, um dem gebürtigen Münchner dennoch neidlos zuzugestehen, dass er ein Original, eine Ausnahmeerscheinung und vor allem ein echter Mensch ist. Mit allen Ecken und Kanten, die unser Dasein ausmachen. In blutleeren und unüberschaubaren Zeiten wie den heutigen wohl das größte Kompliment, das man einem Kerl, der sich felsenfest und unwiderruflich der Kunst als Existenz sowie dem Widerstand als unumstösslicher Philosophie verschrieben hat, erteilen kann.

Im aktuellen Jahr bereitet uns Konstantin Wecker mit„Weltenbrand“ ein ganz besonderes Ereignis. Denn der Münchner Troubadour hat sich mit der Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie zusammen getan, um vorrangig – aber nicht ausschließlich – politische Kompositionen in symphonischem Gewand zu präsentieren. Am Dirigentenpult wird Mark Mast stehen, den Wecker seit bald zwei Dekaden kennt und außerordentlich schätzt. Und mit dem es all die Jahre über immer wieder innovative Kooperationen gegeben hat.

Mast stammt aus dem Schwarzwald, studierte Musik zunächst in Heidelberg, später in Paris und München, er begann seine Dirigentenlaufbahn 1992 in der bayerischen Landeshauptstadt, wo er seit 1994 als Intendant und Chefdirigent tätig ist. In Sommer, Herbst und Winter wird Konstantin Wecker zusammen mit der „Bayerischen Philharmonie“ unter Leitung des Dirigenten Mast zahlreiche Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz absolvieren. Zu hören sein werden alte und neue Stücke des bedeutenden Liedermachers. Gene episch. Gerne kritisch.

ONETZ: Woher kommt Ihre Begeisterung für den Klang des Orchesters?

Konstantin Wecker: Die liegt in meinem Vater begründet. Der war ein Tenor, wenn auch nicht sonderlich erfolgreich. Er hat mich vor allem mit der Italienischen Oper groß gezogen. Wir haben fast täglich Schellack-Platten gehört. Ich habe mit Papa gemeinsam gesungen. Er die männlichen Parts ich die weiblichen. Zumindest bis zu meinem Stimmbruch. Wir waren eine arme Familie. Aber wir besaßen diese Obsession für Musik. Die war stets wesentlich größer als die Leidenschaft fürs Geldverdienen.

ONETZ: Wann hatten Mark Mast und Sie zum ersten Mal die Idee für Ihre aktuelle Konzertreihe?

Ich habe mit Mark schon verschiedene Projekte durchgezogen. Wobei er ursprünglich vom Jazz kommt. Ich habe ihm höchstpersönlich die Klassik ein bisschen näher gebracht. Wie auch immer: Mein Wunsch war es, nochmals etwas „Orchestrales“ auf die Beine zu stellen. Wobei wir „nur“ 20 Musiker sind. Die übrigens aus 18 Nationen stammen. Darunter ist etwa ein syrischer Geiger, ein genialer Instrumentalist. Dieses Kosmopolitische des Ganzen ist mir ein großes Anliegen.

ONETZ: Würden Sie Mark und sich als Freunde bezeichnen?

Wir sind Vertraute und Kreativpartner gleichermaßen. Doch weil wir beide viel unterwegs sind, ist es mit der Pflege unserer Freundschaft nicht ganz so einfach. Aber wir bemühen uns darum.

ONETZ: Muss sich das Orchester Ihrem Naturell und Ihren Kompositionen unterordnen? Oder ist es umgekehrt der Fall?

Meine Wenigkeit sowie die Arrangements meines langjährigen musikalischen Leiters Jo Barnikel stehen im Vordergrund. Dem Orchester gebe ich die Sachen vor. Insofern ist das alles recht streng konzipiert. Aber es wird auch einige rockige Töne geben. Doch die Improvisation spielt eine ziemlich untergeordnete Rolle. Ganz ausschließen will ich diesen Aspekt freilich nicht.

ONETZ: Wie gehen eigentlich Politik und Philharmonie zusammen?

Es liegt daran, dass ich mich seit einiger Zeit wieder mehr dem politischen Engagement zuwende. Aus dem einfachen Grund, weil ich das für zwingend notwendig halte. Denn die faschistoiden Entwicklungen in der Welt werden stärker. Denen halte ich mit Humanität entgegen. Und Poesie und Widerstand schließen sich nicht aus. Musik kann das Herz der Menschen öffnen. Im Gegensatz zu manch hohlen politischen Reden unserer Zeit.

ONETZ: Gehen Textinhalte im orchestralen Klangkörper nicht zwangsläufig verloren?

Nein, überhaupt nicht! Weil diese wunderbare Musik meine Inhalte aufs Allerschönste untermalt und bekräftigt.

ONETZ: Sind diese Konzerte speziell für Sie?

Unbedingt! Schon aus dem Grund, dass ich mich im Klang dieses opulenten Sounds aalen und wohlig suhlen werde. Das wird ein Klangzauber für sämtliche Beteiligten.

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